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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Panamahüte; Panamas; Pannetier's Grün; Päoniensamen; Papelines; Papier

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Panamahüte - Papier

großen Viehseuchen, während es jetzt bei den niedriger gewordenen russischen und australischen Talgpreisen wieder mehr rückgängig wird. - Das Palmkernöl besitzt eine chokoladenbraune Farbe, läßt sich aber durch Bleichen leicht in ein völlig weißes Fett umwandeln. Palmkernöl kostet loco Hamburg jetzt 27 Mk. pro 50 kg, P. 32 Mk. 50 Pf. - Zoll: P. und Palmkernöl, flüssiges, gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 1 oder 4, festes oder butterartiges Nr. 26 a 5. Palmkerne und Preßkuchen sind zollfrei.

Panamahüte, eine den Strohhüten ähnliche, bei uns jetzt wenig mehr gebräuchliche Kopfbedeckung für Herrn, ausgezeichnet durch Leichtigkeit, große Elastizität und Widerstandsfähigkeit, sodaß sie sich in jeder Art zusammenwickeln und drücken lassen und immer wieder die frühere Form annehmen. Diese Hüte werden aus den Blattfasern eines zu den Pandaneen gehörigen Baumes, der Carludovica palmata, in Zentralamerika verfertigt; der hierbei entstehende Abfall wird anstatt Borsten zur Herstellung billiger Scheuerbürsten verwendet. Es kommen auch zuweilen unechte, weniger haltbare, aus andern Fasern gefertigte P. in den Handel. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 35 d 1 oder 2. Grobe Scheuerbürsten aus Panamafasern Nr. 4 a 1.

Panamas; halbwollene Modezeuge, die mit dreifarbiger baumwollener Kette und doppeltem wollenen Einschuß gewebt werden, sodaß die Ware ein den geflochtenen Panamahüten ähnliches Aussehen erhält. - Zoll gem. Tarif Nr. 41 d 5, und wenn es ombrierte oder bedruckte Fäden enthält, Nr. 41 d 6.

Pannetier's Grün; eine schön grüne Mineralfarbe für Tapetendruck und Wandmalerei, aus borsaurem Chromoxyd bestehend, wird als Ersatz für das giftige Schweinfurter Grün empfohlen. - Zollfrei.

Päoniensamen (Pfingstrosensamen, Gichtrosensamen, semen paeoniae), ein zwar veralteter, aber immer noch im Droguenhandel vorkommender Artikel, die runden, glänzendschwarzen Samen der Paeonia officinalis, einer Pflanze, die bei uns vielfach in Gärten gezogen wird; dieselben haben innen einen weißen, geruchlosen, süßen, öligen Kern; sie werden von vielen Leuten, an Fäden gereiht, den Kindern als Kette umgehängt, in der irrigen Meinung, ihnen das Zahnen dadurch zu erleichtern. -

Die Wurzel derselben Pflanze (Päonienwurzel, Gichtrosenwurzel, radix paeoniae) wurde früher medizinisch verwendet, ist aber jetzt fast ganz außer Gebrauch gekommen; sie besteht aus mehreren aneinanderhängenden Knollen, ist außen rotbraun, innen weiß. - Samen und Wurzeln sind zollfrei.

Papelines, auch Popelines (engl. poplin) nennt man leichte, durchsichtige Gewebe zu Kleiderstoffen, welche ehemals ganz aus Seide gewebt wurden, während jetzt meistens nur die Kette aus Seide, der Einschlag aber aus wollenem, glänzendem Kammgarn, bei andern Sorten auch aus Baumwolle besteht. Charakteristisch ist dem P. ein gewisser Glanz, der, wenn er den Gespinsten fehlt, durch die Appretur ergänzt wird. Die Stoffe erscheinen schwarz und in allen gangbaren Farben, glatt oder façonniert. Popeline de laine, ganz wollen, besteht halb aus englischem oder französischem, halb aus deutschem Kammwollgarn. - Zoll: P. aus Seide gem. Tarif Nr. 30 e; aus Halbseide Nr. 30 f; aus Wolle Nr. 41 d 5 β.

Papier. (Frz. papier, engl. paper, span. papel, ital. carta) wird das aus fein zerteilten Fasern in wäßriger Aufschwemmung durch Verfilzung und Entwässerung auf feinen Metallgeweben dargestellte Blatt (Platte) genannt. Dieser Name ist dem aus dem Schafte des babylonischen, am Nil von 2000 vor bis 700 nach Christo sorgfältig gepflegten, binsenartigen Sauergrases Papyros (beblos, biblos) antiquorum bereiteten Schriftblatte und darum durchaus unpassend entlehnt. Richtiger würde der Name Karte (im Sanskrit und über ganz Indien kartä, kirtas, qertas, phön. chartès, lat. quarta, carta etc. was ein viereckiges Blatt bedeutet) sein, den die Italiener und Griechen auch noch heute beibehalten haben. In China (Schina), dem Stammlande des Schriftfilzes, heißt es Chi (Schi), in Japan Gami, was beides „das Verständige“ bedeutet; russisch heißt es Bumaga (das Baumwollene) auch kithai, mongol. katay, maur. wark (qark = viereckig). -

Geschichte. Ums Jahr 123 v. Chr. erfand der chinesische Mandarin (Gelehrte) und Ackerbauminister Tsai-lün die Kunst, durch Verfilzung feiner Pflanzenfäserchen beim wäßrigen Aufguß derselben auf geeignete, das Wasser durchlassende Gewebe ein dünnes Blatt zu bereiten, welches an Stelle der bis dahin üblichen Holztafeln und Gewebe, billiger und besser zum Zwecke des Schreibens dienen konnte. Algen, Baumwolle, Bambusmark, sogar Abfälle der Baumwollengewebe gaben zuerst das Material, bis spätere Jahrhunderte zur Verwendung der Stroharten, des Bastes mehrerer Baumarten und der Papierbaumschalen (Broussonetia papyrifera) führten.

Um 610 n. Chr. kam die Papiermacherei nach Korea und dann nach Japan, wo der genannte Papierbaum das Hauptmaterial liefert. Die Tataren lernten die Kunst auf ihren kriegerischen Einfällen in die Mongolei kennen und verpflanzten sie zu Anfang des siebenden ^[richtig: siebten] Jahrhunderts nach den Hauptstädten Marakanda (Samarkand), Bokhara, Kaschghar, Yarkand etc. Von den Tataren lernten die gelehrigen Araber auf ihren Eroberungszügen zu Anfang des achten Jahrhunderts das Papiermachen und gründeten zahlreiche Papierhäuser (Kehatjana) in den weiten eroberten Gebieten, namentlich in Syrien, Palästina, Arabien, Ägypten, Sicilien und Spanien.

Das Rohmaterial war ausschließlich die rohe Baumwolle, während in Hindostan bis Ceylon die Faser der Sonnenpflanze oder Sunhanf (crotolaria juncea), in Vorderindien die Tschut (Jute, Corchorus capularis), Pisang, Agave, in Tibet eine Wurzelrinde, in Siam und Anam die Fasern des Pliu-Kloi (Trophis aspera) und Nessel (Boehmeria nivea) verwendet wurden. Die arabischen und maurischen Papiermacher (warrák), welche fast immer zugleich Gelehrte, Richter und Schreiber (Kanzler) waren, hielten ihre Kunst sehr geheim, sodaß kein Fremder davon Kenntnis erlangen und die Papiermacherei sich auch nir-^[folgende Seite]