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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Perlmutter; Perlweiß

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Perlmutter - Perlweiß

Nr. 33 c, gefaßt Nr. 20 a, nachgeahmte P. Nr. 20 c 2.

Perlmutter, (franz. nacre de perles; engl. mother of pearl). - Muscheln ohne Perlen sind deshalb noch kein wertloser Gegenstand und werden nicht weggeworfen, sondern geben die Perlmutter, das immer beliebte Material zur Herstellung und Ausschmückung einer Menge von Gebrauchs- und Luxusartikeln. Die Innenseite der Muschel, von gleicher Zusammensetzung und Masse wie die Perle, hat mit dieser in Farbe und Glanz auch Ähnlichkeit, aber doch keine völlige Gleichheit, da die Lamellen der Schale einen andern und meist mehr oder weniger geschlängelten Verlauf haben, wie es der verschieden gewundene Bau der Schale mit sich bringt. Sowohl hierdurch als auch durch die Übereinanderlagerung der äußerst dünnen durchscheinenden Blättchen, entsteht das der Schale eigene besondere Farbenspiel, das übrigens in der echten Muschel nicht so stark hervortritt wie in andern Arten von Großmuscheln, die deshalb ebenfalls fleißig aufgesucht werden, obschon sie niemals Perlen erzeugen.

Die sehr bunten regenbogenfarbigen heißen speziell Irismuscheln. Von letzteren sind die besten Sorten: Tahiti, groß und flach, sehr irisierend, ebenso Tiji, jedoch nur von mittlerer Größe, Neuseeländer, klein und rund, Manilla, sehr groß und flach, stark irisierend, und kalifornische, ebenfalls groß. Das Gebiet, wo Muscheln gesammelt werden können, erstreckt sich also weiter als die Fundorte von Perlen, und die Ware geht daher auch ihre eigenen Handelswege. Muscheln ohne Perlen finden sich auch in den chinesischen und südafrikanischen Gewässern. An den amerikanischen Küsten des Stillen Meeres scheint die Schale auch schon die Hauptware geworden zu sein; es werden große Mengen von dorther nach Europa gebracht. Im Roten Meer, wo der Perlendistrikt ein beschränkter ist, sammelt man überall Muscheln; an den Suluinseln des indischen Meeres, wo der Perlenertrag ebenfalls ein kleiner ist, kommt dagegen die größte und schönste aller Perlmuttersorten vor. Nahezu gleichstehend sind die Muscheln aus der Nähe der Philippinen. Dagegen sind gerade die perlenführenden Ceylonmuscheln öfter so klein, daß ihre Schalen keinen Wert haben. Diese verlangt man natürlich zur Verarbeitung möglichst groß und flach gebaut; sie kommen bis zu 20 cm Durchmesser vor.

Solche, sehr große und flache Handelssorten sind außer den bereits genannten noch: Macassar, Sidney, wenig irisierend, Auckland, etwas dunkel, Freemantee, sehr weiß, leicht erkennbar an ihrer abweichenden Form, Ägyptische, weiß. Weniger flach und etwas gelblich ist die Bombay, zugleich ziemlich kreisrund; kleine Sorten sind: La Paz, Nakar, stark gekrümmt, sehr bunt und Matzlan, letztere sehr dick. -

Die Perlmutterschalen haben, wenn ihre äußere braune Rinde beseitigt ist, dieselbe Beschaffenheit außen wie innen, und so auch durch die ganze Masse, namentlich wenn sie so beschaffen ist, daß sie gut in Blätter gespalten werden kann. Die Verarbeitung aus dem Groben geschieht gewöhnlich durch Zerteilen mit feinen Sägen unter Wasser, nach Umständen durch Spalten. Für die feine Ausarbeitung kommt hauptsächlich das Schleifen in Anwendung. Der Stoff dient bekanntlich zu eingelegten Arbeiten, zum Belegen feiner Messerhefte, zu Knöpfen und einer Unzahl andrer kleinerer Gebrauchs- und Galanterieartikel. Auswärts sind die Chinesen Meister in der Herstellung einer Menge Perlmuttersachen; sie wissen ihnen eine Vollendung zu geben, wie sie europäische Künstler nicht erreichen. In Jerusalem werden aus der P. des Roten Meers Mengen von Rosenkränzen, Kreuzen und andern Kultusartikeln gearbeitet. Sonst überall, wo irgend elegante Tischler-, Tabletterie-, Galanterie- u. dgl. Artikel hergestellt werden, wird man diesen eigentümlichen Verzierungsstoff nicht missen wollen, der denn auch über allen Modewechsel erhaben ist.

Die Schalen der deutschen Flußperlmuschel werden ganz ebenso wie die fremden verarbeitet, so weit sie rein genug an Masse und nicht porös ist. Zu Adorf im Voigtlande hat sich dafür eine hübsche, immer mehr aufblühende, Industrie gebildet, die allerdings nicht bei voigtländischen und bayrischen Muscheln stehen bleiben konnte, sondern, um den Artikeln mehr Mannigfaltigkeit und Eleganz zu verleihen, auch die schönsten fremden Muscheln mit verarbeitet. Es werden dort über 1½ Mill. Stück solcher Muscheln jährlich verbraucht, die über 1000 Menschen dort und in der Umgegend Arbeit geben. Die dortigen Waren haben auch auswärts, besonders in Rußland, England und Amerika, ihre Abnehmer. Das Warensortiment erweitert sich beständig. Man fertigt Portemonnais, Armbänder, Etuis mit Einrichtungen verschiedner Art, deren kleine Details wieder aus P. bestehen, Feuerzeuge, Kämme, Nähsteine, Briefbeschwerer, Aschenbecher, Tabaks- und andre Dosen, Uhrhalter, Flacons, Gürtelschnallen, Broschen und andern Schmuck, Manschettenknöpfe aller Art etc. Bei den feinsten Sachen treten Gold und Silber und Besetzung mit echten Elsterperlen hinzu. -

Es gibt bekanntlich auch eine schwarze oder vielmehr schwarz- oder rauchgraue P., die dabei aber doch ihren eigentümlichen Schimmer zeigt und besonders zu Rockknöpfen verwendet wird. Die naturelle derartige Masse kommt aus Chili; man hat aber gelernt, gewöhnliche Ware ganz ebenso künstlich zu färben und betreibt dies um so lieber, als dazu auch gelbliche und sonst farbenunreine Stücke verwendbar sind. Man tränkt zu dem Zweck die fertigen Knöpfe mit einer Lösung von Höllenstein in Salmiakgeist und setzt sie einige Tage dem hellen Tageslicht aus. -

Die rohen Perlmutterschalen werden in Fässern oder Kisten, oder auch lose im Schiffsunterraum liegend verschifft. In letzterer Art werden sie manchmal frachtfrei mitgenommen. -

In Hamburg wurden 1878 für 455256 Mk. Perlmutterschalen eingeführt. Natürliche rohe Perlmutterschalen sind zollfrei. Rohe bloß gespaltene Platten von natürlichem oder künstlichem P. Nr. 13 d des Tarifs im Anh. Geschliffene oder polierte Platten ebenso wie Perlmutterwaren Nr. 20 b 1, zu Gegenständen vorgearbeitete Stücke Nr. 20 b 1 Anm.

Perlweiß. Diesen Namen führen zwei Farben; einesteils ein Bleiweiß, dem man durch Zusatz von etwas Berlinerblau einen bläulichen Schein gegeben hat, andernteils das Wismutoxy-^[folgende Seite]