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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Papiertapeten

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Papiertapeten - Papiertapeten

weil sie, wenn lackiert, von außerordentlicher Festigkeit sind und der Nässe vollständig widerstehen. - Chinesische Tapeten wurden wahrscheinlich mit Thee und Porzellan (Tschi und Tseki) zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Jesuitischen Missionäre nach Europa gebracht und zuerst in dem damals noch holländischen Arras und in Rouen angefertigt. Um 1660 soll J. Hauntzsch in Nürnberg bereits P. angefertigt haben; nach England kam die Tapetendruckerei erst 1746, nach Paris noch später; sie verbreitete sich dann nur langsam über Europa. Wenn auch die Buchdruckerkunst im 15. Jahrhundert schon eine Anleitung zum Tapetendruck hätte geben können, so zog man es doch vor, gerade wie bei der Leinwand- und Kattundruckerei und der Buntpapierfärberei, mit der Hand die Druckformen aufzutragen, wahrscheinlich um die Muster genauer abzupassen, als dies auf dem damaligen beschränkten mechanischen Wege möglich war. Indes wäre eine wirklich mechanische Herstellung der Tapeten auch bis Anfang dieses Jahrhunderts nicht dringend gewesen, da die beschränkte Größe der Papierbogen kaum einen Vorteil dadurch hätte gewinnen lassen. Da erschien die Papiermaschine, welche Papier (siehe dieses) in fortlaufenden Bändern darzustellen ermöglicht. Oberkampf in Jony ^[richtig: Jouy] hatte 1801 den Kattundruck mittels gravierten Cylindern erfunden; das lange Papierband glich einem Stück Kattun und ließ sich ebenso behandeln. Es wurde das Tapetenpapier geschaffen, das in ¾-1 Elle Breite und 12-15 Ellen Länge geliefert wurde und nun war der mechanische Weg vorgeschrieben. Den größten Aufschwung aber erhielt die Tapetenfabrikation durch die Erfindung des Ingenieur Perrot in Rouen 1834, dessen Maschine (Perrotine) für den Indienne- oder Kattundruck auch für den Tapetendruck vortrefflich geeignet sich zeigte und den Druck verschiedner Farben zu gleicher Zeit bewirkte. - Die Tapetenfabrikation erfolgte, wie aus Vorstehendem erhellt, lange Zeit auf höchst einfache Weise, indem zuerst mit breiten, weichen Pinseln auf das Papier eine Grunddeckfarbe (meist geringe Mineralfarbe mit Leim- oder Stärkekleisterwasser vermischt) aufgetragen, getrocknet und mit einer Form aus Holz, auf welche das Muster erhaben herausgestochen war (Model), mit einer abstechenden Farbe gedruckt wurde. Bei den bessern Tapetensorten, wo mehrere Farben und Schattierungen und mehrere Muster in sich anpassend hergestellt werden sollten, mußte für jeden Farbenton ein besonderes Model vorhanden sein. Diese Manufaktur ging außerordentlich langsam vorwärts, verteuerte sehr das Produkt und ließ demnach geschmackvolle Muster nicht herstellen. Als die Perrotine erfunden war und das Maschinenpapier in größeren Bändern auflaufen konnte, kam die Papiertapetenfabrikation erst in Aufschwung, denn jetzt konnten die Tapeten geschmackvoll, in großen Mengen und billig geliefert werden. Indem das Papier durch die Perrotine geht, wird es von einer mit Gravierung versehenen Walze zu andern, ebenfalls gravierten, Walzen gezogen und empfängt von jeder durch Rotation und Druck das betreffende Muster in gewisser Farbe aufgetragen, indem durch sinnreiche Vorrichtung eine fortwährende Einreibung und Übertragung der Farben auf die gravierten Cylinder und Wegnahme der überflüssigen Farbe stattfindet. Es können jetzt auf diese Weise zwei und auch zehn und mehr Farben aufgetragen, also Muster von einer reichen Farbenfülle (wie z. B. für Blumendessins, Landschaften, Genrebilder) hergestellt werden. Wie das 15 Ellen lange Papier einst ein großer Fortschritt und, dies zu erhalten, der eigentlichste Beweggrund zur Erfindung der Papiermaschine war, so haben Verbesserungen an der Perrotine und der Trocknungsapparat an derselben und noch manches andre es dahin gebracht, auch die P. ohne Ende darzustellen und die Länge nachträglich zu schneiden, sodaß eine störende oder zeitraubende Unterbrechung nicht oder nur selten vorkommt. Aus alter Zeit ist aus der Tapetenmacherei das Schablonieren der Stubenwände, anstatt der Aufklebung von Tapeten, übrig geblieben, als eine Tapetennachahmung. Der Verlauf der Fabrikation ist jetzt folgender: Das Papier befindet sich, in Rollen aufgezogen, vor der Tapetenmaschine, wird durch Walzen auf dieselbe gebracht und erhält durch eine Farbewalze die Grundierung, indem durch ineinanderlaufende, kreisende, runde Bürsten (drei bis fünf) die aufgetragene Farbe auf´s feinste verrieben und geteilt wird. Auf einer Hängemaschine (accrocheuse) wird das Papier über Walzen hinauf und herab geleitet und trocknet bei der hohen Temperatur des Lokals bis es bei der letzten Walze ankommt. Bei Glaceetapeten wird das grundierte Papier durch eine Satiniermaschine gehen gelassen, welche demselben schönen Glanz erteilt. Dann passiert das Papier die Perrotine mit den verschiednen gravierten und mit verschiednen Farbentönen versehenen Walzen so oft, als Farben sind, und erhält dadurch die künstlichsten Muster. Für geringe Tapetensorten wird gleich in Natur, d. h. im Papierstoff, gefärbtes Papier verwendet, um das Grundieren zu ersparen. Wenn das Papier die Perrotine verläßt, wird es jedesmal über die Hängemaschine als Trocknungsapparat geführt, um endlich abgenommen und in die verlangten Streifen geschnitten zu werden. - Die Farben selbst sind, wie schon erwähnt, Deckfarben und für die geringeren Tapetensorten nur Erdfarben. Sie erhalten einen Zusatz von Leim- oder Stärkewasser, damit sie nicht abfärben. Von Tapetensorten gibt es die Velour- (Samt-) Tapeten, welche dadurch dargestellt werden, daß auf das vorher mit dicker Leim- oder Bleiweißfirnislösung aufgetragene Muster fein gepulverter, farbiger Wollenstaub in einem klopfend bewegten Kasten sich auflegt und durch eine Walze festgedrückt wird. Nach dem Trockenwerden kann eine weitere Auftragung von Wollenstaub, meist in andrer Farbe, stattfinden, wodurch das samtartige immer vollkommener wird. Bei den mit Gold gehobenen Mustern wird ähnlich verfahren und das Gold eingepreßt. - Eine ganz eigentümliche Art von Tapeten versuchten 1842 Piette und Rudel, indem sie farbigen Papierstoff auf den naturgefärbten, noch flüssigen Stoff auf der Papiermaschine fließen ließen, wodurch verschiedne Streifen, Punkte u. dergl. Figuren sich bildeten, ähnlich wie dies