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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Leim

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Leim - Leim

Auch die Felle von Hasen und Kaninchen, denen das Haar für die Hutmacherei abgeschoren worden, sind Leimgut, kommen aber in der Regel nicht in die allgemeine Masse, sondern müssen schon Pergamentleim geben. Aus andern Werkstätten kommen Abfälle von Pergament, Weiß- und Handschuhleder als Material zu Leim, und aus dem fremden Handel kommen eine Menge Suronen, havarierte Häute und andres hinzu. Man unterscheidet von dem leimgebenden Gewebe zwei Arten, das Kollagen und das Chondrogen oder chondringebende Gewebe; ersteres liefert die eigentliche Leimsubstanz (Kolla oder Glutin), letzteres den Knorpelleim (Chondrin, tierische Gallerte). Die Verwendbarkeit der Knochen zu L. ist eine neure, erst seit 1812 verwertete Entdeckung, das Leimsieden aus weichen tierischen Stoffen eine sehr alte Industrie. Aus passenden Knochen nebst einigen andern auserlesenen Stoffen wird die Gelatine (s. d.) bereitet; übrigens gehen Knochen mit in die gewöhnliche Leimfabrikation ein und zwar gewöhnlich im Gemisch mit dem andern Leimgut. Es werden ihnen dann zuvor die Kalkteile durch Mazerieren in verdünnter Salzsäure völlig entzogen, sodaß nur die reine Knorpelmasse übrig bleibt, die sich leicht zu L. zerkocht. Aus den ganzen, vorher entfetteten Knochen läßt sich durch gespannten Dampf im geschlossenen Cylinder zwar auch der L. ausziehen, jedoch ist er dann, durch Wirkung der hohen Hitze, von geringer Qualität, und mehr oder weniger schon in kaltem Wasser löslich. Das Kochen darf nicht zu lange fortgesetzt und muß eine zu hohe Temperatur vermieden werden, damit die Bindekraft des L. nicht leidet. Je nach der Art der Rohstoffe muß der L. verschieden an Qualität ausfallen, und dann können noch bei der Herstellung, dem Trocknen, Aufbewahren so manche Umstände die Güte, d. h. die Bindekraft desselben beeinflussen, sodaß der L. in der That eine Ware ist, über deren Gütegrad man mit Bestimmtheit nur durch praktische Erprobung sich unterrichten kann. Die Bestandteile des Leimgutes unterliegen natürlich sehr leicht der Fäulnis, weshalb sie da, wo sie nicht auf der Stelle verarbeitet werden können, eine vorbeugende Behandlung erfahren müssen. Hierzu dient Einlegen in Kalkmilch und Trocknen ohne Auswaschen, oder Behandlung mit Karbolsäure. In der Siederei selbst wird das Leimgut auf alle Fälle auf längere Zeit in Kalkmilch eingelegt, je nach der Jahreszeit ein bis zwei Monate, währenddes die Kalkbrühe einige Mal erneuert wird. Der Kalk hindert einesteils die Fäulnis, andrerseits entzieht er dem Leimgut das Fett und andre lösliche Teile. Für die Bildung und Beschaffenheit des L. selbst aber ist er verderblich und muß daher erst gründlich wieder entfernt werden. Man packt das Leimgut in Weidenkörbe und hängt diese in einen Fluß oder wäscht das Gut in Ermangelung dessen mehrmals mit vielem Wasser aus. Nach erfolgter Wässerung breitet man die Masse in dünner Schicht an der Luft aus und läßt sie unter öfterm Wenden einige Tage liegen. Hierdurch werden die noch darin verteilten Kalkteilchen unschädlich gemacht, indem sie durch die Kohlensäure der Luft aus dem ätzenden Zustande in den kohlensauren übergeführt werden. Zuweilen und in Frankreich gewöhnlich gibt man dem Leimgut auch eine Art Bleiche, indem man es noch ein paar Tage in Wasser legt, das mit schwefliger Säure geschwängert ist. Das Lüften wird dadurch unnötig. Das Versieden des Leimgutes mit Wasser erfolgt in älterer Weise in Kesseln über offenem Feuer. Die Kessel haben über dem eigentlichen Boden einen zweiten, durchlöcherten, auf welchem die zu verkochende Masse ruht, sodaß sich in dem Zwischenraume nur klare Lösung sammeln kann. Ist diese konzentriert genug geworden, so läßt man sie durch einen Hahn ab und auf Klärkufen laufen, wo sie, mit etwas Alaunpulver versetzt, noch einige Stunden heiß erhalten wird, damit Unreinheiten sich absetzen können. Durch wiederholtes Aufgießen heißen Wassers erhält man dann noch dünnere Leimbrühen. Bei dem heutigen Betriebe größerer Anstalten erfolgt die Extraktion des Leimgutes durch Dampf, der in die untere Partie eines geschlossenen Cylinders geleitet wird, in welchem auf mehreren Siebböden das Leimgut liegt. Der die Masse durchdringende Dampf verdichtet sich größtenteils zu Wasser, das den gelösten L. nach unten führt, indes der nicht kondensierte Dampf durch ein oberes Rohr entweicht. Die entstandene Leimlösung wird periodisch abgezapft und eingedampft. In den großen Leimfabriken Nordamerikas hat sich das Verdampfen der Leimbrühen in Vakuumapparaten außerordentlich gut bewährt. Das zuerst fallende Produkt, durch die kürzeste Einwirkung der Hitze erhalten, ist das hellste und beste, die Primasorte; das weitere Kochen oder Dämpfen ergibt braunere Lösungen von geringerer Qualität; je länger die Leimmasse der Siedhitze ausgesetzt bleibt, desto geringer ist die Bindekraft des erhaltenen Leims. Die auf die eine oder andre Weise erhaltene und durch Stehen geklärte Lösung wird dann in hölzerne Kästen überfiltriert und in einem kühlen Lokal dem Gerinnen überlassen. Die erstarrte Masse wird ausgestürzt und der Leimblock mit gespannten Messingdrähten mehrfach und so weit geteilt, daß die Schnitte nach dem Trocknen die bekannten Tafeln ergeben. Das Trocknen erfolgt auf Rahmen, die mit einem weiten Drahtgeflecht oder sich kreuzenden Bindfaden überspannt sind, und ist bei kleinem Betriebe mit ärmlichen Mitteln eine sehr prekäre Sache, denn zu hohe Luftwärme macht die Tafeln auf den Horden wieder halbflüssig; Frost, Nebel, zu rasch trocknende Winde, Gewitter sind nachteilig für die Qualität, resp. das gute Aussehen der Ware. Heutzutage, wo das Leimsieden mehr in fabrikmäßigem Zuschnitt betrieben wird, kann man sich in Trockensälen größtenteils vor ungünstigen Witterungseinflüssen sichern; doch läßt man immer auch für die Zeit der Sommerwärme die Fabrikation ruhen. Die Trockenräume sind gewöhnlich mit einströmender warmer Luft geheizt und es kommen die frischen Tafeln zunächst in die kühleren, und mit dem Fortschreiten der Trocknung in wärmere Räume. Auch wo bloße Lufttrocknung