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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kupfer

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Kupfer - Kupfer

stößt gerieben einen eben solchen Geruch aus. Indes auch diese üble Eigenschaft wird noch nützlich verwendet beim Gebrauch des K. zu Schiffsbeschlägen. -

Das K. kommt in der Natur teils gediegen, teils in Form von allerlei Erzen vor. Gediegen K., das auf Gängen und Klüften in Begleitung von Kupfererzen und andern Metallen, zuweilen kristallinisch, öfter in Platten, Blechen, verästelt, moosförmig etc. auftritt, ist im allgemeinen der Masse nach unbedeutend und öfter wegen zu großer Verteilung nicht zu gewinnen; nur zwei Länderstriche sind bekannt, wo gediegenes K. in großen Massen sich findet, erstlich am Ural und tiefer in Sibirien, im Kirgisenlande, und dann in Nordamerika am Obern See. Hier sind schon öfter Massen von 1000 bis 3500 kg aufgefunden worden, der größte Kupferriese aber im Juli 1869 in einer Tiefe von 144 m unter der Oberfläche. Diese schon freigelegte enorme Platte ist 19 m lang und 9½ m breit, bei einer mittlern Dicke von 1.2 m, und verspricht einen Ertrag von nahezu ½ Mill. Dollar. Das natürliche Gediegenkupfer ist äußerlich braun oder grün angelaufen und gewöhnlich gleich zum Einschmelzen tauglich. Die Erze des Kupfers sind entweder Verbindungen des Metalls mit Sauerstoff, also Oxyde, und Verbindungen dieser mit Säuren, oder sie sind Verbindungen des Kupfers mit Schwefel und heißen dann Kupferkiese. Die Oxyde, welche sich am leichtesten verhütten lassen, kommen gerade seltener vor, und so hat man sich denn meistens an die geschwefelten Erze zu halten, denen den Schwefel auszutreiben seine großen Schwierigkeiten hat.

Das angenehmste Erz ist das Rotkupfererz oder der Kuprit, welches Kupferoxydul ist und in sehr reinem Zustande gegen 89% Metall ergibt. Unter den in Australien vorkommenden schönen Kupfererzen macht dieses einen beträchtlichen Anteil aus. Hierher gehört auch das sog. Ziegelerz, ein rotes erdiges Gemenge von Rotkupfererz und Brauneisenstein. Ferner Malachit und Kupferlasur, welche aus kohlensaurem Kupferoxyd bestehen. Das erstere, schön grün, ist namentlich in Sibirien zu finden und dient in seinen besten Stücken als Material für die Steinschneiderei, sodaß nur der Abfall und die kleinen Stückchen zur Verhüttung verbleiben, die übrigens der Größe nach bis zur Sandform herabgehen. Ähnlich ist es mit der schön blauen Lasur, deren reinste Stücke zu Malerfarbe verarbeitet werden. Diese sauerstoffhaltigen Erze bedürfen nur einer einfachen Schmelzung mit Kohle unter Zusatz von Kalk u. dgl., um sogleich ein metallisches Rohprodukt, das Schwarzkupfer zu geben.

Die viel mehr Arbeit erfordernden Schwefelerze sind hauptsächlich folgende: Kupferglanz (Graukupfererz, Kupferglaserz, Redruthit, Chalkosin), aus Schwefel und K. nebst kleinen Mengen andrer Schwefelmetalle bestehend, enthält etwa 80% Metall; Kupferkies oder Chalkopyrit, Schwefeleisen mit Schwefelkupfer, mit 35% K.; Buntkupfererz (Bornit), mit denselben Bestandteilen, aber weniger Eisen und 56% Kupfer. Es ist das am häufigsten vorkommende und zugute gemachte Erz. Außerdem wird noch, namentlich im Mansfeldischen und in Kurhessen, Kupferschiefer verhüttet, ein thoniger und kalkiger, durch Kohle geschwärzter Schiefer, welcher in feiner Zerteilung verschiedne geschwefelte Kupfererze, außerdem etwas Silber und Zink enthält. Die Mansfelder schieferbauende Gewerkschaft produziert aus diesem Material jetzt 60000 Ztr. K. und darüber.

Obgleich hier schon die Natur mit einem Zerkleinerungs- und Schlämmprozesse vorgearbeitet hat, ist das Ausbringen doch um nichts weniger mühsam als bei den eigentlichen Schwefelerzen. Die Bearbeitung dieser besteht in einem mehrfach wiederholten Rösten und Schmelzen mit schlackenbildenden Zuschlägen, wobei zunächst neben Schlacken kein Metall, sondern immer wieder Schwefelkupfer erschmolzen wird, nur daß der Schwefel mehr und mehr abnimmt. Diese Zwischenprodukte heißen im allgemeinen Stein (Rohstein, Dünnstein, Konzentrationsstein etc.). Aus dem besten Stein wird schließlich durch Schmelzen mit Kohle Schwarzkupfer erhalten, das noch alle fremden Metalle der Erze enthält. Unter diesen ist nur das Eisen so gern gesehen, daß man es in Ermangelung der Schmelze sogar zusetzt. Es hilft das K. vom Schwefel reinigen, indem es sich mit diesem selbst zu Schwefeleisen verbindet. Das Schwarzkupfer kann noch enthalten kleine Mengen von Schwefel, Eisen, Blei, Antimon, Arsen, Wismut, Zink, Nickel und im besten Falle auch Silber. Ist dieses so genügend vorhanden, daß die Ausbringung etwas abwirft, so wird das Schwarzkupfer erst ausgesaigert. Man schmilzt es mit einer größern Menge Blei zusammen, gießt daraus Scheiben und setzt sie in einem Ofen zwischen Kohlen der Hitze aus. Das ausfließende Blei nimmt den Silbergehalt mit. Das noch unverkäufliche Schwarzkupfer wird in einem Flammenofen in Garkupfer verwandelt. Es werden dabei durch die Hitze und Gebläseluft die fremden Metalle teils in Dampfform verjagt (Antimon, Arsen, Zink), teils zu abfließenden Schlacken oxydiert, während das K. der Oxydation am längsten widersteht. Nach beendeter Gare wird das im Ofen flüssig stehende K. gerissen, d. h. man besprengt die Oberfläche mit Wasser, sodaß sich durch die Abkühlung sogleich eine feste Scheibe bildet, die man mit Haken wegzieht. Das Spritzen und Abziehen wird so lange wiederholt, bis der Tümpel des Ofens erschöpft ist. Die so gewonnenen Scheiben heißen Rosettenkupfer.

Auch in diesem Zustande ist das Metall, trotzdem es schon rot aussieht, noch nicht völlig brauchbar, da ihm die Hämmerbarkeit fehlt. Dies ist die Folge des beim Garmachen unvermeidlich mit entstehenden Kupferoxyduls, das in der Masse mit enthalten ist und durch ein abermaliges Umschmelzen mit Kohle noch zu Metall reduziert werden muß. Diese Arbeit heißt das Hammergarmachen und wird oft auch erst auf den Kupferhämmern vorgenommen. Das so geläuterte K. wird sogleich zu prismatischen Blöcken von 3-9 dm Länge ausgegossen, welche Hartstücke heißen und in der Regel mit der Marke des betreffenden Hüttenwerks gestempelt sind. Auf den Kupferhämmern, die aber jetzt größtenteils Walzwerke sind, werden