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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Leim

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Leim - Leim

gebräuchlich ist, muß schließlich künstliche Wärme in Anwendung kommen, da an der Luft allein die Tafeln nicht ihre volle Härte erreichen. Um denselben schließlich Glanz zu geben, taucht man sie einen Moment in heißes Wasser oder überbürstet sie mit solchem und bringt sie dann wieder in einen heißen Trockenraum. Die Tafeln werden dann in Bündel geschnürt und in Fässer von 250-500 kg oder Körbe von 100 kg Inhalt verpackt. - Der L. variiert bekanntlich im äußern Ansehen sehr und ist bald nur schwach gelblich oder bräunlich gefärbt und fast durchsichtig, bald mehr oder minder dunkelfarbig, trüb bis ganz undurchsichtig. Klarheit und Helle empfiehlt natürlich die Ware und zu manchen Zwecken können nur solche möglichst farblose Sorten gebraucht werden. Daß solchen aber immer die meiste Bindekraft innewohne, ist nicht zu behaupten; manchmal erweist sich gerade eine dunkle und schlecht aussehende Sorte als ein vorzüglich bindender Holzleim. Für den Gebrauch wird der L. bekanntlich durch mehrere Stunden in kaltem Wasser gequellt, da er sich in heißem Wasser nie vollständig lösen läßt. Erscheint er nach dem Quellen durch starke Wasseraufnahme um das Mehrfache seines ursprünglichen Volumens vergrößert und dabei noch im Zustande einer gewissen Prallheit und Elastizität, so wird er für gut gehalten. Im Grunde aber erfährt man dadurch nur, daß ein Knochenleim oder ein mit solchem gemischter vorliegt; aus bloßen Weichteilen gezogener L. quillt zu einer weichen Gallerte, kann aber dabei recht gut bindend sein. Nur wenn eine Ware an das Quellwasser trübende Teile abgibt, ist sie für schlecht zu halten. Solcher L. ist auch schon an sich gewöhnlich feucht und übelriechend. Manche wollen auch aus dem Bruch auf die Qualität schließen und wünschen ihn nicht glasig, sondern mehr sehnig. Es ist aber leicht zu erproben, daß eine so brechende Sorte nach weiterer warmer Austrocknung glasig bricht, daher das letztere eher als ein gutes Zeichen gelten müßte, weil es weniger Wassergehalt andeutet. In chemischer Hinsicht unterscheiden sich Knochenleim (Glutin) und Knorpelleim (Chondrin) dadurch, daß nur der letztere, nicht aber der erstere durch verdünnte Mineralsäuren gefällt wird; ferner bewirkt schwefelsaures Eisenoxyd in Glutinlösung keine Fällung, in Chondrinlösung entsteht dagegen eine starke Fällung, die im Überschusse in der Kälte nicht, wohl aber beim Kochen löslich ist. Durch Gerbsäure werden dagegen beide Leimsorten ausgefällt. - In vielen deutschen Städten wird jetzt L. fabriziert, sodaß manchmal Mangel an gutem Rohstoff ist. Von früher her ist man gewohnt, die Sorten nach gewissen Städten zu benennen, und man spricht demnach von Kölner, Breslauer, Nördlinger, Reutlinger, Kahlaer, Mühlhäuser L. etc., ohne daß dieselben immer von den genannten Orten kommen müßten. Französischer, englischer, holländischer, flandrischer L. u. dgl. kommen jetzt auch nur noch nominell vor. Indes rangiert man den Leim auch in hell, fein, mittelfein, mittel und ordinär. Die Farbe an sich besagt über die Bindekraft der Ware gar nichts, wogegen es allerdings einer solchen zur Empfehlung gereicht, wenn sie, gegen das Licht betrachtet, rein und fleckenlos erscheint, da bei manchen Verwendungen des L. auf die Färbung desselben Rücksicht zu nehmen ist. Dunkle Sorten, wenn sie nur sonst gut sind, werden dahin verwendet, wo sie nicht ins Auge fallen, also von Tischlern und andern Holzarbeitern, Buchbindern etc.; helle und halbhelle dienen zu Weberschlichte, zur kalten Vergoldung und zu Leimfarben, für Hutmacher, zum Appretieren von Strohhüten, zur Papierleimung, Weinklärung und zum Ausfällen des Gerbstoffs aus Farbholzabkochungen. Man findet im Kleinverkauf gewöhnlich nur den ordinären Tischlerleim und etwa noch eine hellbräunliche, glasige Sorte, die dann Kölner heißt; es werden jetzt aber auch an andern Orten Deutschlands so helle Sorten fabriziert, daß sie sich an die Gelatine anschließen, oder eine geringere Sorte derselben bilden können. Es kommt hierbei nur auf die Auswahl des Rohstoffs an. So geben z. B. die Kopfstücke von Kalbfellen für sich abgekocht fast farblose Gelatine, und dies Material wird zugänglicher, jemehr die Gerber sich der neuen Praxis zuwenden, Köpfe und Klauenstücke nicht mehr mitzugerben. Weißer L. heißt im Handel gewöhnlich diejenige Ware, welche sonst auch russischer genannt wird. Es ist dies nichts andres als gewöhnliche Leimmasse, der man bei der Fabrikation im noch heißen Zustande eine weiße Mineralfarbe, gewöhnlich schwefelsaures Bleioxyd, Bleiweiß, Zinkweiß eingerührt hat; auch weißes (gefälltes) Bleioxydhydrat ist gefunden worden. Solche Ware ist durch den Zusatz undurchsichtig und hat ein gelbliches, knochenähnliches Aussehen. Ob durch solche Zusätze die Bindekraft des L. wirklich erhöht wird, wie die Holzarbeiter meistens glauben, dürfte wohl zu bezweifeln sein. - Durch Zusätze bereitet man aus gewöhnlichem L. den elastischen, flüssigen und Mundleim. Eine elastische Masse wird erhalten durch Zusammenschmelzen von Leimgallerte mit Syrup; es bestehen daraus die Schwärzwalzen der Buchdrucker, welche heiß in einer Blechform um einen Kern gegossen werden. Eine ähnliche, jetzt wohl allein gebräuchliche Masse wird erhalten mit gleichen Teilen L. und Glycerin. Man benutzt solche elastisch bleibende Massen neuerdings auch zu Formen für die Galvanoplastik und Gipsgießerei. Durch Zusätze von Säuren, Salpeter-, Salz-, Essigsäure verliert der L. seine Gerinnbarkeit und bleibt in Gefäßen mehr oder weniger kaltflüssig, trocknet aber in dünnern Schichten. Es sind indes diese Produkte von wenig Gebrauchswert, da sie für Holz nicht bindend genug sind und wegen ihrer sauren Beschaffenheit auch in solchen Fällen nicht taugen, wo sie Farben zerstören könnten. Was unter der Firma flüssiger L. oder Comptoirleim ausgeboten wird, ist auch gar kein solcher, sondern bloße Lösung von arabischem Gummi. Mundleim endlich, der, wie sein Name besagt, schon durch Speichel auflöslich ist, wird einfach dadurch hergestellt, daß man guten L. in wenig Wasser auflöst, etwa 1/10 seines Gewichts Zucker zusetzt und