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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Phosphorbronze; Phosphorsalz; Phosphorsäure

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Phosphor - Phosphorsäure

suchte 1850 die Sache genauer und entdeckte, daß dieser rote Stoff nichts andres sei als der P. selbst, nur in andrer Form einer besondern Gruppierung seiner Teilchen und mit daraus hervorgehenden ganz neuen Eigenschaften, daß also hier ein Fall vorliege wie beispielsweise beim Kohlenstoff, den wir in den drei sehr verschiednen Zuständen von Kohle, Graphit und Diamant kennen. Es fand sich ferner, daß die Umwandlung, wie sie sich durch Licht langsam vollzieht, durch Hitze bei Abschluß der Luft rasch und mit größern Mengen bewirkt werde. Es ist dazu nur erforderlich, den gemeinen P. in einer geschloßnen, mit einem Sicherheitsrohr versehenen Retorte, nachdem daraus die atmosphärische Luft durch ein andres Gas, z. B. Kohlensäure, vertrieben worden, längere Zeit einer höhern Temperatur bis zu 250° C. auszusetzen. Die Umwandlung geschieht indes nicht so vollständig, daß nicht Reste von gewöhnlichem P. in der Masse verblieben, die deshalb noch entzündlich ist.

Wenn aber diese Reste durch Schwefelkohlenstoff aufgelöst und ausgezogen worden oder in andrer Weise entfernt worden sind, hat man den roten oder sog. amorphen P., der im Handel entweder in braunroten, harten, zerreiblichen, glanzlosen Stücken oder als scharlachrotes Pulver erscheint. Aber nicht allein die äußere Beschaffenheit, sondern auch die sonstigen Eigenschaffen ^[richtig: Eigenschaften] finden sich durch die Hitze so verändert, daß man einen ganz andern Stoff vor sich zu haben glaubt. Dichte und Schwere des roten P. betragen fast das Doppelte des gemeinen; er ist unlöslich in den Mitteln, die den gewöhnlichen P. lösen: er hält sich an freier Luft völlig unverändert und trocken, leuchtet auch nicht im Finstern; durch Reibung oder Stoß ist er nicht zu entzünden, bildet also eine Ware, die für den Transport ganz ungefährlich ist. Gegen Hitze ist er so wenig empfänglich, daß er erst bei 260°, wo seine Verdampfung beginnt, unter lebhaftem Funkensprühen verbrennt. Bei allen niedrigern Temperaturen findet keine Verdampfung, also auch kein Geruch statt.

Geschieht die Verdampfung in einem Destilliergefäße, so findet sich der Stoff als gemeiner P. in der Vorlage wieder. Merkwürdig ist auch, daß der rote P. durchaus nicht mehr giftig ist und ohne Gefahr darauf probiert werden kann. Man hoffte, daß daraus für die Arbeiter in den Zündholzfabriken, die so schweren Krankheiten ausgesetzt sind, ein Segen erwachsen werde, indem man den gefahrlosen Stoff völlig an Stelle des giftigen setzen würde. Es ist indes nicht dahin gekommen und der rote P. dient jetzt nur noch bei Darstellung derjenigen Zündhölzer, die sich nur auf der dazu präparierten Reibfläche entzünden, wie sie jetzt als schwedische von neuem aufgetreten sind und augenscheinlich mehr Glück machen als bei ihrem ersten Erscheinen als Antiphosphorhölzer. Der Verbrauch des roten P. ist daher im Zunehmen; seine Fabrikation geschieht besonders in England, wohin Prof. Schröter bald nachher seine Erfindung verkauft hatte, und zwar an die großartigste Phosphorfabrik von Albright und Wilson in Oldbury, von welcher auch der gewöhnliche P. größtenteils herstammt. Der rote P. erhält die Eigenschaft, durch Reibung entzündet zu werden, im höchsten Grade wieder, wenn er mit chlorsaurem Kali gemischt ist.

Der rote P. wird aber auch in großer Menge zur Bereitung von Jodphosphor verwendet, welcher wieder zur Fabrikation von Jodmethyl und Jodäthyl für die Teerfarbenindustrie benötigt wird; der gewöhnliche P. eignet sich hierzu wegen zu heftiger Einwirkung nicht gut. Die gesamte Phosphorproduktion liegt jetzt in den Händen einiger weniger englischen und französischen Fabrikanten, die ganz Europa mit ihrem Fabrikate versorgen, da die deutschen und österreichischen Phosphorfabriken sämtlich eingegangen sind. Die jährl. Produktion soll sich jetzt auf 24000 Ztr. belaufen, zu deren Erzeugung 300000 Ztr. Knochen gehören. - Zoll: P. und phosphorsaure Salze, sowie die genannten Phosphorpräparate sind zollfrei. Phosphorzündhölzer gem. Tarif Nr. 5 e.

Phosphorbronze (Phosphorbronce); ein seit einigen Jahren in Aufnahme gekommenes ausgezeichnetes Material zur Herstellung von Maschinenteilen, die eine besondre Härte und Festigkeit besitzen sollen, z. B. Achsenlager, Kolbenringe, Schrauben, Dampfschieber, Zahnräder, Druckwalzen etc. Die P. besteht aus Kupfer, Zinn und Phosphor. Je nach der Größe des Phosphorgehaltes sind die Eigenschaften verschieden; mit der Zunahme des Phosphorgehaltes wächst die Härte, nicht aber die Festigkeit; ebenso wächst die Dünnflüssigkeit im geschmolzenen Zustande mit dem Phosphorgehalte. Man kann die P. zäh, wie Schmiedeeisen, oder hart wie Stahl herstellen. An der Luft oxydiert sie sich viel schwieriger als Messing oder gewöhnliche Bronze. Eine am meisten gebräuchliche P. besteht aus 90 Kupfer, 9-9,5 Zinn und 0,5-0,75 Phosphor.

Die Darstellung der P. geschieht auf verschiedne Weise; man legt die Phosphorstangen in Kupfervitriollösung, damit sie sich mit einer Schicht Kupfer überziehen und beim Einwerfen in das schmelzende Kupfer nicht zu schnell verbrennen, was immerhin zum großen Teil geschieht, oder indem man das granulierte Kupfer mit phosphorsaurem Kalk, Kieselguhr und Kohle zusammenschmilzt, wobei der Phosphor aus dem phosphorsauren Kalk (Knochenasche) reduziert wird. In beiden Fällen setzt man dann das Zinn später zu; man stellt auch zuerst Phosphorzinn her und schmilzt dieses mit dem Kupfer zusammen. - Zoll s. Kupfer. Maschinenteile aus P. gem. Tarif Nr. 15 b 2 δ.

Phosphorsalz. Diesen Namen führt das phosphorsaure Natron-Ammoniak, ein Doppelsalz, welches außer phosphorsaurem Natron noch phosphorsaures Ammoniak enthält; es sind kleine, weiße, an der Luft leicht feucht werdende Kristalle; man benutzt das Salz nur in der Lötrohrchemie. - Zollfrei.

Phosphorsäure (Phosphorpentoxyd, acidum phosphoricum), eine Verbindung von Phosphor mit Sauerstoff im Verhältnis von 31 Gewichtsteilen des ersteren mit 40 Gewichtsteilen des letzteren. Diese P. läßt sich rasch erzeugen, wenn man die von einem Stückchen brennenden Phos-^[folgende Seite]