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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Organdis; Organsinseide; Orlean

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Organdis - Orlean

wieder zwei Qualitäten; die auf erstere Weise gewonnene ist die feinste, heißt Nerolipetalöl (Essence Néroly de pétales de fleurs d'oranges bigar.) und kostet circa 300 Mk. pro Kilo; die zweite Sorte heißt Essence Néroly-Bigarades des fleurs und kostet circa 230 Mk. Das vom süßen Pomeranzenbaume stammende Blütenöl heißt Essence Néroly fleurs d'oranger Portugal. -

Die Hauptproduktion dieser Art findet im südöstlichen Frankreich statt, etwas kommt auch aus Algier und Italien. Das türkische O. wird noch circa 50 Mk. teurer bezahlt als das beste französische. Der hohe Preis dieser Öle erklärt sich durch die geringe Ausbeute, denn 1000 kg Orangenblüten geben nur circa 800 g reines Nerolipetalöl. Die jährliche Produktion von Grasse und Cannes beläuft sich allein auf ungefähr 250 kg Nerolipetalöl. Als Nebenprodukt bei der Darstellung dieser Öle erhält man das Orangenblütenwasser (Aqua florum aurantiorum, aqua naphae, frz. eau de fleurs d'oranger), von welchen man ebenfalls wieder verschiedne Sorten hat; dasselbe besitzt den Geruch des Öles, jedoch in viel schwächerem Grade.

Während das Öl mehr zu Parfümeriezwecken, namentlich bei Bereitung von Eau de Cologne Verwendung findet, wird das Wasser mehr von Konditoren und Apothekern benutzt. Nizza und Cannes versenden allein jährl. über 1 Million kg Orangenblütenwasser, wobei jedoch viel Orangenblätterwasser inbegriffen sein muß, denn aus der Produktionsmenge des Öles läßt sich berechnen, daß höchstens 465000 kg echtes Blütenwasser dort gewonnen werden. - Zoll: Öl gem. Tarif Nr. 5 a; Wasser Nr. 31 d bezw. e.

Organdis (frz. organdie, engl. book muslin, book), sind lockere feine und glatte Baumwollgewebe, weiß oder auch gefärbt, aus Garn Nr. 100-150, etwas dichter als Musselin, aber ebenso fein im Faden und etwas steifer appretiert. Der Stoff kam früher aus Ostindien, wird aber schon längst in allen europäischen Musselinwebereien schon gefertigt und dient meistens zu Unterfutter für Frauenkleider. - Zoll gem. Tarif Nr. 2 d 5 (s. Musselin).

Organsinseide (Kettenseide, frz. organsin; engl. organzine) heißt die gezwirnte aus den besten Kokons gewonnene Seide, die in den Geweben die Kette, den Aufzug bildet. Man unterscheidet zweifädige (o. à deux bouts) und dreifädige (o. à trois bouts). Jeder Faden besteht aus drei bis acht Kokonfäden (s. Art. Seide). - Zoll: Rohes Gespinst ist zollfrei, gefärbtes zum Verweben bestimmt Nr. 30 c. Zwirn Nr. 30 d.

Orlean (Orellana, Roucou, Anatto, Arnotto), ein gelbroter Farbstoff, welcher von einem in den heißen Ländern Amerikas heimischen, aber auch dort, sowie in Zanzibar und auf den Sandwichinseln kultivierten strauchartigen Baume, Bixa orellana, kommt und zwar ist das Fruchtfleisch der Träger der Farbe. Die Frucht ist eine herzförmige, zusammengedrückte, weichstachelige Kapsel von Wallnußgröße, die sich bei der Reife zweiklappig öffnet. Die Samen sind umgeben von einem orangegelben, klebrigen, abfärbenden Brei, welcher abgesondert den Farbstoff darstellt.

Man nimmt aus den reif gewordenen Früchten das Fleisch mit den Kernen heraus und verfährt nach Ortsgebrauch in verschiedner Weise mit der Absonderung des erstem. Man stellt entweder die Masse mit kaltem Wasser längere Zeit an, sodaß sie eine Art Gärung eingeht, reibt oder stampft dann die Masse und sondert die Kerne oder deren Bruchstücke mit Sieben ab, oder man extrahiert gleich die Früchte mit kochendem Wasser, während man anderwärts Samen und Fleisch trennt, indem man die Masse durch Siebe reibt.

Der irgendwie erhaltene weiche Brei setzt sich aus Wasser allmählig als Bodensatz ab und hinterläßt das Wasser gelb gefärbt, denn der Farbstoff ist ein doppelter, ein gelber, der sich mit Wasser extrahieren läßt, und ein roter von harziger Natur, der nur in Weingeist und alkalischen Mitteln löslich ist. Der von Wasser mehr oder weniger befreite Brei bildet den O., eine lebhaft gelbrote Masse, je nach der Sorte mehr oder weniger wasserhaltig.

Die häufigste und Hauptsorte für technische Zwecke ist der Kuchenorlean, welcher ziemlich trockne, viereckige Kuchen von 1-1½ kg Schwere bildet, die in Bananenblätter gewickelt und in Fässer verpackt sind. Diese Sorte kommt fast ausschließlich aus Cayenne und Guadeloupe und geht zunächst nach Frankreich, welches die Nachbarländer versorgt.

Rollenorlean kommt aus Brasilien. Die Rollen oder Cylinder sind klein, die Masse ist hart, kompakt und trocken, außen bräunlich, innen schön rot. Diese Sorte ist diejenige, welche in England zu der in ausgedehntem Maße betriebenen Käse- und Butterfärberei vorzugsweise verwendet wird.

Teigorlean heißt die Ware, wenn sie als weiche Masse in den Handel kommt. Sie hat gewöhnlich bis 60% Wassergehalt und ist in diesem Verhältnis wohlfeiler. Diese Sorte riecht gewöhnlich übel, da man sie in den Magazinen durch Begießen mit Urin feucht erhält, damit sie haltbarer bleibt und die Farbe sich erhöht. Frischer nicht derart behandelter O. riecht dagegen angenehm veilchenartig. Die teigförmigen O. kommen neuerdings häufig an Stelle der Kuchen in den Handel und sind in Fässer oder Blechbüchsen verpackt. Die gewöhnlichen Behandlungsweisen zur Darstellung des O. sind im Grunde ziemlich roh, da der färbende Bestandteil mit den andern Stoffen des Fruchtfleisches gemengt bleibt.

Von Frankreich aus wird ein reineres Präparat in den Handel gebracht, das gegen viermal mehr Färbekraft hat und reiner färbt als die gewöhnliche Ware. Es wird Bixin genannt und ist in Form kleiner Täfelchen. Der O. wird in der Färberei benutzt besonders auf Seide, auf welcher die Farbe lebhaft und glänzend ausfällt, aber in keinem Falle sehr dauerhaft ist. Man wendet entweder weingeistige Lösungen an oder bereitet die Farbstoffe mit alkalischer Lauge, in welcher beide Farbstoffe löslich sind und erhält damit Gelb oder Orange. In der Kattundruckerei verwendet man O. für die Nüancen von Chamois bis Orange; ferner färbt man damit Papier, Tapeten, Firnisse, Wasser- und Ölfarben und Käse. Der letztere Gebrauch kommt auch in Holland vor. - Zollfrei.