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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Liebstöckelwurzel; Lignum; Ligroine; Liköre

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Liebstöckelwurzel - Liköre

Stamme einiger ausländischer Arten des Lerchenbaumes, aber nicht an gesunden, sondern immer nur an kranken, innen in Fäulnis übergegangenen Stämmen, namentlich an denen von Larix decidua, var. rossica. Man sammelt diese Schwämme meist im Spätherbst oder Winter, schält sie, um die äußere, mehr holzige Substanz zu entfernen, klopft und trocknet sie. Die Ware erscheint in verschieden gestalteten und ungleich großen, an der Oberfläche konvexen Stücken, innen feinporig, weißlichgelb, zäh und leicht stäubend. Der Staub erregt Husten und Niesen; der Geschmack ist anfangs süßlich, dann scharf und anhaltend bitter; der Geruch ist schwach dumpfig.

Der L. ist ein stark drastisches Mittel und soll daher im Kleinhandel nicht verkauft werden; dennoch wird er vielfach als Zusatz bei der Bereitung bitterer Liköre verwendet. Man bezieht die Ware jetzt hauptsächlich aus dem nördlichen Rußland von Archangel über Hamburg zur See, seltener zu Lande. Je heller und leichter die Ware ist, für desto besser gilt sie. Eine aus Smyrna kommende Sorte, der levantinische L. ist jetzt nicht mehr sehr gefragt, weil er weniger bitter ist; dasselbe gilt von den Sorten, die früher aus Ungarn, der Schweiz, Tyrol und Italien kamen. - Zollfrei.

Liebstöckelwurzel (radix levistici); die Wurzel einer ausdauernden Doldenpflanze, Ligusticum Levisticum Lin. oder Levist. officinale (frz. l'ache des montagnes; engl. Shop hartwort), die in Süddeutschland, Italien, der Schweiz, Frankreich in Berggegenden wild wächst und bei uns mit andern Arzneikräutern angebaut wird. Alle Teile der Pflanze haben einen eigentümlichen aromatischen Geruch und brennend scharfen Geschmack, und es waren früher Kraut, Samen und Wurzeln offizinell, jetzt meistens nur noch die letztern. Dieselben werden im Frühjahr von 2-4jährigen Pflanzen gegraben, sie bestehen aus einer dicken, spindelförmigen, öfter mehrköpfigen Hauptwurzel, die sich gegen die Spitze in einige einfache Zweige teilt. Man spaltet die dicken Wurzelteile bei der Ernte der Länge nach und hängt die Stücke an Fäden gereiht zum Trocknen auf. Die getrockneten Wurzeln haben eine weiche schwammige Textur mit festern Kern, sind äußerlich gelbbraun, innerlich hellgelblich gefärbt; die dicke Rinde ist höckerig, querrunzlich und längsrissig und hat zahlreiche orangegelbe Balsambehälter, die beim Drücken ihren aromatischen Inhalt austreten lassen. Sie enthalten außer Zucker ein balsamisches Harz und ein ätherisches Öl als Träger des Geruchs und Geschmacks. Die Drogue diente früher zur Bereitung von Abkochungen jetzt hauptsächlich zur Bereitung aromatischer Liköre. In Thüringen wird die Wurzel in großer Menge angebaut. - Zollfrei. Der daraus bereitete Likör gem. Tarif im Anh. Nr. 25 b.

Lignum, Holz;

L. campechianum, s. Blauholz;

L. citrinum, s. Gelbholz;

L. Guajaci oder L. sanctum, Franzosen- oder Pockholz, s. unter Guajac;

L. Juniperi, s. Wachholder; ^[richtig: Wachholderholz.]

L. Quassiae, Quassienholz (s. d.);

L. Rhodii, s. Rosenholz;

L. santalinum, s. Sandelholz;

L. Sassafras, s. unter S.;

L. suberinum, s. Kork.

Ligroine, der in Amerika erfundene Name für einen der flüchtigeren Teile des rohen Petroleums, welche diesem durch Abdestillieren entzogen werden müssen, um ihm seine Feuergefährlichkeit zu benehmen, die nun im verstärkten Maße der abgezogenen leichten Flüssigkeit eigen ist. Als Ligroine verkauft man diejenigen Partien des flüchtigen Destillates, welche ein spezif. Gewicht von 0,70 bis 0,73 haben und deren Siedepunkt zwischen 90 und 120° C. liegt; die flüchtigeren Partien werden zu andern Zwecken verwendet (s. Benzin).

L. wurde der Stoff genannt, um ihn als eine neue Leuchtflüssigkeit einzuführen, die in besondern kleinen geschlossenen Handlampen, den Weingeistlampen ähnlich, zu brennen ist. Am Boden derselben ist eine Schicht Schwamm befestigt, welche die eingegossene Flüssigkeit aufsaugt, indes das nicht Aufgenommene gleich wieder zurückgegossen wird. Bei dieser Einrichtung hat auch das Umwerfen oder Herabfallen der Lampe keinen Einfluß auf die Füllung und die Lampe ist nicht gefahrvoller als eine Kerze, wenn anders mit der Flüssigkeit selbst vernünftig umgegangen wird. Dagegen sind die vor einiger Zeit in Aufnahme gewesenen Ligroinelampen mit Reservoir, welche an die Wand gehängt werden, sehr feuergefährlich. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 29.

Liköre (Liqueure); im allgemeinen versteht man hierunter gezuckerte und gewürzte Branntweine in sehr verschiednen Sorten, Feinheits- und Stärkegraden. Ihre Grundlage ist feiner, fuselfreier Branntwein (Feinsprit); der Zucker, der dem Getränk die Fülle, Süßigkeit und den öligen Charakter geben soll, wird in Form eines farblosen Syrups zugesetzt, nachdem der Branntwein feine aromatische Zusätze erhalten. Diese bestehen aus ätherischen Pflanzenölen und zum Teil aus Bitterstoffen und es wurde nach alter Praxis der Branntwein über die betreffenden Samen oder andre Pflanzenbestandteile destilliert, während die Bitterstoffe durch Digestion mit Spiritus ausgezogen wurden.

Heutzutage lassen sich mit viel weniger Umständen eine ganze Menge gewürzter Schnäpse mit Hilfe ätherischer Öle und Essenzen darstellen und die Fabrikation beschränkt sich auf die Anfertigung passender Gemische von Sprit, Wasser, Öl oder Essenz und Zucker lediglich auf kaltem Wege. Es stellen aber die Fabriken ätherischer Öle diese letzteren nicht nur in einfacher, natureller Beschaffenheit zum Verkauf, wie z. B. Kümmel-, Pfefferminz-, Anis-, Pommeranzen-, Kalmus-, Ingweröl etc., sondern führen auch große Sortimente zusammengesetzter Öle und Essenzen behufs der Herstellung oder Nachahmung bestimmter beliebter Likörsorten des In- und Auslandes, und es können somit in leichtester Weise schweizer, französische, holländische, englische, italienische, russische, danziger, breslauer und viele andre L. und Schnäpse hergestellt werden. Namen wie Maraschino, Parfait d'amour, Chartreuse, Curaçao, Goldwasser, Persiko, Alpenkräuter etc. sind dabei stets vertreten. Kornessenz ist diejenige Panacee, durch welche Kartoffelbranntwein zu echtem Nordhäuser verwandelt werden soll. Nicht selten gibt man den L. auch eine künstliche Färbung, be-^[folgende Seite]