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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Quark; Quassia; Quebracho; Queckenwurzel; Quecksilber

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Quark - Quecksilber

Q.

Quark (Quarg, Zwark, Matz, Topfen, Bruch, Matten) ist die frisch gefällte geronnene Käsemasse der Milch (s. d.), welche in manchen Gegenden auf Wochenmärkten verkauft wird, um, angemacht mit Salz, Milch, etwas feingehackten Zwiebeln und Kümmel, auf Brot oder, mit Zucker und Gewürzen, auf Kuchen genossen zu werden. Vgl. „Milch“.

Quassia (Quassienholz, Bitterholz, lignum Quassiae), ein Artikel des Droguenhandels, kommt in zwei verschiednen Sorten, als Surinam- und Jamaikaquassiaholz zu uns. Beide stammen von verschiednen Bäumen, die aber zu ein und derselben Familie, den Simarubeen, gehören, und auch ein und denselben Bitterstoff enthalten, das am reinsten schmeckende Pflanzenbitter, das sich auch isoliert darstellen läßt und dann Quassiin heißt. Es bildet weiße, außerordentlich bittere, kristallinische Körner, die im Wasser schwer, in starkem Weingeist leicht löslich sind und beim Erwärmen wie ein Harz schmelzen, übrigens weder den Charakter einer Säure noch eines Alkaloids zeigen.

Für medizinische Zwecke soll nur das Surinamquassiaholz verwendet werden, es stammt von Quassia amara (L.) und wächst in Surinam, dem holländischen Teil von Guiana, und sein Holz bringen daher die Holländer in den Handel. Man hat den Baum jedoch jetzt auch in Westindien und Brasilien angebaut. Es kommt in den Handel in Form fingerdicker langer Stöcke bis armstarker Knüppel, öfter noch teilweise bedeckt mit der locker anhängenden, sehr dünnen zerbrechlichen, schmutzig grauen und schwarzfleckigen Rinde. Das Holz ist geruchlos, gelblich, dicht und fast ohne Poren, mit sehr feinen Markstrahlen.

Das Quassienholz von Jamaika kommt von dem viel großartiger sich entwickelnden schlanken Waldbaume Picrasma excelsa (Quassia excelsa), erscheint in Form 9-14 dm langer, bis 2 dm dicker Scheite, die mit einer fest anhängenden, dicken braunschwarzen Rinde bedeckt sind. Das gelbliche Holz ist sehr leicht und weich, großporig, aus hellern und dunklern Schichten bestehend, mit breiten Markstrahlen. An Bitterstoff besitzt diese Sorte etwas weniger als die andre, daher der Geschmack nicht so intensiv bitter ist; dagegen ist ein Gehalt an Gerbstoff vorhanden, der jener fehlt. Mit einer Eisenlösung versetzt, bleibt daher ein Auszug des echten Holzes ungetrübt, während sie in dem des andern einen blaugrauen flockigen Niederschlag bewirkt.

Das Surinamholz wird in den Apotheken klein geschnitten und als bitterer Thee verwendet, das wässerige Extrakt (extractum quassiae) daraus als ein bitteres Magenmittel gebraucht. Ein andrer bekannter Gebrauch, der sich natürlich an die wohlfeilere Jamaikaware hält, ist der zu Fliegengift in Form von Absund und Fliegenpapier. Das Holz ist käuflich in ganzen Stücken sowie geraspelt und auf Maschinen in kleine Würfel geschnitten. Bei geraspelter Ware zweiter Qualität von Jamaikaholz sind die Rindenstücke mit eingearbeitet; die Rinde ist indes ebenso bitterstoffhaltig als das Holz. - Zollfrei.

Quebracho; unter diesem Namen kommen seit einigen Jahren sowohl das Holz, als auch die Rinde eines in Brasilien heimischen Baumes, Aspidospermum quebracho, in den Handel. Das zerkleinerte Holz wird als sehr gerbsäurereiches Material zur Bereitung von Leder verwendet, die Rinde (cortex quebracho) als Mittel gegen Fieber und Atmungsbeschwerden. Die Rinde soll ein Alkaloid, das Aspidospermin, enthalten. - Zoll: Quebrachorinde und Quebrachoholz in ganzen Stücken gem. Tarif im Anh. Nr. 5 i. Gemahlenes oder auf andre Weise zerkleinertes Holz, nicht ausgelaugt, Nr. 13 b des Tarifs.

Queckenwurzel (radix graminis, rhizoma graminis). Die ausdauernden, strohhalmdicken, knotig gegliederten, unterirdischen Ausläufer des bekannten, besonders in sandigen Feldern, auch sonst überall an Wegen und Zäunen wuchernden und schwer vertilgbaren Queckengrases (Agropyrum repens). Sie werden im Frühjahr und Herbst bei der Ackerbestellung ausgerissen, gelesen und von den an den Knoten sitzenden Scheiden, Wurzelfasern und Halmen befreit, gewaschen, getrocknet und gewöhnlich auf der Futterschneide zerkleinert zum Verkauf gebracht. Der Querschnitt zeigt eine hohle Markröhre, die Rinde ist dicker als der Holzkörper. Die Wurzel enthält einen kristallisierbaren Zucker, Gummi und Schleim, Stärkemehl und Eiweiß, schmeckt daher beim Kauen süßlich und schleimig, und wird als Thee medizinisch verwendet, ebenso auch das Extrakt daraus (Extraktum graminis). - Zollfrei. Alkoholhaltiger Extrakt gem. Tarif Nr. 5 a.

Quecksilber (frz. mercure; engl. mercury, quick-silver). Der Name bedeutet lebendiges Silber, ganz wie das lateinische Argentum vivum; nach dem Griechischen heißt es Hydrargyrum, Wassersilber, und die alten Adepten nannten es Mercurius, indem sie es mit dem am raschesten kreisenden Planeten unsres Systems in Beziehung brachten. Es spiegelt sich in allen diesen Namen die auffälligste Eigenschaft, Dünnflüssigkeit bei gewöhnlicher Temperatur, wieder, mit der es unter den Metallen allein dasteht. Das Q. erstarrt erst bei minus 39,5° C. und wird dann zinnartig fest und kristallinisch. Das Q. war schon in sehr frühen Zeiten bekannt und wie es scheint zum Vergolden und bei der Abscheidung von Gold aus andern Stoffen benutzt. Man wußte auch, daß es im Zinnober enthalten sei und verstand es abzutreiben. Der Zinnober selbst war als Malerfarbe und bei der römischen Frauenwelt auch als Schminke ein viel gebrauchter Artikel. Die spanischen Zinnobergruben sind nach alten Schriftstellern den Griechen schon 700 Jahre vor Christo bekannt