Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rak; Ramaß-Eisen; Rapfe; Rapontica; Raps; Ratafia

451

Rak - Ratafia

naceti) ist 60 Mk. für das Kilo. - Zollfrei. Rainfarnöl gem. Tarif Nr. 5 a.

Rak oder Rack ist soviel wie Arrak, eine Benennung, welche in Ostindien gebrannten Getränken jeder Art gegeben wird. Vielleicht damit zusammenhängend ist der Name Raki, der in der Türkei und überhaupt bei den Mohammedanern ebenfalls alle Arten Branntweine und Liköre bezeichnet und auch in Slavonien und Illyrien gebräuchlich ist, und zwar dort für Pflaumenbranntwein. - Zoll s. Tarif Nr. 25 b.

Ramaß-Eisen, frz. fer de ramasse, engl. scrap iron, pagotted iron, ist ein Stabeisen, welches aus altem Schweißeisen und Abfällen davon, selbst alten Nägeln, Drehspänen, Lochputzen, hergestellt wird. Man ordnet die Stücke passend in Packete, welche mit Draht und Bandeisen gebunden werden, an, bringt diese in den Schweißofen und streckt sie unter dem Dampfhammer und unter Walzen aus. R. zeichnet sich meist durch größere Zähigkeit aus und wird deshalb gern zu Radreifen, Hemmschuhen, Ackerwerkzeugen u. dgl. verwendet. - Verzollung: Tarif Nr. 6 b.

Rapfe (Schind, Aspius rapax Ag, Cyprinus aspius L.), Fischgattung aus der Familie der Karpfen, bis ½ m lang und bis 6 kg schwer, in größern Flüssen Mitteleuropas. - Vgl. Fische.

Rapontica (Stabwurzel und Gartenrapunzel, Oenothera biennis L.), Pflanzengattung aus der Familie der Önotheren oder Nachtkerzen, kultiviert wegen der als Salat, zu Gemüse und zu Suppen verwendeten Wurzeln, gehört zu den Gewächsen der Handelsgärtner und wird nur lokal gehandelt.

Raps (Kohlraps, Reps, Lewat, Kohlsaat, Colza, Ölraps) und Rübsen mit den Varietäten Biewitz und Awehl, sehr wichtige Ölpflanzen aus der Familie Brassica, Kohl, in der Hauptgruppe Br. napus oleifera, der Raps, engl. rape, frz. navette, holl. raapzaad, und Br. rapa oleifera, der Rübsen (Rübenraps, Rübsamen), zu welchem der Awehl (Awal, Awäl, Aveel, Br. rapa oleifera annua und biennis) und der Biewitz gehören, sämtlich ein- und zweijährig, Sommer- und Winterpflanzen und ausgezeichnet durch gelbe Blüten und lange schmale Schoten mit schwarzen oder braunen kleinen, runden, fast ganz glatten, ölreichen Samen, welche am größten beim eigentlichen R. sind.

Man baut diesen mit verschiednen Sorten in ganz Mittel- bis Nordeuropa, im nördlichen Ungarn, in Rußland etc. auf kräftigem gutem Boden und in sehr starker Düngung als erste Frucht, oft noch nach Brache, stets aber nur nach bester Bodenbearbeitung, meist in Reihen und nur mit sorgsamster Pflege. Das Rapsöl hat durch Gas und Petroleum als Beleuchtungsartikel wesentlich verloren, der großartige und stets zunehmende Verbrauch für Maschinen als Schmieröl gleicht jedoch das wieder aus, sodaß es nicht an Absatz fehlt; auch die Preise sind nicht wesentlich zurückgegangen, wohl aber ist der Anbau in manchen Gegenden beschränkt worden, weil man die Brache abgeschafft hat und ohne solche die erforderliche Bestellung dadurch zu kostspielig und umständlich wird oder weil der Ertrag durch zahlreiche Feinde und nachteilige Witterung zu leicht gefährdet ist. -

Der Same ist etwa drei Jahre keimfähig; man braucht zu Drillsaat pro ha etwa 0,15, zu Breitsaat 0,2 bis 0,3 hl Saatgut und erntet 12-15 hl, selten bis 25 hl; 1 hl wiegt 65-70 kg, am schwersten der Winterraps, am leichtesten der Sommerrübsen. 100 kg R. sollen 36-40 kg Öl geben. Das Stroh, 30-40 Ztr., hat nur Streuwert, die ölreichen Schoten (Kappen) sind Futtermittel. Der R. erschöpft den Boden sehr stark, wenn kein Ersatz für die entzognen Nährkräfte stattfindet (s. Ölkuchen); er bildet aber eine vortreffliche Vorfrucht für Getreide. Der Rübsen trägt ¼-⅕ weniger, Awehl und Biewitz stehen im Ertrag zwischen beiden und übertreffen sie durch Widerstandsfähigkeit gegen die Witterung. Hausner rechnete für die Hauptländer in Europa etwas über 6 Mill. hl als Jahresergebnis; Deutschland erzielte 1880 auf 180000 ha 4,5 Mill. Ztr. und zeigte eine steigende Mehreinfuhr von 1,5 bis 2 Mill. Ztr. und darüber zum Geldwert von 13 bis 18 Mk. und mehr. Zwischen 1848 und 1878 schwankten die Preise für einen Zentner R. zwischen 10 und 20 Mk. Bestes Saatgut kostet bis 30 Mk. -

R. und Rübsen leiden durch naßkalte, schneelose, harte Winter, durch Nässe zur Vegetationszeit und in der Ernte, durch stürmisches Wetter, Platzregen etc., durch eine sehr große Zahl von Raupen und Käfern, durch Schnecken, Blattläuse, Weißlinge, Gallmücken, Zünsler, Blattwespen, Erdflöhe, Saateulen, Maikäfer, Goldkäfer, Glanzkäfer etc., durch Vögel (Tauben) und durch eine Anzahl von Krankheiten, zum Teil durch Pilze veranlaßt. -

Der Samen muß sehr gut behandelt werden; man muß vor der vollen Reife ernten, da die Schoten leicht aufspringen und den Samen entleeren; es wird deshalb auch meistens bei Nacht oder doch im Morgenthau eingefahren, oder, jetzt allgemeiner, gleich auf dem Felde durch Maschinen gedroschen. Bei der Aufbewahrung muß der R. so dünn als möglich aufgeschüttet und fleißig gewendet werden, da er leicht mulstrig wird; auf dem Felde wächst er bei Nässe leicht aus. Guter R. muß dunkelschwarz, glänzend, gleichmäßig, frei von verletzten Körnern sein, nicht rot oder rötlich aussehen; 1 hl muß mindestens 66,5 kg wiegen, 1 kg 201776 Körner haben. Die Reinheit der Ware ist in der Regel gut, die Keimfähigkeit dauert nur bis Mitte des dritten Jahres. Gehandelt wird der R. jetzt allgemein nach 1000 kg; die Abnehmer sind die Ölmüller; man verwendet am besten den R. möglichst rasch nach der Ernte; er verliert durch das Trocknen bedeutend an Gewicht und Umfang. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 9 e.

Ratafia heißen die feinen Branntweine, welche mit Säften frisch ausgepreßter Obst- und Beerenfrüchte versetzt, mit Gewürzen aromatisiert und mit Zucker gesüßt sind. Es sind hiervon natürlich zahlreiche Varietäten möglich. Die besten derartigen Fabrikate werden zu Montpellier in Frankreich bereitet, dann zu Nancy und Paris. Grenoble hat als Spezialität seinen berühmten Kirschratafia; es befinden sich dort bedeutende