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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Lavendelöl; Leberthran

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Lavendelöl - Leberthran

gen Aufblühen gesammelten und getrockneten Blüten der Lavandula officinalis oder L. vera. Diesen sehr ähnlich sind die Spikblüten oder Spike, von Lavandula Spica, welche zuweilen mit den echten L. verwechselt werden. Beide Pflanzen sind im wärmeren Europa zu Hause, wo sie auf sonnigen Hügeln und an Berghängen wachsen, und lassen sich bei uns durch Zerteilung der Stöcke, durch Stecklinge und Samen fortpflanzen. Sie unterscheiden sich durch verschiedne Merkmale, am einfachsten aber durch die schmalen linearen Blätter der ersten und durch die umgekehrt eilanzettförmigen der zweiten. Diese ist bei uns empfindlicher gegen Kälte, und hat einen stärkern, aber weniger feinen Wohlgeruch als jene. Die getrockneten Blüten und ganzen Blütenstengel dienen bekanntlich für den Hausgebrauch teils als wohlriechendes, teils auch wie andre aromatische Kräuter als stärkendes oder linderndes Mittel in Form von Waschungen, Bähungen, Bädern, oder trocken in Kräuterkissen etc. Durch das Trocknen schrumpfen die L. sehr zusammen und verlieren ihre schöne Farbe, so daß die Kelche die Hauptsache ausmachen und dem Ganzen ein gräulichblaues Aussehen geben. Der Geruch ist durchdringend angenehm aromatisch. Man baut die Pflanze im großen Maßstabe im südlichen Frankreich und in England, hauptsächlich der Ölgewinnung wegen. Man bereitet auch aus den L. Lavendelspiritus (Lavendelgeist) und Lavendelwasser (aqua Lavandulae).

Lavendelöl (lat. oleum lavandulae, frz. essence de lavande); das ätherische Öl der Lavendelblüten; dasselbe ist farblos oder schwach gelblich, ziemlich dünnflüssig, von 0,87-0,94 spezifischen Gewichts, besitzt den angenehmen, starken Geruch nach Lavendel, siedet bei 185-188° C. und lenkt die Ebene des polarisierten Lichtes nach links ab. Die Destillation geschieht mit Wasser oder Dampf und immer mit den frischen, für die feinen Sorten von Stengeln und Stielen befreiten Blüten. Das feinste Öl ist das englische; man baut die Pflanzen dazu an zwei Örtlichkeiten, bei Mitcham in der Nähe Londons und bei Hitchin in Herfordshire, und das Gewächs hat sich dort so veredelt, daß die französische Ware an Feinheit der englischen weit nachsteht, die letztere daher auch in feinster Qualität vier- bis fünfmal teurer ist als die französische. Als beste französische Sorte gilt die Marke Montblanc. Das meiste L. kommt von Nizza, Grasse, Monaco und Carpentras. In Frankreich wird neben dem echten Lavendel auch die Spike kultiviert und durch Destillation der ganzen Pflanze auf Öl benutzt; dieses Spiköl hat neben dem echten Lavendelaroma einen kampferartigen Beigeruch, dient zu Seifen und wohlfeilem Parfümerien und steht im Preise niedriger. Die Blüten geben aber auch 4-4½% Öl, die des Lavendels nur 2%. Der Verbrauch der Öle zu verschiednen Zwecken der Parfümerien ist ein großartiger; auch dienen sie als Auflösungsmittel für gewisse feine Firnisse, zum Auftragen von Einbrennfarben für Porzellan etc. Die Öle werden in verschiednen Feinheitssorten dargestellt. - Zoll: Lavendelblüten und Kraut, zollfrei. Ätherisches L.öl gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a. Lavendelwasser Nr. 31 d bzw. Nr. 31 e. Lavendelspiritus Nr. 5 a.

Leberthran (lat. oleum jecoris aselli; frz. huile de foie de morue); diesen Namen führen alle diejenigen feineren Thransorten, welche aus den Lebern verschiedner Fische bereitet und namentlich zu medizinischen Zwecken benutzt werden. Seine Wirkung wird dem Jod- und Bromgehalt zugeschrieben, der sich in solcher Beschaffenheit nur in der Familie der Gadiden finden soll. Früherhin suchte man bei Gerbern und Thranhändlern solche Fässer aus, die einen braunen aber klaren, etwas bitterlich schmeckenden und stark riechenden Inhalt hatten, weil man nur solche Ware für wirksam hielt. Heute haben sich die Ansichten hierin geändert und es werden hauptsächlich nur helle Sorten verwendet, die jetzt öfter nach verbesserten Methoden eigens als Medizinalthran in besondern Anstalten aus den möglichst frischen zerkleinerten Lebern bereitet werden.

Die herkömmliche Weise das Öl aus den Lebern der Dorsche und Schellfische zu scheiden besteht darin, daß man dieselben in Fässern mit durchlöcherten Böden oder in solchen, die an der Seite mit drei Hähnen übereinander versehen sind, längere Zeit der Sonnenwärme aussetzt und die Masse schließlich mit Gewichten beschwert. Das zunächst abfließende Öl ist blanker oder gelber Thran; das später nach Eintritt einer fauligen Gärung austretende gelbbrauner oder braunblanker; durch Auskochen des Rückstandes mit Wasser erhält man dann als dritte Sorte einen dunklern braunen Thran. Auf den Lofoden, wo man zumeist die Lebern bis nach Schluß der Fischerei in Fässern aufhebt, scheiden sie inzwischen schon von selbst eine Partie guten hellen Thran aus. Die auf diese Weise gewonnenen Sorten führen den Handelsnamen Bauernthran oder auch Privatindustriethran.

Die jetzige von einigen Handelshäusern betriebene Bereitung des medizinischen Thranes erfolgt in verschiedner Weise, namentlich so, daß man die Masse entweder einem schwachen Dampfstrom aussetzt oder dieselbe mit Wasser bis auf 80° C. erhitzt. Das Öl scheidet sich anfangs blaßgelb, später dunkler gelb gefärbt aus, setzt beim Stehenlassen Unreinigkeiten und festes Fett ab. Der Rückstand gibt durch stärkeres Erhitzen und sofortiges Auspressen noch braunen Thran. Die so gewonnenen Thransorten heißen Fabrikthran. Die blankgelben Thrane werden jetzt wohl ausschließlich in den Apotheken vorrätig gehalten; sie schmeken und riechen viel milder als die braune Ware, ohne dieser in der Wirkung nachzustehen. Der L. kommt von Neufundland über London, von Newhaven in Schottland und von Bergen in Norwegen. Der letztere Stapelplatz ist für die deutsche Versorgung der wichtigste und versendet jährlich Tausende von Tonnen (1877 exportierte Bergen: 78415 Tonnen, hiervon 3591 Tonnen weißen Dampfmedizinalthran, 14006 Tonnen gelben Dampfmedizinalthran und 13731 Tonnen ordinären blanker L.; der Rest ist brauner Thran). Der bergener Thran sieht