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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kork

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Kork - Kork

sitzen. Auch Frauen beteiligen sich bei der Arbeit. Das Schneiden ist eine Arbeit ganz aus freier Hand; die dazu nötige Akkuratesse und Schnelligkeit, um auf einen leidlichen Verdienst zu kommen, setzt eine bedeutende Einübung voraus. Der Arbeiter braucht einen Tisch und ein paar lange haarscharfe Messer, das Zuschneide- und das Rundschneidemesser, die er bei der Arbeit noch öfter wie der Barbier die seinigen nachschärfen muß, was auf einem ans rechte Bein gebundenen Streichleder geschieht, worauf allemal noch ein paar Striche auf einer am Tische befestigten Speckschwarte folgen. Die zu verarbeitenden Platten, welche, wenn durch Alter oder durch das Sengen zu hart geworden, erst in Wasser gequellt werden müssen, werden erst äußerlich „abgeborkt“ und von Unebenheiten befreit, dann auf dem Tische liegend zugeschnitten, d. h. in Streifen und diese in Würfel tranchiert, die je nach dem verlangten Format der Stöpsel größer oder kleiner sind. Diese Arbeit ist die schwierigste; es muß alles nach Augenmaß und doch so akkurat gemacht werden als wäre es mit Hilfe von Zirkel und Winkel geschehen. Mulmige und sonst fehlerhafte Stellen müssen schnell erkannt und ausgeschnitten und das noch Brauchbare daran in kleinere Würfel geformt werden. Das Rundschneiden der eckigen Stücke mit dem aufgestemmten Messer erfolgt in ähnlicher Weise wie ein Apfel geschält wird, und durch je einen Schnitt werden dann die beiden Endflächen abgeglichen. Ein guter Arbeiter bringt von gewöhnlichen Weinflaschenkorken im Tage etwa 1000-1200 Stück fertig, von kleinen Sorten mehr. In der Regel verlegt sich ein Arbeiter immer nur auf eine gewisse Klasse von Korken, eine größere oder kleinere Form und eine feinere oder gröbere Gattung. - Es haben sich wohl die Mechaniker fast aller Länder bemüht, die Arbeit des Korkschneidens, die beiläufig gesagt in allen Ländern in gleicher Weise geführt wird, durch Maschinen verrichten zu lassen; aber alle Versuche, hierzu schneidende Instrumente anzuwenden, sind an der raschen Abstumpfung derselben gescheitert. Ein Franzose Moreau hat die Sache dann anders angegriffen und dadurch einigen Erfolg erzielt. Er läßt auf seinen Maschinen die Korke bohren, d. h. stählerne Röhren, die am arbeitenden Ende mit einem Kranz von Sägezähnen besetzt sind, schneiden in rascher Umdrehung aus den Platten cylindrische Stücke, deren Oberfläche dann durch Schleifen an Schmirgelscheiben geglättet wird. Es scheint nicht, als ob Moreau's Maschinen in Frankreich viel benutzt würden; sie können auch schwerlich wohlfeiler arbeiten, als die genügsamen Schnitzer, und haben nur den Vorteil gleichbleibender Größen, der allerdings für manche Zwecke nicht unwichtig ist. Andre Korkschneidemaschinen sind die von Böthius in Stockholm und von Köhler in Kopenhagen; sie bestehen aus Abschälmaschinen, Stückschneidemaschinen, Rundschneidemaschinen, Schleifmaschinen und Sortierapparaten. Die cylindrische Form der Korke hat erst in neurer Zeit ihre Würdigung gefunden, nachdem man durch Jahrhunderte immer nur verjüngt zulaufende (konische) geschnitten; beide Sorten sind jetzt nebeneinander im Handel und werden gewöhnlich durch die Bezeichnungen „gerade“ und „spitze“ unterschieden. Die geraden sind praktischer, weil sie besser schließen, und es werden z. B. für Champagnerflaschen gar keine andern gebraucht. Man verdünnt sie am einen Ende mittels der Korkpresse, damit sie in den Flaschenhals eingehen können; indem sie sich nachgehends wieder ausdehnen, bilden sie einen um so festeren Verschluß. Der Champagner verlangt auch die feinsten Korke in Masse und Schnitt, die deshalb auch 80-100 Franken das Tausend kosten. Die Champagne verbraucht alljährlich 40 Mill. Stück. - Mit der Hand geschnittene Korke sind begreiflich niemals völlig gleich und bedürfen der Sortierung nach der Größe ebenso wie nach der Qualität. Dies Geschäft wird nicht von den einzelnen Schnitzern, sondern erst bei den Arbeitgebern oder Großhändlern besorgt. In Paris haben auch manche Häuser das Sortieren als selbständiges Geschäft betrieben und damit zuweilen großartige Vermögen erworben. Zum Sortieren nach der Größe dient eine Maschine, eine Art Rost, dessen parallele Eisenstäbe in genauer Abmessung weiter und enger gestellt werden können. Man beginnt mit der weitesten Stellung, bei welcher die aufgeworfenen Korke beim Rütteln des Rostes fast sämtlich durchfallen und nur die größten zwischen den Stäben hängen bleiben. In gleicher Weise arbeitet man successive mit den folgenden engern Kalibern, bis alles geschieden ist. Der Qualität nach hat man extrafeine, feine, halbfeine, mittlere und ordinäre Ware. Die geringern Sorten bestehen natürlich auch aus geringerm Material und sind weniger sorgfältig geschnitten; aber auch in der feinem Ware kann sich Mangelhaftes finden, da der Schneider doch manche schadhafte Stelle übersehen haben kann, und so muß wenigstens hier noch eine Einzelsortierung eintreten. Jedes Stück wird um und um besehen, fehlerhafte werden ausgeschlossen, allerdings mit derjenigen rapiden Schnelligkeit, wie es ein Artikel verlangt, bei dem es immer in die Millionen geht. Die gewöhnlich auf Warenlisten vorkommenden Korksorten sind: Spunde für Fässer und Glasballons, stark und schwach, kürzer und länger; Verkauf nach dem Hundert; ferner nach dem Tausend, Stöpsel (Weinkorke, Flaschenstöpsel), lang: halblang und kurz, gerade und spitz; Medizinstöpsel, 6-9 Nummern, darunter die kleinsten, die schlanken und feinen Stöpselchen für homöopathische Arzneien. - Anderweite Verwendungen des Korks gibt es verschiedne, wobei meistens geringere Masse brauchbar ist. Man braucht ihn zu Schwimmern für Fischernetze und zu Ankerboyen, zu Schwimmgürteln und Rettungsbooten, zu federnden Unterlagen für Ambose u. dgl., zu Einlegesohlen, zum Pantoffeln der gefärbten feinen Ledersorten, um der Narbe Glanz zu geben. Abfälle und Späne in geschlossenen Gefäßen verkohlt zur Darstellung eines Schwarz für Druckschwärze und als Polierpulver, ferner zum Stopfen von Kissen und Matratzen; in England zu Kamptulikon (s. d.). Die steigende Korkproduktion in Algier läßt auf neue Ver-^[folgende Seite]