Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Ocher; Ochsengalle; Ocubawachs; Öl

385

Ocher - Öl

Zu beziehen ist die Ware von Frankfurt a. M. - Zoll: S. Tarif im Anh. Nr. 25 e 1 und 2.

Obst. Zoll: Frisches O. ist zollfrei. Gebackenes O., zerkleinertes, ohne Zuckerzusatz eingekochtes (Mus), sowie eingesalzenes gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2; kandiertes, sowie in hermetisch verschlossenen Büchsen eingemachtes Nr. 25 p 1.

Ocher (Ocker; frz. ocre; engl. ochre); lockere, abfärbende thonige Erden, die durch mehr oder weniger Gehalt an Eisenoxyd verschiedentlich gefärbt sind, und zwar variieren die Farben von hellgelb, bräunlich gelb, zuweilen hoch- oder goldgelb, bis zu gedämpftem Rot. Es werden dergleichen Mineralien, die aus verwitterten eisenhaltigen Gesteinen hervorgegangen sind, in vielen Örtlichkeiten und oft in großer Anhäufung, namentlich in der Nähe von Eisenlagern gefunden und teils im natürlichen Zustande, teils geschlämmt und präpariert in den Handel gebracht. Bayern, der Harz, Österreich, Italien, Frankreich und England liefern Ocher; letzteres Land exportierte allein im Jahre 1877: 2867 Tonnen (à 20 Ztr.) hiervon.

Die gelben O. bilden wohlfeile Farbkörper zu Anstrichen, weniger zu Öl- wie zu Leimfarben; die käuflichen Sorten sind gewöhnlich: gelb (Gelberde), Gold-, Orange- und Ölocher, und als teuerste der hochgelbe Satinocher (Amberger Erde). Die natürlichen hellen O. lassen sich durch stärkeres oder gelinderes Glühen in dunklere Nüancen von Rot und Braunrot überführen. Solche Präparate heißen dann gebrannter O.; sie kommen auch unter besondern Namen, wie Hausrot, Berlinerrot, Nürnbergerrot, Preußischrot in den Handel. Hierzu rechnet man in der Regel auch das bloße Eisenrot oder den Colcothar (s. d.). Der feinste gebrannte O. ist die Sienaerde, die auch zur Kunstmalerei dient. Zwischen Bolus und O. besteht kein wesentlicher Unterschied, nur sind die letztern mehr erdig locker, da ihr Thon nicht so fett, sondern durch Kalk mergelig ist. -

Blauer O. existiert auch, aber nicht mehr im Handel. Es ist dies eine spezielle Art von phosphorsaurem Eisenoxyd, das sich an wenigen Orten als Mineral findet und namentlich in Torfmooren gebildet wird. Es ist über den jetzigen künstlichen Blaustoffen in Vergessenheit gekommen. - Zollfrei.

Ochsengalle (Rindsgalle, fel tauri), der Inhalt der Gallenblase von Rindern, findet im gereinigten Zustande mehrfache technische wie auch medizinische Verwendung. Das notwendige Reinigen der rohen Gallenflüssigkeit geschieht durch Erhitzen bis zum Aufkochen und Abfiltrieren von den geronnenen Teilen. Der Stoff hat dann noch seine grünliche Farbe, kann aber mit Knochenkohle und dergleichen Klärmitteln auch entfärbt werden. Die Galle ist eine sehr kompliziert zusammengesetzte Substanz; sie besteht aus einer Verbindung fetter Säuren mit Natron und stellt somit schon von Natur eine Art feiner Seife dar, enthält aber außerdem noch die Natronverbindungen der Glykocholsäure und Taurocholsäure, ferner Cholesterin, Cholin (Neurin), Lecithin, Taurin, Farbstoffe etc.

Die O. wird als solche vielfach für sich wie als Bestandteil wirklicher Seife (Fleckseife) zum Ausmachen von Flecken aus Stoffen, die durch weniger milde Mittel leiden würden, gebraucht. Bei Miniaturmalerei auf Elfenbein ist Galle notwendig, da sie das Anhaften der Farben bewirkt. Die Herstellung von Marmorpapier eines gewissen Genres (türkischer Marmor) sowie geäderter Bücherschnitte scheint ohne Galle ganz unthunlich zu sein. Sie wirkt hierbei durch ihre Eigentümlichkeit, sich mit den angewandten Färbmitteln nicht zu mischen, vielmehr sie zu verdrängen. Wird daher auf den dünnen Kleister des Marmorirkastens (aus Flohsamen, Carragheen u. dgl. bereitet) Farbe gegeben und Galle darauf gesprengt, so treibt diese die Farbe so zusammen, daß ein aderförmiges Gebilde entsteht, das mit dem Bücherschnitt aufgenommen wird. Die Erzeugung von Marmorpapier geschieht in gleicher Weise, nur daß verschiedne Farben zugleich in Anwendung kommen und die Figurenbildung durch Rühren mit Stäbchen gefordert wird. Es entstehen dadurch augenartige Flecken mit hellern Adern durchzogen, welche durch die Wirkung der Galle entstanden sind. -

Medizinisch wird gereinigte Galle verwendet gegen Magen-, Leber- und Milzleiden. Man hat sie in den Apotheken eingedickt (Fel tauri inspissatum) als eine zähe pechartige dunkle Masse, wie auch als ein trocknes gelbliches Pulver, erhalten durch Ausziehen der Galle mit Weingeist, Entfärben mit Knochenkohle und Abdunsten des Lösungsmittels. Es ist dies das gallensaure Natron (Natrum choleinicum) der Droguisten. - Zollfrei.

Ocubawachs. Eine Art Pflanzenwachs, das jedoch im deutschen Handel nur selten anzutreffen ist; es wird aus den Früchten mehrerer am Amazonenstrome in Brasilien wachsender Baume der Gattung Myristica gewonnen, namentlich von Myristica Ocuba, aber auch von M. sebifera und M. officinalis. Die Früchte liefern ungefähr 18% Wachs, welches man durch Auskochen der zerkleinerten Früchte mit Wasser erhält, wobei das Wachs sich an der Oberfläche ansammelt. Dasselbe ist weicher als Bienenwachs, in kaltem Alkohol unlöslich, völlig löslich in siedendem Alkohol und in Äther. Es schmilzt bei 36,5° C. Das spezifische Gewicht ist 0,918 bei 15° C. In Brasilien wird das O. zur Kerzenbereitung verwendet. Das von der Myristica Bicuhiba abstammende Bicuhibawachs zeigt keine wesentlichen Unterschiede von dem O. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 26 c 2.

Öl (lat. oleum; frz. huile; engl. oil). Mit dem Namen Ö. belegt man im allgemeinen alle Flüssigkeiten, die sich schlüpfrig anfühlen und mit Wasser sich nicht mischen. Es ist selbstverständlich, daß diese Eigenschaften Körpern von sehr verschiedner chemischer Zusammensetzung zukommen können, und faßt man daher diejenigen, welche nicht unzersetzt flüchtig sind und aus den Triglyceriden von Fettsäuren bestehen, demnach flüssige Fette sind, unter dem Namen fette Öle (olea pinguia, frz. huiles, engl. oils) zusammen, während die flüchtigen, ihrer chemischen Konstitution nach oft sehr verschiedenartigen, mit dem Namen ätherische Öle (olea aetherea, frz. essences, engl. volatile oils) belegt werden. Da die letzteren schon unter