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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Mispeln; Mitisgrün; Mixed Pickles; Mohair; Mohn

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Mispeln - Mohn

aber doch nur sehr wenig hellgelb und von feinerem Geruche. Der Vorgang bei der Bereitung des M. besteht darin, daß dem Benzol durch den Sauerstoff der Salpetersäure ein Atom Wasserstoff entzogen wird und Stickstoff und Sauerstoff in Form von Untersalpetersäure an Stelle des Wasserstoffs in das Molekül des Benzols eintreten. In ganz derselben Weise vollzieht sich der Vorgang bei der Darstellung des Nitrotoluols. Die Versendung des Mirbanöls geschieht in Glasballons oder Blechflaschen.

Gutes M. darf keine Spur freier Säure enthalten; es muß sich in Alkohol klar und vollständig lösen, etwa beigemengtes fettes Öl bleibt hierbei ungelöst. Häufig kommt das M. mit Alkohol verfälscht vor; ein solcher Zusatz läßt sich leicht daran erkennen, daß man das fragliche Öl mit etwas Wasser schüttelt, welches den Alkohol aufnimmt; fügt man dann diesem Wasser etwas doppelchromsaures Kali und Schwefelsäure zu und erwärmt die Mischung, so gibt sich vorhandener Alkohol teils durch den charakteristischen Geruch nach Aldehyd, teils durch die entstehende grüne Färbung der Flüssigkeit zu erkennen. - Zollfrei.

Mispeln, die Scheinfrucht des Mispelstrauchs, Mespilus L., und zwar der gem. oder deutschen M. (Aschpeln, Espeln, Espelbaum, Hespelstrauch, Nespeln, Mispeltute). M. germanica L., engl. Common Medlar, German M., frz. néflier commun. - eine selten angebaute Obstart, welche erst im teigigen Zustand ihren charakteristischen Geschmack entwickelt und frisch, gekocht und eingemacht genossen, auch zu Branntwein und Most verarbeitet wird. Der Baum liefert geschätztes Nutzholz. Man baut mehrere Sorten - gew. deutsche, halbwilde mit kleinen Früchten, großfrüchtige italienische und holländische frühzeitige, Birnmispel, großblütige M. und M. ohne Steine. M. abortiva, selten gebaut. Der teigige Zustand wird durch den Frost oder durch Lagern auf Stroh erreicht. Als Handelsware kommt die M. nur eingemacht in Betracht. - Zoll: Eingemachte M. gem. Tarif Nr. 25 p 1.

Mitisgrün. Wiener- oder Neugrün etc., eine schöne grüne Farbe zu Öl- und Wassermalerei, aber giftig, da sie arsenik- und kupferhaltig und wesentlich dasselbe ist wie Schweinfurter Grün (s. d.) - Zollfrei.

Mixed Pickles oder Pickles schlechthin sind eine pikante Zuspeise, ein Gemenge aus verschiednen Früchten und Gemüseteilen, die mit spanischem Pfeffer und anderm beißendem Gewürz in scharfen Essig eingelegt sind. Die Engländer machen bekanntlich von dieser ursprünglich ostindischen Zurichtung viel Gebrauch und fertigen sie für den Handel an, wie neuerdings auch die Nordamerikaner. Die Zuthaten sind solche, wie sie bei uns der Gartenbau liefert, kleine Gurken und Zwiebeln, grüne Bohnen, junge Maiskolben, Blumenkohl u. dgl. Es ist für diese Ware, die gewöhnlich in weißen Einmachgläsern im Handel ist, die Farbe nicht ohne Bedeutung. Man verlangt sie nicht selten schön grün und dadurch kommen die Fabrikanten gar leicht in Versuchung, das Grün durch Zusatz von Kupfersalzen oder Zubereitung in kupfernen Geschirren künstlich zu erhöhen, wodurch die Ware entschieden gesundheitsgefährlich wird. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1.

Mohair ist die englische Bezeichnung für Angorawolle (s. d.). Die daraus gewebten Stoffe, wie auch solche, in denen die Ziegenwolle nur einen Bestandteil neben andern bildet, führen jetzt ebenfalls häufig den Namen Mohairs, obschon ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen und den Kamelotts nicht besteht, da auch diese vielfach als Mischgewebe auftreten. Das Mohairgarn wird jetzt sehr häufig als Schußgarn verwebt und durch seine Verbindung mit Kammgarn, Baumwolle, Alpaka und Seide eine große Mannigfaltigkeit von Stoffen erzeugt. Am stärksten wird die Fabrikation derselben in England (Bradford, Manchester) betrieben, in Frankreich besonders in Roubaix und Lilie, in Deutschland in Chemnitz und Umgegend, Schlesien, Berlin, Gera, Weida, in Österreich im Reichenberger Bezirk. - Mohairspitzen sind schwarze Wollspitzen. - Verzollung: Mohairwolle auch gefärbt gem. Tarif Nr. 41 a, gekämmt Nr. 41 b; Garn Nr. 41 c 2 α u. β; Gewebe Nr. 41 d 5; Spitzen Nr. 41 d 7.

Mohn, Papaver L., Familie der Mohngewächse, mit Arten als Unkraut (Klatschmohn und Feld-, Acker-, Sand-, Bastard-, Saatmohn) und Zier- und Nutzpflanzen, als solche der Schlafmohn, P. somniferum L., Garten- und Magsamenmohn, Magsamen, Mab, engl. Sleep-causing Poppy, frz. pavot des jardins, p. somnifère, l'oeillet, holl. heul, slaapbol, heulzand, ital, papavero. Der M. wird angebaut behufs Gewinnung des Öls oder des Opiums und zwar in verschiednen Sorten, welche hauptsächlich nach Farbe der Blüten und Samen unterschieden werden und als Schließ-, Kopf- oder Dreschmohn, dessen Kapseln geschlossen bleiben, und Schüttel- oder Schüttmohn, bei welchem zur Reifezeit die Löcher unter der Kapsel sich öffnen und der Samen ausfallen kann oder ausgeschüttelt wird, Abarten, welche deshalb in zugiger Lage nicht gebaut werden können. Da das Mohnöl gutes Speiseöl ist, so notiert der M. stets um einige Prozente höher, als die Rapsarten (s. d.).

1 hl wiegt 58 kg, 1 kg enthält 2 Mill. Körner, Der Saatbedarf ist 4-8 kg pro ha, die Anbaufläche in Deutschland nur 6333 ha, der Ertrag 13-20 hl, meist aber nicht viel über 16 hl, nebst 20-28 m. Ztr. Stroh, welches nur zum Verbrennen tauglich ist und von den Bäckern gern gekauft wird. Der M. gedeiht am besten in leichten und mittleren Bodenarten, nach gedüngten Vorfrüchten (Hackfrucht besonders) und bei bester Bearbeitung, in Reihensaat, mehrfach behackt und nachdem verdünnt. Er leidet von Krankheiten nur wenig (durch einen Schimmelpilz), aber viel durch Vögel (Krähen, Meisen, Spechte besonders), Mäuse, Wind, Regen bei der Ernte und nasse Kälte, die Maden des Weißfleckrüßlers und des Mohnwurzelrüßlers, Engerlinge, Schnecken, verschiedne Blattläuse, Kohleulen und Mohngellenmücken. Geerntet wird der M. im August und September, in Bündeln gebunden und zur Trockne in Puppen aufgestellt, ausgeschüttelt sofort in Kufen oder