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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Meerrettich; Meerschaum

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Meerrettich - Meerschaum

streifen, liefert in der kleineren Art Romado, Grauäsche, Großkopf (M. capito Cuv.), eine Sorte von Kaviar, Botarga genannt; sie kommt bis zur Nordsee vor und wurde früher auch in Frankreich in großen Mengen eingesalzen und verbraucht, besonders zur Fastenzeit. Der Fisch gilt noch jetzt als Delikatesse, ist aber nicht mehr häufig und beliebt genug, um Gegenstand des Großhandels zu sein. - Zoll: s. Makrele.

Meerrettich und Mährrettig (Grän, Gren, Krän etc.), Cochlearia Armoracia L., eines der beliebtesten Küchengewächse, wird in einigen Gegenden, besonders in Rastadt, in Bamberg, bei Erlangen, in Würzburg, in Ulm, auch in Jena und Umgebung, in großen Mengen gezogen und von da aus weithin versendet; Hamburg und Berlin beziehen den M. nach Tausenden von Schock zu 3 Mk. und darüber. Der M. gehört zu den wesentlichen Erzeugnissen des Feldgemüsebaues; er darf nicht zu scharf sein, aber auch nicht zu milde und zu wenig würzhaft riechend; die besten, fein und etwas süßlich schmeckenden dicken Wurzeln haben eine glatte, gelblichweiße Schale, die beizend und scharf schmeckenden dünnen eine mehr bläuliche, rissige und mit vielen Einschnitten versehene Schale. Der M. ist perennierend, schwer auszurotten, da, wo er einmal gebaut worden war, und durch die tiefgehenden Wurzeltriebe sich weit im Boden verbreitend. Man baut ihn im kleinen, in Gärten, nur in durch eingesenkte Bretter geschützten Beeten. Die Kultur ist einfach. Aufbewahrt werden die Wurzeln im Sandeinschlag in Kellern. Der M. wird auch medizinisch verwendet und zwar ähnlich wie Senfteig. In den Handel kommt der M. in Bündeln. -

Der Name wird abgeleitet von Meer und von Mähre. - Der Engländer nennt ihn Horse-radish, der Franzose cochléaria rustique, moutarde d'Allemagne, mout de capucin und raifort sauvage. Der M. kommt auch wildwachsend auf feuchten Wiesen als Unkraut vor. - Zollfrei.

Meerschaum (frz. Écume de mer; engl. Turkish tobacco-pipe-clay); ein seiner chemischen Zusammensetzung nach dem Speckstein, Talk und Serpentin sehr nahe stehendes, amorphes Mineral, besteht aus wasserhaltiger, kieselsaurer Magnesia, ist gelblich weiß oder graulichweiß, feinerdig, leicht und locker, fühlt sich etwas fettig an und haftet stark an der Zunge, ist undurchsichtig. Er findet sich in derben Massen und Knollen, am ausgezeichnetsten zu Kiltschik in Kleinasien, nicht weit von Konieh, dem ehemaligen Iconium, in wenig mächtigen Lagern unter Mergel. Diese Gruben sind jedoch für Europäer so gut wie unzugänglich; türkische Kaufleute bringen die Rohware in Form von Klumpen, sog. Klötzen, oder nierenförmigen Stücken, die an Ecken und Kanten abgerundet sind, nach Konstantinopel, Triest und Pest in den Handel. Dies Beschneiden geschieht, um die häufig in der Masse vorkommenden fremden Einschlüsse und harte, schwer zu bearbeitende Partien, sogenannte Kreidemasse, wenigstens äußerlich zu entfernen und eine gleichartig erscheinende Oberfläche herzustellen. In einer Kiste sind 60-200 Stücken M. enthalten, die dann sorgfältig ausgesucht und sortiert werden müssen. Auch kommen von dort zuweilen bereits roh geformte Pfeifenköpfe, die nur der Nachbearbeitung bedürfen. Außerdem kommt auch M. bei Thiva, dem ehemaligen Theban, auf Negroponte und in der Krimm vor; ferner bei Hrubschitz in Mähren, in Portugal und bei Valecas unweit Madrid. Der beste bleibt jedoch immer der aus Kleinasien, obgleich er jetzt auch nicht mehr so schön geliefert wird, wie früher.

Einen Hauptanhalt zur Beurteilung der Güte gibt dabei die spezifische Schwere der einzelnen Blöcke, welche sich nicht gleichbleibt, indem einige Stücke so leicht sind, daß sie auf dem Wasser schwimmen bleiben, andre dagegen sofort untersinken. Beiderlei Beschaffenheit ist nicht gern gesehen, denn die zu leichten Blöcke sind zu porös und enthalten oft Hohlräume, während die zu schweren harte Stellen und fremde Einschlüsse erwarten lassen. Guter M. schwimmt zwar anfangs auf dem Wasser, sinkt aber, nachdem er sich voll gesaugt hat, unter, denn sein spezifisches Gewicht ist dann 2,0, während es vorher 0,8 ist. Immerhin bleibt aber der Ankauf des Rohstoffs für die Meerschaumverarbeiter eine riskante Sache, da sich bei den Arbeiten immer noch vieles als Ausschuß herausstellen kann. Kleine, weniger in die Augen fallende Fehler, wie Pünktchen, Adern, Wolken sind stets vorhanden und lassen sich in der Regel an jedem fertigen Stücke auffinden; sie werden dann selbst als Zeichen der Echtheit genommen, da künstlich hergestellte Massen solche Naturfehler nicht haben. -

Die Verarbeitung des Rohstoffs geschieht in verschiednen Orten, hauptsächlich in Wien, Budapest, Ruhla (bei Eisenach), Lemgo, Nürnberg, Essen, Paris, Turin und Genua. Vorzugsweise verfertigt man Zigarrenspitzen und Pfeifenköpfe aus Meerschaum, aber auch kleinere Figuren und Nipptischgegenstände werden daraus hergestellt. Die Mannigfaltigkeit der Formen und Sorten der Zigarrenspitzen und Pfeifenköpfe ist sehr groß, man hat dieselben von den einfachsten glatten bis zu den feinsten, mit allerliebsten Schnitzereien versehenen Sorten, welche letzteren oft auf wirklichen Kunstwert Anspruch machen können. Die Verarbeitung des Meerschaums geschieht so, daß man ihn zunächst in Wasser legt, damit er weich wird; er läßt sich dann beliebig schneiden, auf der Drehbank abdrehen und auf andre Weise bearbeiten. Die fertigen Stücke werden dann getrocknet und hierauf eine Zeit lang in geschmolzenen Nierentalg eingetaucht, nach dem Herausnehmen und Erkalten abgeschabt und mit erweichtem Schachtelhalm, Tripel etc. poliert. Zuweilen werden sie dann auch noch in geschmolzenes Wachs getaucht und mit Flanell abgerieben. Die bei der Verarbeitung des M. entstehenden Abfälle werden auch noch verwertet, indem man daraus die sog. Masseköpfe oder die unechten Meerschaumwaren fertigt. Die Abfälle werden zu diesem Zwecke fein gemahlen, das Mehl mit Wasser geschlämmt und gekocht, etwas weißer Pfeifenthon zugemischt und dieser Brei in Kästen gegossen, in welchen er unter starkem Schwinden zu Blöcken ein-^[folgende Seite]