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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Marsala; Marunken; Maschinen

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Marmor - Maschinen

es reich an schönen Marmorsteinen ist; die Gewinnung scheint jedoch unbedeutend zu sein. Frankreich hat in den Pyrenäen und Vogesen viele Marmorbrüche in bunten Sorten, ebenso gibt es in Belgien und auf den britischen Inseln Fundorte hübscher Sorten. Belgien ist eines der an M. reichsten Länder und besitzt besonders Brüche von sehr schönen schwarzen M., vorzüglich in der Gegend von Namur und Gent. In Anglesea bricht man unter andern verde di Corsica, so genannt weil die Musterung genau mit der eines corsischen M. übereinstimmt. Sie zeigt die Farben grün, schwarz, weiß und dunkelpurpurrot in unregelmäßiger Anordnung.

Die in Deutschland vorkommenden M. entbehren meist die lebhaften Farben und bilden ihre Adern und andern Zeichnungen aus schwarz, weiß, grau, braun u. dgl., haben aber doch zuweilen ein sehr hübsches Aussehen. Man fertigt daraus Grabsteine, Inschriftplatten und andre Steinhauerarbeiten, zum Teil auch kleinere gedrehte und geschnittene Sachen. Aus Thüringen gehen marmorne Kinderspielkugeln, die sog. Schusser, weite Handelswege. Seit lange sind besonders die Blankenburger Brüche am Harz bekannt und im Betriebe; es werden hier viele Platten gesägt, geschliffen und poliert. Verschiedne bunte Marmorsorten werden ferner in Schlesien (bei Habelschwerdt), in Böhmen und Bayern (bei Baireuth), im Salzburgschen (der rötliche M. von Untersberg), bei Recklingshausen in Westfalen gefunden. Reich an verschiednen bunten M. ist endlich das Nassauische; es werden solche dort in der Strafanstalt Dietz zu den mannigfaltigsten Gegenständen verarbeitet. -

Aus feinen bunten Marmoren werden besonders in Italien Kunstwaren wie Urnen u. dgl. gefertigt und kommen solche auch zu den Leipziger Messen. Es ist aber zu bemerken, daß man dabei nicht selten der Natur durch künstliche Färbungen verschönernd nachhilft. Der M. saugt die dazu dienlichen Beizen gewöhnlich sehr leicht und tief ein. Man erhält z. B. dunkelrot durch salpetersaure Silberlösung, Purpur mit Goldauflösung, Hellgrün mit Grünspan. Außerdem sind auch Stoffe wie Drachenblut und Gummigutt dienlich. Feiner M. wird häufig nur als eine Art Furnierung verwendet, indem man denselben in dünne Tafeln zersägt und geschickt auf Gegenstände kittet, die aus einem geringern Material bestehen. Solchergestalt erzeugt man scheinbar marmorne Wände, Säulen, Tischplatten und andre Mobilien.

Der Absatz von karrarischem M. gewährt bedeutende Revenüen, da der Stoff sehr kostbar ist und bei größern Blöcken der Kubikmeter fehlerfreien Steins mit 2-3000 Frcs. verrechnet wird. Die Preise steigen überdies in viel stärkerer Progression wie die Größen. Die Masse kommt in sehr verschiednen Graden der Reinheit und Härte vor. Die härtesten Steine bei sonst guter Beschaffenheit sind die besten, weil sie der Verwitterung am längsten widerstehen. Die karrarischen Brüche ergeben im allgemeinen in neurer Zeit nicht mehr so reine Massen wie früher, daher die Künstler jetzt schon häufig pentelischen M. aus Griechenland verarbeiten. -

Unrein weiße, auch schlecht gefärbte Sorten, wenn sie nicht viel fremde Mineralien einschließen, bilden immer noch gutes und gern benutztes Material zum Kalkbrennen. - Zoll: Marmorblöcke, rohe oder nur an den Kanten mit Säge oder Meißel etc. bearbeitete sind zollfrei. Platten, Säulen, grobe Steinmetzarbeiten sowie alle andern Waren aus M. auch in Verbindung mit unpoliertem unlackiertem Holz oder Eisen Nr. 33 d 1; in Verbindung mit andern Materialien Nr. 33 d 2.

Marsala; der bekannteste und beliebteste der süßen Likörweine der Insel Sizilien; er ist stark und feurig, dem Madeira etwas ähnlich, aber süßer; die Farbe ist dunkelgelb, doch hat man auch roten. Der Alkoholgehalt beträgt beim weißen 17,6, beim roten 17,9%. - Zoll gem. Tarif Nr. 25 e 1 oder 2.

Marunken; diesen Namen führen einesteils eine Art kleiner gelber Aprikosen, andernteils die großen gelben Eierpflaumen. - Frische M. sind zollfrei, getrocknete oder gebackene gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2.

Maschinen (frz. und engl. machines). Unter diesem Namen faßt man alle die mehr oder weniger künstlich zusammengesetzten Vorrichtungen zusammen, welche den Zweck haben, irgend eine Arbeit zu verrichten. Wenn die M. die erzeugte Kraft auf eine andre M. überträgt, welche letztere dann erst die entgültig bezweckte Arbeit verrichtet, so wird erstere M. Kraftmaschine und der übertragende Teil Zwischenmaschine oder Transmission genannt, während die andern, die Arbeit direkt verrichtende M. Arbeitsmaschine heißt. So ist z. B. die Dampfmaschine, welche eine Spinnmaschine in Bewegung setzt, die Kraftmaschine, die Spinnmaschine, welche das Garn spinnt, dagegen die Arbeitsmaschine. Beim Spinnrad fällt die Kraftmaschine weg, denn hier vertritt die menschliche Kraft, welche das Spinnrad treibt, dieselbe. Außer der Dampfmaschine sind das Windrad, das Wasserrad, die Feder einer Uhr etc. zu den Kraftmaschinen zu rechnen. Zu den Transmissionen gehören alle die verschiednen Wellen, Treibriemen, Getriebe und Treibräder, die Gestänge, Drahtseilzüge und Kettenzüge, die man anwendet, um irgend eine Kraft auf die an verschiednen Orten aufgestellten Arbeitsmaschinen zu übertragen. Die Mannigfaltigkeit der letztern, je nach dem Zwecke, zu dem sie dienen, ist erstaunlich groß und noch größer sind die Verschiedenheiten in der Konstruktion ein und derselben Maschinenart. Diese M. werden von den Maschinenfabriken meist auf Bestellung geliefert, doch werden auch sehr viele M. vorrätig gehalten und bilden dann einen permanenten Handelsartikel.

Von den Kraftmaschinen sind zu erwähnen: Windräder, Wasserräder, vertikale und horizontale, letztere Turbinen genannt, Göpelwerke, Dampfmaschinen (Hoch- und Niederdruckdampfmaschinen, Expansionsmaschinen, Corlißmaschinen, Compoundmaschinen etc.) mit den dazu gehörigen Dampfkesseln, Heißluftmaschinen (Kalorische M.), Gaskraftmaschinen. -

Von den zahlreichen Arbeitsmaschinen mögen nur einige der wichtigeren hier erwähnt werden: Landwirtschaftliche M. (z. B.