Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Poudrette; Preißelbeeren; Probiersteine

442

Poudrette - Probiersteine

in schwefelsaures verwandelt ist. Die Berechnung gründet sich dann auf die Menge der hierzu verbrauchten Schwefelsäure. -

Die Verwendungen von P. sind immer noch sehr bedeutend, wenn auch in einzelnen Zweigen die viel wohlfeilere Soda dafür eingetreten ist. Unentbehrlich ist sie zur Fabrikation des Kristallglases, dessen Farblosigkeit und Härte eben darin beruht, daß es ein Kaliglas ist, ferner zur Darstellung des Ätzkali, des gelben und roten Blutlaugensalzes (s. d.), des chromsauren Kalis, der Kalilauge, der weichen Kaliseife (Schmierseife), des Kaliwasserglases etc. -

Man kennt auch noch eine andre Verbindung des Kalis mit Kohlensäure, nämlich das doppelkohlensaure Kali (Kalium bicarbonat, Kalium dicarbonat, Kali bicarbonicum). Das einfach kohlensaure Kali ist nämlich fähig, noch einmal so viel Kohlensäure aufzunehmen, als es schon besitzt. Es entsteht dann ein andres, mild schmeckendes Salz, das sich an der Luft trocken erhält und schief säulenförmige, farblose Kristalle mit 9% Hydratwasser bildet. Durch Erhitzen des trocknen Salzes oder Kochen seiner Lösung wird die Hälfte der Kohlensäure ausgetrieben und damit das einfach kohlensaure Salz wieder hergestellt.

Dieses doppeltgesäuerte Salz wird erhalten durch Einleiten von Kohlensäure in reine konzentrierte Pottaschelösung. Durch die chemische Bindung des Gases wird Wärme erzeugt, daher das Gefäß kühl zu halten ist. Das neu gebildete Salz ist viel weniger löslich als die P., scheidet sich daher größtenteils in Kristallen aus. Ferner kann es erhalten werden durch mäßiges Erwärmen einer Pottaschelösung, der eine bestimmte Menge kohlensaures Ammoniak zugesetzt ist. Das letztere wird zersetzt, das Ammoniak entweicht und tritt seine ganze Kohlensäure an das Kali ab. Das Salz ist dem bekannten doppeltkohlensauren Natron völlig analog; als Kohlensäureträger für gasige Getränke wird auch immer nur das letztere, als das wohlfeilere, verwendet; doch wird auch das Kalisalz in Offizinen und Laboratorien, in letztern als Reagens wie zur Darstellung andrer sehr reiner Kalipräparate benutzt. - Zoll: P. (kohlensaures Kali) s. Tarif im Anh. Nr. 5 g. Vgl. den Artikel „Kali“.

Poudrette, ein Handels- oder Kunstdünger, geruchlos gemachte, getrocknete und gepulverte Menschenexkremente, vermischt mit trockenden ^[richtig: trocknenden] Substanzen (Erde, Torf, Kohlenpulver, Asche, Fleisch- und Kotabfall, Kehricht, Ziegelpulver etc.), zuerst in Paris als Handelsartikel dargestellt, auch deutscher oder künstlicher Guano genannt. Auch jetzt noch wird die P. am meisten, abgesehen von China, wo die Mischung von Exkrementen mit Ziegelpulver als Taffö verkauft wird, in Frankreich dargestellt und verbraucht, ebenso das in ähnlicher Weise aus Harn gewonnene Urat. -

Die P. bildet eine dunkelschwarze pulverförmige Masse von großer Hygroskopizität und ist deshalb vorzüglich geeignet für Sandboden; sie kann zu jeder Pflanze und sowohl zur Saat, wie während des Wachstums verwendet werden, da sie den Wurzeln nicht schadet. Wie bei allen Kunstdüngern muß der Fabrikant den Gehalt an den wichtigern Bestandteilen, Phosphorsäure (bis zu 8%) und Stickstoff (3-5%), garantieren. Die meiste Anwendung von P. und Uraten machen die Gärtner; 1 hl P. wiegt 67 kg; man verwendet auf 1 ha etwa 20-30 hl bei Ackerland und 20 hl bei Wiesen. Der Zentner kostet etwa 3-4 Mark. Das Urat ist reicher an Stickstoff (bis 10%) und an Phosphorsäure (bis 12%). - Zollfrei.

Preißelbeeren, mit vielfachen Lokalnamen vorkommende Pflanzengattung aus der Familie der Heidelbeerengewächse, Vaccinium vitis idaea L., engl. Myrtle whort leberry, Bilberry, frz. myrtile, raisin des bois, raisin d'ours, holl. vassenbezie, in Ost-, Mittel- und Nordeuropa, Nordasien und dem arktischen Meere in trocknem Sand-, Heide-, Moorboden, in sonniger Lage oder in lichter Beschattung in Nadelwäldern, auf baumlosen Heiden etc. in großen Mengen vorkommendes Beerenobst, immergrün, mit kugelrunden, scharlachroten Beeren, welche, eingemacht in Zucker und Essig als besonders in Norddeutschland überaus beliebte Zuthat zu Fleischspeisen einen sehr bedeutenden Handelsartikel bilden.

Das Sammeln der Früchte geschieht wie bei Heidelbeeren (s. d.) durch Kinder und Frauen zu ungefähr gleichen Preisen. Die eingemachten Früchte werden in Fässern versendet, bedürfen aber zum Gebrauch für die Tafel noch Zuckerzusatz; man macht die P. an den Erzeugungsorten (die mitteldeutschen Gebirgsgegenden) oder in deren Nähe oder in größern Fabriken in unsern Großstädten ein und verkauft sie an Krämer, Delikatessenhandlungen, Gastwirte und Private. Nach England findet bedeutende Ausfuhr statt. Die P. werden auch zu Branntwein, Preißelbeerenwasser, verarbeitet. Eingemachte P. mit Zucker kosten pro kg bis 50 Pf. Vgl. Obst. - Frische P. sind zollfrei, mit Zucker eingekochte gemäß Tarif Nr. 25 p 1.

Probiersteine; es sind dies schwarze harte und glattgeschliffene Gesteine, welche zum ungefähren Probieren goldner und silberner Gegenstände mittels Probiernadeln dienen. Gewöhnlich benutzt man hierzu eine Art schwarzen, öfter mit weißen Adern durchzognen Quarz, den sog. lydischen Stein oder Lydit, der in Lagern im Thonschiefer vorkommt und in Steiermark, Thüringen, Hessen, Schlesien etc. gefunden wird. Seltner hierzu benutzte Steine sind schwarzer Basalt und ebensolcher Jaspis. Das schwarze, gebrannte englische Wedgwood ist ebenfalls gut brauchbar und wird in England häufig benutzt.

Bei der Untersuchung wird mit dem zu prüfenden Metalle ein Strich gemacht und daneben andre mit verschiednen Nadeln von bestimmtem Goldgehalte, bis man diejenige findet, deren Strich die gleiche Farbe wie der erste hat. Zur weitern Prüfung setzt man auf den ersten Strich auch einen Tropfen Salpetersäure, um zu sehen, ob vielleicht eine ganz goldlose gelbe Legierung vorliegt, in welchem Falle der Strich ganz verzehrt werden würde. Indes verschwindet bei ganz goldarmen Legierungen das Gold auch, indem es mechanisch mit fortgenommen wird. Aus