Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Perkal; Perlen

412

Perkal - Perlen

getaucht, nach dem Abtrocknen wie Glas und durchsichtig wird, daß es von Säuren gar nicht, von Kalilauge aber bis zur Auflösung angegriffen wird. -

Das P. wird jetzt in großen Quantitäten angefertigt und sind namentlich Ellwangen, Düsseldorf, Neuß a/Rh., Göttingen, Berlin, Köslin, Mühlberg in Baden, Helfenberg, Löbau in Sachsen, Wien, neben einer Anzahl vereinzelter Plätze, die Haupterzeugungsorte. -

Zum Schluß mag noch erwähnt sein, daß P., an den Enden unmittelbar nach der Darstellung zusammengelegt und mit einem Glasstabe gedrückt, fest zusammen hält. Gewöhnlich leimt man es jedoch mit dickem Tischlerleim, indem man den durch starken Branntwein erweichten Papierrand damit bestreicht und mittels Falzbein oder Glasstab fest zusammendrückt. -

Ein mit Holzessig imprägniertes P. zu Verbänden frischer Wunden ist von seinem Verfertiger Pergansept (also: Pergament und Antisept zusammengezogen!) genannt worden. Als neueste Art von P. ist das aus Sulfitcellulose bereitete Papier anzusehen, das ganz den Charakter des Pergaments besitzt und ja auch sehr verwandten Ursprungs ist, da sich die schweflige Säure zum Teil in Schwefelsäure bei der Operation verwandelt und Hydrocellulose bildet. - Zoll: s. Pergament.

Perkal ist ein ursprünglich ostindisches, feines, aber dichtes, weißes Baumwollgewebe nach Leinwandart, das dichteste von dorther kommende und dem europäischen Kambrik nahekommend, nur etwas feiner. Gegenwärtig sind nur noch europäische P. am Markte, da unsere Baumwollwebereien ihn ebenso gut und wohlfeiler liefern. Es kommen aber bei diesen dichten Webstoffen viele verschiedne Feinheitsgrade vor und man verwendet dazu Garne von Nr. 36-120. Die aus den stärkern Garnen 36-60 gewebten, zum Druck bestimmten P. sind einerlei mit Kaliko und werden Druckperkals genannt. Die feinsten hierher gehörigen Stoffe sind immer noch etwas dichter als Musselin und werden auch Batistmusselin genannt. Die Stoffe können glatt, karriert, gestreift, gefärbt und gedruckt sein. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 2 d 1-3.

Perlen (frz. perles; engl. pearls). Eine schon seit uralten Zeiten als Schmuckgegenstand hochgeschätzte und heute noch teure, im Range den Edelsteinen gleichgesetzte Ware, wenn auch in neuern Zeiten ihre Preise um Vieles gesunken sind. Im Altertum, besonders in Rom in seinen luxuriösen Zeiten, wurden für P. ganz enorme Preise gezahlt, und man begnügte sich nicht mit einzelnen oder wenigen, sondern trug sie haufenweise als Gehänge und Besatz an Kleidern, Schuhwerk, Pferdegeschirr, Wagen und Waffen. Man schrieb ihnen auch geheime Kräfte zu, wie es die Orientalen noch heute thun.

Die P. sind bekanntlich das Erzeugnis von See- und Flußmuscheln; sie bilden sich auf der Innenseite der Schalen, aber immer nur ausnahmsweise, sei es daß das Tier einen eingedrungenen fremden Körper, der es belästigt, mit Schalmasse überzieht, um ihm mehr Rundung und Glätte zu geben, oder daß ein Loch zu verschließen ist, welches ein Bohrwurm in die Schale gemacht hat, oder auch vielleicht infolge von krankhaften Zuständen der Muschel selbst. Immer ist der Bau derselben gleich dem der Schale ein geschichteter und sie wachsen durch Übereinanderlagerung sehr feiner Lamellen. Die Masse der P. ist dieselbe wie die der Schalen, und diese bestehen wie alle Muschelschalen, Schneckenhäuser u. dgl. aus nichts als gemeinem kohlensauren Kalk, mit tierischem Stoff durchdrungen. Es ist also nur die eigentümliche Farbe, der matte Glanz, die Form und Größe und die Seltenheit, wonach der Preis der P. sich bestimmt. -

Die Seegegenden der Alten Welt, wo Perlenfischerei getrieben wird, sind noch dieselben, aus denen schon die Völker des Altertums diese Luxusware bezogen, nämlich das Rote, das Persische und das Indische Meer. Die Perlmuschel lebt gesellschaftlich an einzelnen ihr zusagenden Punkten der tiefern Küstengewässer. Bei der tiefen Lage dieser Bänke können die Muscheln, die übrigens frei auf dem Grunde liegen, nur durch Taucher heraufgebracht werden. Ein Hauptfundort von P., der schon seit alten Zeiten ausgebeutet worden, ist die Westküste von Ceylon an den öden Gestaden zwischen dem achten und neunten Grad nördl. Breite. Ab und zu wegen Unergiebigkeit verlassen, ist die dortige Fischerei jetzt wieder in Gang gekommen. Der Hauptmarkt für die dortige Ausbeute ist Aripo, wo sich zur Zeit des Fanges ein großer Zusammenfluß von Menschen, eine Art Messe und Volksfest bildet.

Andre altbekannte Perlenbänke liegen diesen gegenüber am ostindischen Festland, bei Titicorin. Die englischen Obrigkeiten haben beiderseits ein Monopol auf die Fischerei gelegt und beanspruchen volle drei Viertel der Ausbeute; für den Fischer verbleibt daher für eine etwa zwanzigtägige Arbeit, welche in den Februar fällt, gewöhnlich nur ein Ertrag von etwa 180 Mk. Die Engländer behaupten gleichwohl, daß dieses Monopol nichts einbringe, da die Einnahmen von den Kosten der Überwachung und Pflege der Bänke völlig absorbiert würden. Auch an den Küsten der Suluinseln im indischen Archipel gibt es Perlenbänke, die aber wenig Perlen, dagegen sehr schöne Perlmutter liefern.

Die indischen Taucher begeben sich in Hunderten von Booten, jedes mit etwa 20 Mann Besatzung, an die ihnen angewiesenen Plätze und lassen sich an Seilen, die mit Steinen beschwert sind, in die Tiefe. Die Tauchzeit dauert selten länger als 60 Sekunden. Die 10 Taucher arbeiten so durch 5-6 Stunden abwechselnd ohne Unterlaß und bringen während dieser Zeit je nach Glücksfall 1000 bis 4000 Muscheln herauf. Der vierte Teil davon gehört den Fischern; der Rest wird am Lande in Losen von 1000 Stück sofort an die Meistbietenden, die zahlreich versammelten Händler, für Rechnung der Regierung versteigert. Es ist dies Geschäft für die Käufer ein reines Hazardspiel, denn von den erworbenen Muscheln enthalten nur die wenigsten auch wirklich P., und eine noch kleinere Anzahl solche von höherm Wert. Ansehen kann man ihnen den Inhalt von außen nicht, außer wenn einmal eine einzelne Muschel eine größere Anzahl von P. bei sich hat, denn dann sieht sie auch wohl von außen höckerig und schief aus. Man wirft sie