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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Leinengewebe

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Leinengewebe - Leinengewebe

Rundhölzer gewickelt und wie alle Wäsche gerollt wird, oder indem man es einfach oder doppelt durch ein System von 2, 3 oder mehr geheizte und stark auf einander gepresste Walzen gehen läßt. Häufig wirken metallne mit Papierwalzen zusammen, welche eine sehr milde Glättung erzeugen; zuweilen wird der Stoff auch zugleich auf dem Kalander geglänzt, indem eine blanke Walze darauf wirkt, welche sich viel rascher dreht als das Zeug fortschreitet. Die alte Glättmaschine, wie sie noch für die speziell sogenannte Glanzleinwand gebraucht wird, hat als Hauptorgan ein poliertes rundes Stück von Achat, Feuerstein oder Glas, das am untern Ende einer federnden Stange sitzt und damit auf dem Zeuge hin und hergeführt wird. Die appretierte Leinwand wird stückweise gelegt oder gerollt, gepreßt, gebunden etc. Schöne Bleiche und Appretur sind stets von großem Belang für die Verkäuflichkeit einer Ware, und auch die äußere Herrichtung, Einschlag und Etikette sind nicht gleichgültig, da sie bestimmte Sorten sogleich erkennbar machen und deshalb auch unverändert beibehalten werden.

Es gibt bei der Leinwand sehr viel Sortennamen, zum Teil nur für den auswärtigen Absatz bestimmt, aber selbst die landläufigen sind unsicher und öfter nur geborgt, da gewisse beliebt gewordene Lokalprodukte nicht selten in andern Fabrikdistrikten nachgemacht und mit dem Originalnamen ausgestattet werden, sodaß z. B. irländische L. auf dem Kontinent, Osnabrücker in England, Bielefelder und Holländische in Böhmen und Schlesien fabriziert wird. Die feinen irischen Hemdenleinen, welche besonders in Südamerika und den englischen Kolonien Absatz finden, sind eine Nachahmung der Holländischen und Bielefelder Leinwand. Außerdem macht man dort noch viele deutsche, französische und holländische Leinen nach, die gewöhnlich wesentlich wohlfeiler sind als die Originale und dadurch eine Konkurrenz auf den amerikanischen Märkten bilden, gegen welche die deutschen Fabrikate dort nicht mehr aufkommen können. Die deutsche Leinenindustrie arbeitet zumeist für den Bedarf im eigenen Lande, da im Westen lauter Fabrikationsländer liegen und nur nach Italien, dem Orient und dem Norden noch einiger Absatz ist.

Die hauptsächlichsten Sorten sind bei uns westfälische, sächsische (lausitzer), schlesische und böhmische Leinen. Von den westfälischen L. steht besonders die Bielefelder in altem Rufe, ein dichtes egales und sehr dauerhaftes Gewebe in sehr verschiedenen Qualitäten, die feinste dem niederländischen Batist nahe kommend. Osnabrücker L. ist ebenfalls ein solider und gangbarer Artikel meist in stärkern und mittlen Sorten, wofür das Garn von den Landleuten der Provinz gesponnen wird, die auch den Flachs selbst bauen. Es bestehen in Westfalen und im Hannoverschen an vielen Orten Schauämter (sog. Leggen) oder Zweiganstalten derselben, wo geschworne Sachverständige die Stücke auf Länge, Breite und Qualität untersuchen und nach Befund mit dem Qualitätsstempel versehen, ungenügend befundene aber ungestempelt lassen, die dann als Ausschußware viel wohlfeiler abgegeben werden. Feine Osnabrücks nimmt Holland in Menge, um ihnen Bleiche und Appretur zu geben und dann als eignes Fabrikat wieder abzusetzen.

Die Holländer weben selbst gutes dichtes Leinen, das feinste in der Provinz Friesland, meist aus deutschem Flachs oder importiertem Garn, führen wie bemerkt Rohleinen zum Fertigmachen ein, und verstehen sich auf die Bleicherei so gut, daß sie darin allen übrigen Fabrikgegenden voranstehen, was man teilweise der Beschaffenheit ihres Wassers zuschreibt. Die berühmtesten Bleichen liegen in der Gegend von Haarlem bis Alkmaar. Die altbegründete belgische oder flandrische Weberei hat ihren Hauptsitz in der Gegend, von Antwerpen, Gent, Brügge, Courtray, die französische in der Normandie, Bretagne, Pikardie und andern nördlichen Provinzen. In Irland besteht eine sehr ausgedehnte, gebleichtes Maschinengarn verarbeitende Weberei, deren bessere Produkte besonders als Hemdenleinen bekannt sind. Es werden aber zu verhältnismäßig niedrigen Preisen auch große Mengen geringer Qualitäten als wohlfeile Nachahmung französischer, holländischer und deutscher Sorten erzeugt.

In Deutschland sind auch noch Schwaben und der Schwarzwald zu nennen, welche eine namhafte Leinenproduktion mit ausländischem Absatz namentlich nach Italien haben. Diesen reiht sich die Schweiz an. Im allgemeinen aber hat die deutsche Leinenindustrie durch die englische Konkurrenz, durch den zunehmenden Verbrauch von Baumwoll- und Jutegeweben und andre Umstände mehr als die Hälfte ihres frühern Umfanges eingebüßt, und in manchen Gegenden, wie in Böhmen und der Lausitz, ist die Weberei vielfach vom Leinen zur Baumwolle übergegangen. -

Außer dem weißen Leinen gibt es bunte und farbige Sorten. Sie sind entweder aus gefärbtem Garn streifig oder karriert gewebt, oder in Stücke gefärbt, oder wie Kattun gedruckt. Sehr häufig sind solche Stoffe Gemische aus Leinen- und Baumwollgarn, namentlich besteht bei den gestreiften oder karrierten gewöhnlich der Einschuß aus letzterem. -

Andre Stoffe aus Leinengarn, die unter ihrem Namen besonders aufgeführt sind, sind Damast, Drell, Batist und Linon, Gazen. Häufig gehen wie gesagt in die L. Baumwollfäden mit ein, und wenn die Fabriken selbst solche Mischgewebe richtig als Halbleinen, Dreiviertelleinen u. dgl. bezeichnen, so doch häufig nicht die Händler und Trödler. Sichere Mittel zur Erkennung und Unterscheidung der beiderlei Faserstoffe sind daher Bedürfnis und man kennt deren auch eine Anzahl, die aber immer einige Übung in der Handhabung voraussetzen und zum Teil doch nicht genügende Sicherheit geben. Am einfachsten und ziemlich sichere Resultate gebend ist die Schwefelsäureprobe. Das Probestück wird durch Waschen in weichen erwärmten Wasser von der Appretur befreit, getrocknet, 1-2 Minuten in englische Schwefelsäure getaucht und dann mit Wasser oder einer Sodalösung unter Nachspülen mit Wasser ausgewaschen. Die zu einer gallertartigen Masse aufgelöste Baumwolle verschwindet bei richtig gewählter Behandlung in der Schwefelsäure mit dem Waschwasser,