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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Myrrhe; Myrtenöl; Nadeln

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Myrrhe - Nadeln

macht, auch schon fein gepulvert zum Verkauf gestellt. Außer Gerbsäure, die mit der Gallusgerbsäure identisch sein soll, enthalten die M. auch noch Gallussäure. - Zollfrei.

Myrrhe (Myrrha, gummiresina myrrhae). Ein Artikel des Droguenhandels, zu den Gummiharzen gehörig. Dieses schon in der Bibel als ein wertgehaltener Stoff erwähnte Naturprodukt ist das freiwillig ausschwitzende aromatische Gummiharz eines Strauches oder kleinen Baumes aus der natürlichen Familie der Burseraceen, Balsamodendron Ehrenbergianum (Berg), der im südlichen Arabien und gegenüber an der Westküste des Roten Meeres heimisch ist. Das Gewächs hat aschgraue Rinde, dornige Äste, dreizählige Blätter und trägt erbsengroße, ein- bis zweisamige Steinfrüchtchen. Lange Zeit blieb es unbekannt, von welchem Gewächs die M. stamme. Der austretende Milchsaft ist anfänglich ölig, dann butterartig, gelblichweiß und erhärtet schließlich zu gelblichen bis rötlich braunen rundlichen und sonst unregelmäßigen Stückchen von Erbsen- bis Wallnußgröße. Die Masse ist etwas durchscheinend, auf der Oberfläche rauh und uneben, meist etwas bestäubt, leicht zerbrechlich und pulverisierbar, auf dem Bruche wachsglänzend. Sie besitzt einen eigentümlichen Wohlgeruch und aromatisch bittern Geschmack, bläht sich beim Erhitzen auf, ohne zu schmelzen und verbrennt mit leuchtender rußender Flamme unter Verbreitung eines starken Wohlgeruches.

Die M. besteht aus einem Gemenge von Gummi und einem eigentümlichen Harz, löst sich daher weder in Wasser noch in Weingeist völlig. Letzterer entzieht ihr etwa 20-30% und bildet eine rötlich gelbe klare Tinktur. Geruch und Geschmack hat der Stoff von seinem Gehalte an einem dickflüssigen, gelben ätherischen Öl, der etwa 2½% beträgt. Die Ware kam früher direkt aus Arabien nach Europa, daher die Benennung türkische Myrrhen; gegenwärtig wird sie meist aus Ostindien über England erhalten, da arabische Kaufleute sie nach Bombay bringen und dafür englische Waren eintauschen, seltener direkt über Triest. Sie wird in Kisten von 100-200 kg Inhalt gebracht.

Wie gewöhnlich gibt es auch von dieser Ware zwei Sorten, Myrrha electa und M. in sortis. Die erstere besteht aus den reinsten, hellfarbigsten (sog. hochblonden) und größten Stücken und soll nur solche Ware zu pharmazeutischen Zwecken verwendet werden. Sie ist aber zur Zeit im Handel sehr selten und müssen sich die Droguisten mit einer Auslese aus der Sekundasorte zu helfen suchen. In diese fallen die undurchscheinenden, dunkel gefärbten und sonst unansehnlichen Körner, die meist durch Zusammenkleben größere Klumpen bilden, weniger angenehm riechen und in der Regel viel Sand und andre Unreinheiten enthalten, auch wohl durch Zumischung von Bdelliumharz, arabischem Gummi, Kirschgummi u. dgl. gefälscht sind. -

Die M. wurde im Altertum zu Salbölen und zur Einbalsamierung der Leichen benutzt; gegenwärtig dient sie zu Parfümerien, Raucher- und Zahnpulvern, medizinisch in Form von Pulver, Tinktur (tinctura myrrhae) und Extrakt (extractum myrrhae) innerlich wie äußerlich als ein stärkendes, fäulniswidriges und anregendes Mittel gegen Blutungen, Schleimflüsse, bei schlechtheilenden Wunden, Mund- und Zahnleiden u. dgl. Das mit Wasser aus dem Gummiharz destillierte aromatische Myrrhenöl ist Handelsartikel und wird in Leipzig das Kilo mit 120 Mk. notiert. Da die meiste M. jetzt über England in den Handel gelangt, so gibt die dortige Ein- und Wiederausfuhr einen Anhalt für den Konsum der Ware. Der Verkehr bewegt sich dort in verschiednen Jahrgängen zwischen 100 und 200 Ztr. - M. sind zollfrei; äther. Öl und weingeistiges Extrakt daraus Nr. 5 a des Tarifs.

Myrtenöl. Der bei uns als Topfpflanze beliebte, in Südeuropa einheimische Myrtenstrauch (Myrtus communis) hat die ihm früher beigelegte medizinische Bedeutung eingebüßt; doch figuriert unter den käuflichen Ölen für Parfümeriezwecke zuweilen noch das aus Myrtenblättern durch Destillation mit Wasser gewonnene ätherische Öl. - Zoll s. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

N.

Nadeln. Trotz der Kleinheit bilden die N. infolge des ungeheuren Verbrauchs einen nicht unbedeutenden Fabrikations- und Handelsartikel. In erster Linie sind die Nähnadeln, frz. aiguilles, engl. needles, anzuführen. Die Herstellung derselben ist ziemlich schwierig und umständlich; jede einzelne Nadel muß bis zu ihrer Vollendung durch viele Hände und Maschinen gehen. In den Nadelfabriken ist die Teilung der Arbeit bis aufs äußerste durchgeführt, denn nur dadurch kann bei höchster Vollendung jeder einzelnen Arbeit größte Leistungsfähigkeit erzielt werden. Die Fabrikation besserer Nadeln bildete sich zuerst in England aus, das damit alle Welt versorgte. Das Prädikat „englisch“ hat auch jetzt noch für manche seine Anziehungskraft; es werden aber schon lange in Deutschland ganz eben so gute Nadeln gemacht, die allerdings wohl auch, wenn es verlangt wird, noch in englische Enveloppen gelegt werden, im allgemeinen aber unter eigener Firma gehen und auch bedeutenden Absatz im Auslande haben.

In Deutschland wird Nadelfabrikation in Rheinpreußen mit den Hauptorten Aachen und Burtscheid, Westfalen mit Iserlohn und Altena, und in Mittelfranken mit Nürnberg und Schwabach getrieben. Die bedeutendsten Fabriken bestehen in Aachen und Iserlohn. Die erstere Stadt mit Umgegend erzeugt ganz vorzügliche Ware und hält die höchsten Preise, die aber immer noch viel niedriger sind, als bei den gleichen englischen Qualitäten. Es werden von dort etwa 40 Mill.