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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Mirabellen; Mirbanöl

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Mirabellen - Mirbanöl

Gas diese drei Lösungen durchstrichen und sich dadurch gereinigt hat, tritt es in den Sammler, der eine in Wasser stehende, sich hebende und senkende Glocke ist, ganz von der Einrichtung und Wirkung der Gasometer an Gasanstalten. Zur Einverleibung des Gases in das Wasser dient das Mischgefäß, ein verschließbarer Ballon oder liegender Cylinder, in welchen, nachdem er bis über die Hälfte mit Wasser gefüllt worden, mittels einer Luftpumpe das aus dem Sammler geschöpfte Gas so lange eingepumpt wird, bis die beabsichtigte Spannung in demselben (4-5 Atmosphären) erreicht ist. Während des Einpumpens wird gleichzeitig das im Mischgefäß liegende, mit Flügeln versehene Rührwerk, dessen horizontale Welle gasdicht durch die Wandungen geht, in Bewegung gesetzt, denn nur dann, wenn das Wasser solchergestalt stark geschlagen wird, nimmt es größere Gasmengen rasch und willig auf. Man hat auch vereinfachte Apparate, sog. Selbstentwickler, bei welchen der Gasometer und die Druckpumpe in Wegfall gebracht sind und das Gas aus dem Waschapparat direkt in das Mischgefäß tritt. Hier muß also der benötigte Druck von mehreren Atmosphären durch die Anhäufung des Gases im Entwickler selbst erzeugt werden, der dann um so stärker gebaut sein muß.

Ist die Mischung von Gas und Wasser geschehen, so wird die Flüssigkeit auf Flaschen abgezogen. Hierzu dient eine besondre Vorrichtung, die Füll- und Verkorkungsmaschine mit einem besonders konstruierten Hahn, aus welchem das Wasser in die Flaschen dringt, ohne daß die äußere Luft ins Spiel kommt. Dem Wasser folgt alsbald der in den Flaschenhals eindringende Kork, worauf die Flaschen sogleich von Arbeitern erfaßt und durch Verbinden mit Draht gesichert werden.

Für die Versorgung von Trinkanstalten dienen kupferne, innen verzinnte Cylinder, deren Steigrohr im Innern bis ganz nahe an den Boden herabgeht, sodaß alle Flüssigkeit an diesem tiefsten Punkte eintreten muß. Der Druck, den die im Gefäß zurückbleibende und den durch das Auslassen sich vergrößernden Raum immer erfüllende Kohlensäure auf den Wasserspiegel ausübt, bewirkt das Steigen der Flüssigkeit bis zur Neige. In der Regel wird solchen Cylindern, um ihnen die hierzu nötige Spannkraft zu sichern, nach dem Füllen noch etwas Kohlensäuregas eingepreßt. Das sog. Sodawasser unterscheidet sich von gewöhnlichen kohlensauren durch nichts weiter als einen kleinen Gehalt an doppeltkohlensaurem Natron, welches vorher zu dem Wasser im Mischgefäß gegeben wird. Das künstliche Selters wird ebenso einfach hergestellt durch Zusatz von Kochsalz und kohlensaurem Natron und vielleicht noch einer Wenigkeit eines Magnesiasalzes. Sämtliche M., sowohl natürliche, als auch künstliche, müssen an möglichst kühlen, aber frostfreien Orten aufbewahrt werden. - Zoll: Künstliche wie natürliche M. sind zollfrei.

Mirabellen sind eine Art rötlichbraune oder gelbe runde Pflaumen von sehr gutem Geschmack, die in Frankreich und den Rheingegenden gezogen und teils getrocknet, teils mit Zucker eingemacht häufig in den Handel gebracht werden. - Zoll: Frische M. sind zollfrei, mit Zucker eingemachte gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1, getrocknete Nr. 25 p 2.

Mirbanöl (Essence de mirban). Unter diesem Namen hat man im Handel eine schwere, ölartige Flüssigkeit von starkem, durchdringendem Geruch nach Bittermandelöl; aus diesem Grunde gab man ihr auch den Namen künstliches Bittermandelöl, der aber jetzt wenig mehr gebräuchlich ist, da man jetzt wirklich künstliches Bittermandelöl hat, das nicht bloß dem Geruche nach, sondern auch hinsichtlich seiner Zusammensetzung mit dem ächten übereinstimmt, was bei dem M. nicht der Fall ist.

Seiner chemischen Natur nach ist das käufliche M. gewöhnlich ein Gemenge von Nitrobenzol und Nitrotoluol; doch kommen auch diese beiden, ihrem Geruche nach fast ganz gleichen Flüssigkeiten für sich allein, getrennt in den Handel, da zur Erzeugung gewisser Farben reines Nitrobenzol, und andrer Farben reines Nitrotoluol notwendig ist. Für die Herstellung des gewöhnlichen Anilinrot oder Fuchsins ist jedoch ein Gemisch dieser beiden Stoffe und zwar ein solches, in welchem das Nitrotoluol vorwaltet, unbedingt notwendig. -

Reines, aus toluolfreiem Benzol bereitetes Nitrobenzol (Nitrobenzin, Nitrobenzid), ist farblos oder schwach gelblich, hat 1,209 spezifisches Gewicht, während reines, aus benzolfreiem Toluol bereitetes Nitrotoluol 1,180 spezifisches Gewicht besitzt. Beide Präparate sind in Wasser beinahe unlöslich, lösen sich aber leicht in starkem Alkohol und sind in jeder Menge mit diesem mischbar; beide wirken innerlich genossen giftig. Der Verbrauch dieser Nitroprodukte für die Zwecke der Farbenindustrie ist ein sehr bedeutender und namentlich wird das gewöhnliche M., also die Mischung aus Nitrobenzol und Nitrotoluol in noch weit größeren Mengen verbraucht, als die reinen Nitroprodukte. Sehr viel von diesem M. verwendet man auch zum Parfümieren ordinärer Seifen.

Die Bereitung desselben geschieht am einfachsten dadurch, daß man das Benzol in einem dünnen Strahle langsam in rote rauchende Salpetersäure einfließen läßt und dabei beständig umrührt und nötigerweise etwas abkühlt. Das Benzol löst sich darin auf und beim Vermischen mit Wasser scheidet sich das Nitrobenzol (und Nitrotoluol) aus, während die Salpetersäure sich in dem Wasser löst. Für die Fabrikation im großen ist jedoch diese Methode, weil zu kostspielig, nicht geeignet. Man benutzt hierzu gewöhnliche Salpetersäure, die man mit konzentrierter Schwefelsäure mischt; letztere beteiligt sich an dem Prozesse nicht weiter, als daß sie der ersteren Wasser entzieht und diese dadurch stärker macht. Nach dem Verdünnen mit Wasser und Absonderung des ausgeschiednen Öles wird dieses noch mit verdünnter Sodalösung oder mit Ammoniak von den letzten Resten anhängender Säure befreit. Das so erhaltene M. ist gewöhnlich noch dunkelgelb bis hellbraun gefärbt und bildet die II. Qualität des Handels; es besitzt auch einen nicht gerade angenehmen Geruch. Durch wiederholte Destillation mit Wasserdampf erhält man die I. Qualität, weiß genannt; es ist zwar nicht ganz farblos,