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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Krapp

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Krapp - Krapp

dadurch, daß ihm der ganze, ehemals große Absatz nach Frankreich fehlt, da man dort das einheimische Produkt durch einen Schutzzoll begünstigt hat. Elsässer K. ist eine sehr gute Sorte, er ist hellgelb, wird durch Absorption von Feuchtigkeit dunkelrot und ballt sich dabei fest zusammen. Er ist schon nach zweijährigem Lager brauchbar, hält sich aber auch nicht so lange, als andre Sorten. Die Ware riecht noch penetranter, als die holländische, schmeckt bitter und wenig süß. Bei dieser Ware, die immer geschält ist, kommen die Bezeichnungen beraubt und unberaubt (robée, non robée) nicht vor, sondern die Sorten unterscheiden sich als O (Mull), MF (mittelfein - mi-fine), FF (feinfein), SF (superfein), SFF (superfeinfein). Die gangbarste Sorte ist FF. Die Ware wird in Eichenfässern zu 600 kg und in kleinern mit halb und ein Viertel so viel, manchmal auch in solchen à 100 kg versandt. Die Orte, wo der elsässer K. hauptsächlich präpariert wird, sind Straßburg, Hagenau, Geißelbrunn.

Avignoner Krapp ist der in Frankreich am meisten gebrauchte, da ihm die Färber mehr Nüancen abgewinnen können als den übrigen Sorten. Er hat das Eigene, daß er gleich frisch zum Färben gebraucht werden kann; doch wird er durch einjähriges Lagern besser. Er ist in der Regel sehr fein gemahlen, riecht angenehm, und hat je nach Boden und Lage eine rosenrote, feurigrote oder braunrote Farbe, die mit der Zeit nachdunkelt. Die beste Sorte ist der Palus (Moorkrapp); so benennt man nämlich in Südfrankreich die Ländereien, welche durch Trockenlegung alter Moorbrüche gewonnen sind. Die hier wachsenden Wurzeln sind rot, die übrigen rosa, woraus sich zwei Sorten ergeben; beide zu gleichen Teilen gemischt bilden eine dritte sehr verkäufliche, da sie ein feuriges und sattes Rot gibt. Die Avignoner Sorten haben daher neben den gewöhnlichen Bezeichnungen F, FF etc. noch P für Palus, R für Rosée, PP für Palus pur, RP halb Rosée, halb Palus etc., und es kommt damit ein ansehnliches Sortiment heraus, das aber nichtssagend ist für Jeden, der die Fabrikanten nicht kennt, weil jeder derselben in der Aufstellung nach eigenem Gutdünken verfährt. Von Avignoner K., und nur von diesem, werden auch ungemahlene Wurzeln abgegeben und heißen dann ebenfalls Lizari.

Schlesischer oder Breslauer K. In den Umgebungen von Breslau, Liegnitz, Neumarkt ist der Krappbau aus frühern Zeiten her in Übung, jetzt aber sehr zurückgegangen. Die Ware ist nicht so reichhaltig an Farbstoff wie holländer oder belgische, aber wohlfeil, und findet bei hohen Preisen der bessern Sorten häufig Verwendung. Man nimmt die Wurzeln entweder im Frühjahr oder Herbst aus der Erde, wodurch zwei Sorten, Keim- oder Sommerröte und Herbst- oder Winterröte entstehen. Die erste ist farbstoffreicher, heller von Farbe und reiner als letztere, unter welche mehr kleines Gewürzel u. dgl. gemahlen wird und deren Farbe schmutzig braunrot ist. Beide Sorten sind fein wie Mehl gemahlen, ohne auffallenden Geruch und Geschmack, und backen beim Lagern zu einer steinharten Masse zusammen. Die schlesische Röte wird an drei Märkten, Mitfasten, Crucis und Elisabeth, nach Breslau gebracht, die Qualitäten werden amtlich geprüft und die Fässer daher mit Stempel versehen, welcher neben Krone und Jahrzahl für gute reine Frühlingsröte das Zeichen W J, für eben solche Herbströte W enthält. W ohne Krone ist fehlerhafte Ware. Die Verpackung geschieht in ganzen, halben und Viertelfässern von 15, 9 und 4 Ztr. Inhalt, oder auch in Säcken. Der K. als gemahlene Ware kann leicht verfälscht werden und soll dies geschehen durch Zumischung von Sägespänen, Fichtenrinde, Kleie, Mandelschalen, Ziegelmehl, Ocker, Lehm, Sand, gepulverten Farbhölzern, Zuckerrübenmasse etc. Ein paar Prozent mineralische Teile finden sich übrigens auch im besten K., als vom Felde her noch anhängend und durch das Mahlen von den Steinen hinzugekommen. Bei einem guten K. darf der Aschengehalt 7-9% nicht übersteigen. Die beste Garantie für den Einkäufer ist immer die Solidität der Bezugsquelle; außerdem gibt Probefärben den sichersten Aufschluß. -

In Rußland hat man für den Selbstgebrauch wildwachsenden K., der im Kaukasus und am Kaspischen Meere vorkommt und unter dem Namen Kislärscher K. nach Astrachan gebracht wird. Ostindischer K., Munjeet, Munjit oder Manjeet, stammt von Rubia munjista, und besteht aus den Wurzeln und Stengeln dieser Pflanze, sie sind lang und dünn, auf dem Bruche rot. Sie geben ziemlich dieselbe Färbung wie der eigentliche K., die aber auf Leinen und Baumwolle wenig Dauer haben, dagegen auf Wolle gut stehen soll. Die beste Ware besteht in Stücken von der Stärke eines dünnen Federkiels, die rein von Abfall, ohne Höhlung sind und kurz durchbrechen. Der Geruch erinnert an Süßholzwurzel. Die Ware kommt meist in kleinen Bunden nach England, von denen 6-800 auf die Ton gehen, zuweilen auch in Ballen wie Baumwolle gepackt. Einfuhr ist sehr unbedeutend, da dieser voluminöse Artikel zu hohe Frachtkosten macht. Der indische K. enthält einen besondren, im europäischen K. nicht vorkommenden Farbstoff, das Munjistin; es ist kristallisierbar, leicht in Wasser, Weingeist und Äther löslich. -

Das Bestreben, die färbenden Materien des Krapppulvers aus ihrer Verbindung mit unnützen und zum Teil hinderlichen Stoffen herauszuziehen, hat zu verschiednen Präparaten geführt, von denen zwei, Garancine und Krappblumen, sehr häufig anstatt der naturellen Wurzel verwendet werden. Es sind diese Präparate reicher an Färbevermögen, nicht nur weil nichtfärbende Substanzen entfernt werden, sondern auch weil durch die angewandten Chemikalien oder die Gärung der Rest der nicht färbenden Ruberythrinsäure ebenfalls in Alizarin und Purpurin umgewandelt wird. Das Garancine oder die Krappkohle ist ein Präparat, welches durch Einwirkung von Schwefelsäure auf Krapppulver erhalten wird. Starke heiße Schwefelsäure zerstört und verkohlt alle organischen Substanzen der Krappwurzel mit Ausnahme der beiden Farbstoffe Alizarin und Purpurin, so daß die mit kaltem Wasser gewaschene Kohle ein viel stärkeres Färbevermögen, als im früheren