Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Papier

398

Papier - Papier

cylinder beigefügt war. - Die Papiermaschine gehört zu den geistreichsten Kombinationen auf mechanischem Gebiete, aber ungeachtet der Vorteile, welche sie der Handarbeit gegenüber besitzt, dauerte es doch bis Anfang der zwanziger Jahre, bevor sie Eingang fand, und bis zu Anfang der vierziger Jahre, bis sie gegen die Bütten ganz das Feld behauptete. Seitdem sind in allen Beziehungen Fortschritte gemacht worden, sodaß die jetzigen Papiermaschinen und ihre Hilfsmaschinen mit den Anfängen gar nicht mehr vergleichbar sind. -

Die ersten Papiermaschinen wurden aufgestellt: 1803 in Datfort, 1815 in Sorel, 1816 in Weida, 1818 in Berlin, 1823 in Heilbronn, 1822 in Arnau, 1828 in Fiume, 1824 in Lassarag, 1830 in Huy, 1827 in Isoladi Sora, in Sizilien, in Borgo Sesia, in Sardinien, 1824 in Strandmölln bei Kopenhagen, 1832 in Warschau, 1840 in Manzanares in Spanien. Jetzt gibt es nach Rudel's Statistik der Papierfabriken in Europa 3466 Papiermaschinen und auf der Erde deren 4091, Büttenmanufakturen in Europa 1238 und auf der Erde 6238. Die Produktion nach europäischer Art beträgt jährlich 11 Mill. Kilozentner, welche von 366 Mill. Menschen verbraucht werden. Überdies verbrauchen 620 Mill. Menschen das chinesische, japanesische und koreanische Papier, 116 Mill, das Papier nach arabischer und siamesischer Art, 30 Mill. Menschen schreiben auf Palmblätter, Rinden, Bast und Holztafeln (jenseits des Ganges, am Himalaya, in Afrika und auf den Südseeinseln) und 276 Mill. Menschen bedienen sich keiner Schrift. - Von dem verbrauchten Papierquantum kommen durchschnittlich auf die

^[Liste]

Behörden und Amtskanzleien 11% oder 1,21 Mill. Kilozent.

Schulen aller Art 13% oder 1,43 " "

Handel 12% oder 1,32 " "

Industrie 8% oder 0,88 " "

Brief- und Privatverbrauch 6% oder 0,66 " "

Druckerei und Buchhandel 50% oder 5,50 " "

: 11,00 " "

Dieses Quantum verteilt sich nach den Papiersorten in:

^[Liste]

2 Mill. Kilozent. Schreibpapier

2½ " " Pack- und Tapetenpapier

5 " " Druckpapier

1½ " " Pappen und Kartons.

Jahres-Anfertigung und -Verbrauch verteilen sich in Europa pro Kopf:

Anfertigung Verbrauch

Belgien 4½ kg, 3½ kg

Dänemark 2 " 2 "

Deutschland 4½" 4 "

Frankreich 4 " 3½ "

Griechenland - " ¼ "

Großbritannien 6 " 5½ "

Italien 2 " 2 "

Niederlande 3 " 3 "

Österreich-Ungarn 2 " 1¾ "

Portugal 1½ " 1¾ "

Rumänien - " ¼ "

Serbien - " ¼ "

Rußland ½ " ½ "

Skandinavien 2¼ " 1¾ "

Schweiz 4 " 3½ "

Spanien ½ " ½ "

Türkei - " ¼ "

Ver. Staaten N.-Amerikas 5½ " 5 "

Die Papierbereitung erfolgt auf eine zweifache Weise, einesteils überwiegend durch Handarbeit, wo sie Hand- oder Büttenpapierfabrikation (richtiger Papiermanufaktur, papeterie à la main, hand-paper-making), andernteils überwiegend durch Maschinen, wo sie Maschinenpapierfabrikation (richtiger kurz Papierfabrikation, papeterie à la mécanique, machine-paper-making) genannt wird. Die Papiermanufaktur zerfällt in folgende einzelne Arbeiten: Sortieren (trier, délisser; sorting) der Hadern in 20-30 verschiedne Arten, Reinigen durch einen Stäuber (Wolf, blutoir, loup, diable; duster), Kochen mit Kalklauge in einem feststehenden oder rotierenden eisernen Kessel (lessiveur; boiler), Auswaschen und Halbstoffmahlen in der Cylindermühle oder dem Halbholländer (cylindre defileur; rag grinding engine), Bleichen des Halbstoffes (demi-pâte; half-stuff) mittels Chlorgas oder Chlorkalklösung (unterchloriger Säure), Ganzstoffmahlen in der Ganzstoffmühle oder dem Ganzholländer (cylindre raffineur; pulp finishing engine).

Nicht unerwähnt mag bleiben, daß man früher zur Erleichterung des Mahlens die Hadern faulen ließ (macerage, pourrissage, roting) wodurch zugleich ein sehr geschmeidiges Papier erhalten wurde. Je nach dem anzufertigenden Papiere wird der fertige Ganzstoff (pâte fine; stuff) beim Handpapier mit Harzthonerde vorgeleimt und gefärbt. Die Farben werden teils fertig dem Stoff zugesetzt (substantive Farben), teils durch Niederschlag auf den Stoff frisch bereitet (adjektive Farben). Ist der Stoff so vorbereitet, so wird er in einem, je nach der Dünne oder Dicke des anzufertigenden Papieres wechselnden, mit Wasser verdünnten Zustande in die Schöpfbütte (cuve; stuffvat) gebracht, wo der Schöpfgeselle (puisseur, plongeur; vatman) mit einer der Größe des P. entsprechenden Form aus feinem Messingdrahtgewebe und dem Rahmen (tamis, forme; would) die Fasern auffängt und durch Schütteln teils dieselben gleichmäßig verteilt, teils die größte Menge Wasser entfernt.

Dann schiebt der Schöpfgeselle dem Gautscher (coucheur; layer) die Form auf einem Brett (trêteau; trestle) zu, dieser drückt den nassen Papierbogen auf einen Filz (feutre coucheur; wet felt), was so lange, Bogen auf Filz übereinander, fortgesetzt wird, bis bei gewöhnlichen Papiersorten 181 Bogen in 182 Filzen liegen, was man einen Puscht oder Pauscht (porse; bolster) nennt. (Daher „über Pauscht und Bogen“). Wenn der Puscht fertig ist, so kommt er unter die Presse, durch welche das überflüssige Wasser aus den Papierbogen herausgedrückt wird, indem man stundenweise die Presse immer wieder anzieht. Gewöhnlich werden die bis mittags fertig gewordenen Puschte bis gegen Abend, die bis abends fertig gewordenen bis früh