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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Olitäten; Oliven; Olivetten; Olivin; Ölkuchen

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Olitäten - Ölkuchen

lichen Erd- und Mineralfarben in Öl oder Firnis abgerieben vorrätig. Das Zusammenreiben wird auf Maschinen besorgt und dadurch eine Menge schwerer Handarbeit erspart. Sie werden in hölzernen Fäßchen verkauft, die nach oben enger zulaufen, haben die Konsistenz eines steifen Breies und obenauf ist etwas Wasser gegeben, welches beim Gebrauch abgeschüttet wird. Behufs der Verarbeitung wird ihnen Firnis oder ein andres Verdünnungsmittel zugemischt. - Zoll: Mit Ausnahme des mit Öl eingeriebenen Eisenoxyds, welches der Tarifnummer 5 d angehört, gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Olitäten nennt man die Erzeugnisse von Laboranten, die besonders in Waldgegenden aus Kräutern, Wurzeln, Harzen u. dgl. (allerhand Öle, Essenzen, Wässer u. dgl.) bereitet und früher häufig von besondern Händlern, Olitätenkrämern, im Lande kolportiert wurden.

Oliven, die Steinfrüchte des Öl- oder Olivenbaumes, auch selbst O. genannt, Olea R. Br. und zwar die des echten (kultivierten) Olivenbaumes, Olea europaea L., engl. Olive tree, frz. olivier, holl. olijf boom, ital. ulivo und olivo, vorkommend in den Mittelmeerländern und der Umgebung, in Kleinasien und Afrika, von der Küste bis zu 750 m, überall wo anhaltende Fröste fehlen, da er diese nicht verträgt, meist auf Bergabhängen, in Gärten und auf Feldern, als Busch in ganzen Wäldchen. Die amerikanische O., im Süden der Vereinigten Staaten, liefert eßbare Früchte, wohlriechende Blüten und sehr hartes Nutzholz, die wohlriechende O., in Japan und China, Blätter, welche zur Erhöhung des Geruches dem Thee beigemischt werden.

Die echte O. stammt von dem wilden O., Oleaster, ab und kommt auch vielfach verwildert vor; die reifen Früchte dienen zur Ölgewinnung, unreif werden sie in Essig eingemacht und auch in Deutschland in der Küche verbraucht; sie kommen, meist in Gläsern, aus Frankreich und Italien, finden aber nur wenig Verwendung. Die O. sind länglich, kultiviert auch rund, dunkel- bis schwarzgrün, violettlich, weißlich, rötlich und blau, je nach Sorte, und haben grünlichweißes Fleisch. Im Detailhandel kosten französische und spanische O. in Glas 1,75 Mk. - Frankreich baut etwa 130000 h mit O. und gewinnt 200000 hl Öl zum Gesamtwert von 40 Mill. Frcs., Italien bis zu 1 Mill. h mit einem Ertrag von 3-4 Mill. hl, Griechenland etwa 130000 hl. Vgl. Obst. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1.

Olivetten heißen die gestreckt runden, olivenförmigen Korallen, die zum Rundschleifen ungeeignet sind. Ebenso heißen auch Glasperlen von dieser Gestalt. - Zoll s. Edelsteine. Glasperlen s. Tarif im Anh. Nr. 10 e Anm.

Olivin (Chrysolith, Peridot); ein pistazien-, oliven- oder gelbgrüner Halbedelstein, der durchsichtig und in hohem Grade glasglänzend ist. Er besteht aus kieselsaurer Bittererde, verbunden mit kieselsaurem Eisenoxydul. Die in Europa, namentlich in Böhmen und am Rhein in Basalt und Lava eingewachsenen Steine, der eigentliche O., sind fast wertlos. Der sog. edele O., gewöhnlich Chrysolith genannt, kommt am schönsten als Geschiebe im Orient, Oberägypten, Ostindien, Ceylon, Brasilien vor. Der Stein wird als Rosette und Tafelstein geschnitten und erhält eine Goldfolie oder eine grün gefärbte Kupferfolie zur Unterlage. Die Härte des Steines ist gering, daher sich die Politur wie Ecken und Kanten bald abnutzen. Er gehört daher zu den geringeren Schmucksteinen. - Zoll s. Edelsteine.

Ölkuchen, Nebenprodukt bei der Gewinnung von Öl aus Ölfrüchten, der Rückstand beim Pressen, für die Landwirtschaft von großer Bedeutung als Futtermittel, in England auch als Düngmittel unter Umständen verwendet, und Gegenstand lebhaften Handels, besonders aus den Gegenden, in welchen viel Öl gewonnen wird nach den Ländern und Bezirken mit starker Viehzucht und Viehhaltung. Der Wert der Ö. ist abhängig von ihrem Gehalt an Nährstoffen (stickstoffhaltigen, stickstofflosen und Fett oder Öl), an Rohfaser, Aschenbestandteilen und Gesamttrockensubstanz, von der Ölpflanze, von welcher sie gewonnen werden, von dem Gesamtgehalt an verdaulicher Substanz und von den Beimengungen, welche sich in denselben finden (Senföl etc.). Neuerdings verwendet man am liebsten entölte Kuchen (Rapsmehl etc.), weil wirksamer und gesünder. Im Handel kommen vor:

Baumwollsamenkuchen, ungeschält und geschält,

Bucheckernkuchen desgl. (5,18 und 10,93 Mk.),

Candlenutskuchen (15,63),

Kokoskuchen (8,81),

Erdnußkuchen (9,90 ungeschälte und 13,23 geschälte),

Hanfkuchen (8,94),

Kürbiskernölkuchen (15,73),

Leindotterkuchen (9,40),

Leinkuchen (10,12), entöltes Leinmehl (11,00),

Madiakuchen (10,26),

Maiskeimölkuchen (7,23),

Mandelölkuchen (13,53),

Mohnkuchen (10,62),

Palmkernmehl entölt (7,21),

Palmölkuchen (7,67),

Rapskuchen (10,60),

Rapsmehl entölt (9,68),

Sesamkuchen (11,04),

Sonnenblumenkuchen (11,24),

Wallnußkuchen (11,54).

Die beigesetzten Preise sind die, welche sich nach den Berechnungen der physiologischen Agrikulturchemiker als die dem Gehalt an den Nährstoffen entsprechenden bei einem Preise des Roggens von 10 Mk. pro Ztr. ergeben, d. h. also die dem gesamten Nährwert angemessenen. Im Handel kommen die Preise höher und niedriger vor, je nach lokalen Verhältnissen. Der Kaufmann muß die Bezugsquellen und Absatzorte im Auge behalten und kann danach seine Spekulation einrichten, der Abnehmer, der Landwirt, verlangt preiswürdige Ware und hält sich zu deren Beurteilung an die von den Versuchsstationen veröffentlichten Untersuchungen, bzw. an die von deren Vorstehern herausgegebenen Tabellen über Futterberechnung und Futterwerte. -

Die Ö. dürfen beim Transport nicht leiden und nicht zu dicht geschichtet sein. Deutschlands Handel zeigt eine Einfuhr von bis 300000 Ztr. zu durchschnittlich 7,5 Mk. und eine Ausfuhr von über 450000 Ztr.; den Hauptabsatz zeigt England. Im Interesse der Landwirtschaft sucht man immer mehr dahin zu wirken, daß die für die Erhaltung der Bodenkraft wichtigen Abfallstoffe im Boden verbleiben, also auch, daß die Ö. nicht ausgeführt werden. Rationelle Landwirte verkaufen ihre Ölsaaten unter der Bedingung der Rückgabe der Ö.; die Sorten, welche man aus den Tropen