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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Patschuli; Pech

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Patschuli - Pech

pastinake oder gemeine P., in Europa und Nordamerika, der aromatisch riechenden, süßlichen und wohlschmeckenden Wurzeln wegen, aber nur lokal, kultiviert wird und zwar in mehreren Sorten, lange P., runde Zucker- oder Königs- und Jerseypastinake als die beliebtesten. In England und Holland werden P. am häufigsten als Gemüse genossen, bei uns mehr nur mit Möhren zusammen gekocht oder nur als Wurzelwerk zu Fleischbrühen benutzt. Man macht auch Liköre und eine Art von Wein aus P., aber ebenfalls nur im Ausland; häufiger ist die Verwendung als Futtermittel oder als Surrogat zu Brot. Für Deutschland spielt die P. keine bemerkenswerte Rolle. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2.

Patschuli (Patchoulikraut, herba Patchouli); ein starkes Parfüm, das, im allgemeinen an Moschus erinnernd, doch auch wieder eigentümlich erscheint. Dieser Geruch war bei uns viel früher bekannt, als die Pflanze, welche ihn liefert, da die aus Ostindien importierten Shawls ihn besaßen. Die Quelle dieses Geruchs war ein Geheimnis, um dessen Enthüllung sich französische Shawlfabrikanten lange bemühten; denn wenn sie auch die ostindischen Shawls ziemlich gut nachahmen konnten, so wußten sie ihren Fabrikaten doch nicht das charakteristische Parfüm zu geben, welches für die ostindischen gleichsam als Stempel der Echtheit diente. Nachdem jene Industriellen endlich hinter die Sache gekommen waren und das getrocknete Patschulikraut für ihren Gebrauch bezogen, wurde das Parfüm bald allgemeine Modesache.

Der Träger desselben ist eine rauhfilzige, lippenblütige Pflanze, ähnlich unserm Wiesensalbei. Sie wurde früher Plectranthus graveolens genannt, jetzt nennt man sie Pogostemon Patchouli; sie wächst als gemeines Unkraut in Ostindien und den zugehörigen Inseln. Die Franzosen sollen das Kraut von der Insel Bourbon beziehen. Nach England kommt dieses Kraut über Kalkutta, ist aber wegen seines penetranten, andre Waren schädigenden, Geruchs schwer in Ladung zu geben und nur dadurch teuer. Auf einem Theeschiff z. B. würde ein Ballen des Krautes die ganze Ladung sicher verderben. Dasselbe ist so ausgiebig an Geruch, daß mit einem Stengel viel geschafft werden kann. Die Liebhaber des Parfüms verwenden es in der Regel viel zu massenhaft und erregen damit Widerwillen.

Es kommt übrigens auch seit längerer Zeit schon ein falsches Patschulikraut unbekannter Abstammung in den Handel; die Blätter des echten sind eiförmig, in den langen Blattstiel verschmälert, am Rande mit gezahnten Ausbuchtungen versehen, fiedernervig und beiderseits behaart. Die unechte Ware besitzt fünf- bis siebenlappige Blätter mit herzförmiger Basis, langgestielt, beiderseits behaart; die Hauptnerven entspringen sämtlich an der Basis des Blattes. Die Blätter sind getrocknet, wie man sie erhält, auf der oberen Seite schwarzgrün, auf der unteren, infolge der stärkeren Behaarung, fast silbergrau, während die echte Ware gelbbräunlich, stellenweise gelbgrünlich erscheint.

Aus dem Kraute bereitet man hier auch ein ätherisches Öl, das Patschuliöl, das den Geruch des Krautes im höchsten Grade besitzt; es ist bräunlichgelb, linkspolarisierend und wird, in Alkohol gelöst, in geringer Menge Parfümerien zugesetzt. Der Preis des Patschuliöls ist in Leipzig jetzt 70 Mk. pro Kilo. - Zollfrei. Öl gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Pech (lat. pix; frz. poix; engl. pitch), Bezeichnung für verschiedne und in verschiednen Weisen gewonnene feste, braune bis schwarze harzige Produkte. Man unterscheidet folgende Sorten: das schwarze oder Schiffspech, auch Schusterpech; man bereitet es aus dem beim Teerschwelen (s. Teer) zuletzt erhaltenen dicksten schwarzen Teer, dem Schiffsteer, indem man ihn in offenen Kesseln so lange erhitzt und seine flüchtigen Bestandteile austreibt, bis eine herausgenommene Probe beim Erkalten feste Form annimmt. Man gießt die Masse noch warm in die zum Versenden bestimmten kleinen Fässer oder Kübel, aus welchen sie dann herauszuschlagen ist. Dieses P. stellt eine dunkelschwarzbraune, auf frischem Bruche stark glänzende Masse dar, die beim Daraufschlagen zerspringt, aber schon in der Wärme der Hand weich und sehr klebrig wird und auf warmem Wasser zerfließt. Es hat den Geruch des Holzteers. Sein Gebrauch ist auf Schiffen zum Kalfatern, Wasserdichtmachen von Segel- und Tauwerk, zu Kitten und Pflastern, zu Pechfackeln, zum Pichen des Schuhmacherdrahts, zum Auspichen geringer Holzgefäße. -

Ein Artikel von mehr Wert und Bedeutung ist das hellere, meist gelbbräunliche Faß- oder Brauerpech; es besteht aus Fichtenharz (s. d.), durch sorgfältiges Ausschmelzen gewonnen, und ist an Qualität je nach der Herkunft ziemlich verschieden, wohl meistens infolge der Bereitungsweise. Das beste Brauerpech aus reinem Fichtenharz kommt aus den Staatsforsten des sächsischen Voigtlandes und ist weit und breit gesucht, geht sogar bis nach Dänemark und dem Holzlande Schweden. Was an ähnlicher Ware in Böhmen, Thüringen, Tirol erzeugt wird, genügt den Anforderungen der Brauer viel weniger. Das voigtländische Produkt ist aber sehr teuer und sein Preis entsprechend der Nachfrage gestiegen; in der Zeit des nordamerikanischen Krieges, wo die Harzausfuhr von dort sehr ins Stocken geriet, ging der Preis sogar auf 60-66 Mk. pro Zentner. Man zieht außer der guten Ware (Kesselpech) durch Nachbearbeitung der rohen Harzstoffe noch eine zweite, nur ein Drittel so hoch gewertete, das Griefenpech. Zur Darstellung von weißerem Faßpech werden die harzigen Rohstoffe in Kesseln mit Wasser gekocht, bis das Terpentinöl ausgetrieben ist; das P. wird dann abgeschöpft und geläutert.

Im allgemeinen ist dies auch die Darstellungsweise aller Weiß- oder sog. Burgunderpeche. Das von den Bäumen gesammelte Rohharz (s. Fichtenharz) wird unter Zusatz von Wasser kürzere oder längere Zeit geschmolzen, wobei die Farbe heller wird, und dann durch Filtrieren gereinigt. Bei etwas stärkerer Hitze wird die Masse gelber und heißt dann auch wohl Gelbpech. Bei längerem Schmelzen bis zur Abtreibung alles Wassers entsteht dann Kolophonium (s. d.). Wird Terpentin, also