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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Lackierte Waren

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Lackfarben - Lackierte Waren

Darstellung der L. als eine Färberei bezeichnet werden kann, bei der nur Farbstoff und Beize ins Spiel kommen, das Zeug aber fehlt. Nicht alle Farbstoffe vertragen die gleiche Behandlung; einige lassen sich mit kalter oder heißer Alaunlösung ausziehen und dann mit der alkalischen Lauge fällen; bei andern muß diese das Lösungsmittel abgeben und der Alaun kommt zuletzt hinzu; unter Umständen ist es auch geboten, die Thonerde für sich auszufällen und rein zu waschen und sie dann erst mit der Farbenbrühe unter Erwärmung zusammen zu bringen; die Verbindung beider Stoffe erfolgt dabei nicht minder gut. Die als farbiger Schlamm erhaltenen Lacke werden schließlich mit Wasser rein ausgewaschen und entweder noch feucht als Teig (en pâte) für Kattun- und Wolldruck, Tapeten- und Buntpapierfabrikation u. dgl. verkauft, oder getrocknet und in Brocken oder zu Täfelchen geformt in den Handel gebracht. Um die Farben in möglichster Schönheit herzustellen, sind allerlei Umstände wahrzunehmen und gibt es vielleicht noch jetzt Fabrikgeheimnisse. Von den L. sind die roten und gelben am gebräuchlichsten.

Von den roten ist der feinste der Karminlack aus der Kochenille und den Abgängen von der Karminbereitung (vgl. Kochenille); beliebt und vorzüglich dauerhaft sind die Krapplacke (vgl. Krapp), die in einer großen Farbenskala von Dunkelrot bis zart Rosa dargestellt werden; die hellern Nüancen derselben werden durch Zusatz von mehr oder weniger feinem Bleiweiß abgestuft. Aus Fernambukholz wird ein schöner roter Lack erhalten, ebenso mit Lack dye, dem Farbstoff des Gummilacks. Die roten Lacke aus Karmin, Farbhölzern etc., zum Teil mit anderweitigen Zusätzen gemischt, führen verschiedne nicht viel besagende Namen, Pariser, Wiener, Venetianer, Florentinerlack, Kugellack etc. Ein schöner violetter Lack ist der Orseillelack.

Zu gelben Lacken dienen Abkochungen von Gelbholz, Kreuzbeeren, Waid, Querzitron und andern gelben Pflanzenfarbstoffen; die wohlfeilsten derartigen Gelbfarben gehen unter dem Namen Schüttgelb; sie erhalten, wenn sie wirklich durch Niederschlag mit Thonerde gebildet sind, doch noch starke Zumischungen von Kreide, sind auch zum Teil nur durch Übergießen von solcher oder Kalk mit einer Gelbbrühe hergestellt, sodaß die Farbe nur durch mechanische Aufsaugung an der Basis hängt, also der Begriff einer Lackfarbe ganz verloren geht.

Grüne Lacke bestehen in der Regel aus bloßen Mischungen von blauen, aus Indigkarmin bestehenden, und gelben; doch erhält man einen naturellen grünen Lack aus Kaffeebohnen, die mit einer verdünnten Lösung von Kupfervitriol extrahiert werden; durch vorsichtiges Versetzen des Auszuges mit Ätznatron wird ein Niederschlag erhalten, der mit Essig besprengt und der Luft ausgesetzt an Schönheit der Farbe noch gewinnt. Es ist dieses eigentlich nur ein mit dem Kaffeefarbstoff (Viridinsäure) geschöntes Kupferoxydhydrat, dessen eigentlicher Platz unter den Kupferfarben sein würde. - L. (Farbstoffe) sind zollfrei. Dieselben mit Öl, Firnis oder Glycerin versetzt oder als Maler-, Wasch- oder Pastellfarben zubereitet gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Lackierte Waren. Dieselben lassen sich unterscheiden in solche von Blech, Holz, Papiermaché und Leder. Hauptsächlich sind es die der ersten Klasse, welche jetzt im Handel unter dem Namen Lackierwaren verstanden werden. Die Lackierkunst stammt aus Ostasien und sind namentlich die Japaner Meister darin, nach ihnen die Chinesen. Die Holländer, die früher den Handel mit Japan allein in Händen hatten, brachten seit dem 16. Jahrhundert die japanischen Lackwaren außerordentlich in Aufnahme; die größte Sammlung davon befindet sich zu Dresden im japanischen Palais. In Europa waren es zuerst die Engländer, welche sich auf Herstellung lackierter Waren verlegten; sie nennen diese noch heute japanische. Franzosen und Deutsche folgten. Natürlich aber war bei der mangelhaften Kenntnis der Stoffe, welche jene Asiaten anwenden, und ihres Verfahrens die europäische Industrie auf eignen Mitteln und Versuchen völlig neu zu begründen. Denn außer der Schönheit der japanischen Lackierungen, die vielleicht jetzt teilweise erreicht wird, besitzen sie auch eine unerreichte Dauerhaftigkeit. Es gibt z. B. lackierte hölzerne Tassen, Teller, Theebretchen etc., auf welchen siedendes Wasser keine Spur zurückläßt. Lackierte Waren aus Holz und Papiermaché, welche in China und Japan von vorzüglicher Güte geliefert werden, werden nur von den Russen, aber gleichfalls nicht in gleicher Qualität, gefertigt; anders ist es mit dem Lackieren auf einer Unterlage von Metall; auf Waren von Eisen- oder anderm Blech lassen sich Lacke von passender Beschaffenheit, besonders unter Zuhilfenahme von Asphalt, einer stärkern Hitze aussetzen, und durch solches Aufbrennen in einem Heizofen viel dauerhaftere Überzüge herstellen als ohne dieses. Daher hat auch die Fabrikation feinerer lackierter Blechwaren einen ganz andern Umfang und höhere Bedeutung gewonnen als die von Holz und Papiermaché und es gibt jetzt in vielen größern Städten des In- und Auslandes Fabriken, öfter von großem Umfange, für Artikel dieser Art. In England ist Birmingham der Hauptsitz dieser Industrie; in Berlin wurde die noch jetzt bestehende Fabrik von Stobwasser schon 1773 begründet. Von besondrer Wichtigkeit ist die Güte des Lackes und die Art des Auftragens. In Japan geschieht sie, um dem Staub, der die Glätte schädigt, zu entgehen, auf Kähnen mitten im Wasser oder in feuchten Arbeitsstuben. Unterstützt durch den Formenreichtum, den das Prägen und Drücken schaffen können, und durch die Freiheit der Maltechnik, welche alle Verzierungen durchzuführen gestattet, leistet dieser Industriezweig jetzt in der That Schönes, und seine Erzeugnisse sind nicht bloß Luxuswaren, sondern ebensowohl in den gewöhnlichen Hauswirtschaften zu finden. Die deutschen Artikel sind bei sauberer Ausführung so wohlfeil, daß sie einen Ausfuhrartikel bilden und selbst die Londoner und Pariser Läden füllen. - Zoll: L. W. von Blech gem. Tarif Nr. 6 e 3 β, Nr. 19 d 2 und 3, Nr. 42 d und Nr. 43 d; von Holz Nr. 13 f und g; von Papiermaché Nr. 27 f 2.