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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Perlen

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Perlen - Perlen

auf den Sand des Ufers hin, wo sie in der glühenden Sonne bald von selbst aufklaffen, aber auch eben so rasch in völlige Fäulnis übergehen. Dieser abscheulich riechende Schlamm wird nun von den Perlenhändlern und -Fischern emsig durchsucht und der Gehalt an P. durch Siebe verschiednen Kalibers sortiert.

Die P. finden sich in den verschiedensten Größen von dem Kaliber einer Kirsche bis zu dem eines Mohnkörnchens. Die größten sind natürlich Prachtstücke und große Seltenheiten. Größere Exemplare bis zu einem gewissen Kaliber herab werden einzeln verhandelt und heißen Stück- oder Zahlperlen; kleinere, die Lotperlen, werden zusammen nach Gewicht verkauft. Die kleinsten, mohnkorngroßen und sonst als Schmuckware nicht brauchbaren bilden einen Ausschuß, der bei den Engländern Saatperlen heißt. Diese haben immer noch einen gewissen Preis und werden an Indier, Chinesen etc. verkauft. In Indien brennt man daraus einen teuern Kalk, den die reichen Malaien beim Kauen von Betel und Arekanuß verwenden.

Der Form nach sind die ganz runden P. die am höchsten taxierten. Von der Kugelform abweichende, wenn sie nur eine regelmäßige Gestalt haben, können aber auch auf einer hohen Wertstufe stehen; die birn-, ei- und zwiebelförmigen namentlich sind sehr gesucht zu Ohrgehängen. Schiefe, höckerige und sonst unförmliche Exemplare heißen Barokperlen. Aus ihnen läßt sich zuweilen auch noch etwas Wertvolles aussuchen. -

Kropfperlen sind solche, die an der Innenseite der Muschelschalen selbst warzenartig festgewachsen waren, also höchstens nur einseitig, zum Besetzen dienen können. Ihr Wert ist daher auch entsprechend geringer. In der Färbung der P. kommen auch Abweichungen vor. Die Haupt- und Staatsfarbe ist immer das eigentümlich ins matte, durchscheinende Weiß mit silberigem Schimmer, das bald mehr ins Gelbliche, bald Bläuliche zieht. Andersfarbige, wenn sie rein gefärbt und gut von Gestalt sind, können aber auch hohe Preise erzielen, so namentlich schwarze, bleifarbige und Pink colour (Nelkenfarbe), fleckige dagegen sind natürlich von geringem Wert.

Die ostindischen P. kommen zum Teil schon durchbohrt zum Verkauf und heißen dann bei den Engländern Wittwen, die nicht gebohrten Jungfern. Die Ostindier verstehen sich auf das Bohren viel besser als die Europäer und stellen engere, geradere und reinere Bohrlöcher her. Die ostindischen P. haben vor allen andern den Vorzug, weil sie das schönste Wasser haben, wenn auch im gelblichen Ton; anderortige Erzeugnisse sind in der Regel matter an Glanz und fallen schwerer ins Gewicht. -

Im Persischen Golf haben sich die Perlenfischereien ihren alten Ruf bis in unsere Zeit erhalten und geben nicht geringe Ausbeute, trotzdem daß dort jedermann gegen eine Abgabe frei fischen darf. Natürlich haben aber auch dort die Taucher selbst von ihrer schweren Arbeit kaum den Unterhalt und sind in den Händen von Unternehmern und Kaufleuten. Es finden sich Muscheln fast längs der ganzen arabischen Küste wie an den verschiednen kleinen Inseln des Golfs. Die ausgedehnteste Fischerei findet statt auf einigen Bänken nahe der Insel Bahrein und wird von den Bewohnern dieser Insel, sowie denen der Inseln Arad und Kerak betrieben, die dafür dem Sultan von Maskat, dem Herrn dieser Inseln, einen großen Pacht zahlen müssen. Es sind dort 1600 Boote und 8000 Taucher in Thätigkeit; die Taucher arbeiten dort aber erst in den heißesten Monaten, Juli, August, September, weil außer dieser Zeit das tiefe Wasser zu kalt ist. Im Juni sind sie in den flachern Wässern der Küste. Der jährliche Ertrag der Insel Bahrein allein wird auf 200-250000 Pfd. St. geschätzt; aber auch die übrigen Fischereiplätze liefern ihr Produkt an diesen Haupthandelsplatz ab, auf dem die Kaufleute aus Indien, Persien, Arabien ihre Einkäufe machen. Man rechnet, daß im ganzen Persischen Golf 5000 Boote und 30000 Menschen mit Perlenfischen beschäftigt sind. -

Im Roten Meer ist der Hauptperlendistrikt das Inselmeer von Dahalak bei Abyssinien mit der gleichnamigen Hauptinsel. Es soll dort zweierlei Arten von Perlmuscheln geben. Der Perlenmarkt ist zu Dömöllo auf der Ostseite der großen Insel und der Handel wird hauptsächlich von indischen Kaufleuten (Banianen) betrieben. Der dortige Umsatz soll gegen 180000 Mk. jährlich betragen. -

In der Neuen Welt lebt die Perlenmuschel am östlichen wie am westlichen Gestade Mittelamerikas, im Stillen Meer nicht nur an der Westküste Mexikos, sondern noch weiter nach Kalifornien hinauf. Die nordmexikanischen Gewässer des Stillen Meeres, besonders das sog. Purpurmeer zwischen Kap Pichilingue und der Insel Cerara, ergeben, von indianischen Tauchern befischt, noch heute leidliche Erträge und Mexiko hat noch einige Perlenausfuhr, während die sonst reichen Bänke in den Bayen von Panama und Nicoya, im Karaibischen Meer um die berühmte Perleninsel S. Magarita und an der übrigen Küstenstrecke des ehemaligen Kolumbia schon unter der Herrschaft der Spanier so ausgebeutet worden sind, daß sie ihre Bedeutung verloren haben und verschiedne neuere Unternehmungen den erwarteten Erfolg nicht hatten. Die Spanier haben ungemeine Mengen, doch zuletzt nur noch ein Minimum von P. nach Europa gebracht; allerdings nahmen sie auch die überschwenglichen Vorräte mit, die sie schon im Besitz der Mexikaner vorfanden, welche ebenso große Perlenliebhaber waren wie irgend ein asiatisches Volk. -

Die jüngsten, erst seit wenigen Jahren entdeckten Fundorte von P. liegen an der Westküste von Australien. Es sind von dort schon recht wertvolle Stücke und besonders auch in schöner Perlmutter nach England gekommen. Im Jahre 1880 wurden schon für 2 Mill. Mk. P. von dort ausgeführt, darunter sehr große im Werte von 1000, 5000 und mehr Mark pro Stück. -

Die orientalischen P., von denen aber vieles im Orient verbleibt, kommen von Indien meistens direkt, vom Persischen und Roten Meer über Ägypten, die von den Westküsten Amerikas aus Mexiko, vom Karaibischen Meer über die Insel St. Thomas. -

Der Haupthandelsplatz für P. ist lange Zeit Amsterdam gewesen, aber in neuerer Zeit hat Paris die erste Stelle inne. In London,