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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rotholz; Rubin

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Rotholz - Rubin

dern diese wird gepulvert, geschlämmt, und mit einem Bindemittel zu steifem Teig angemacht, aus welchem die Stengel geformt und getrocknet und dann gefaßt werden. Bloßer Rötel gibt die geringe Sorte solcher Stifte, während zu den feinern, die ein feuriges Rot haben, mehr oder weniger Zinnober hinzugenommen wird. - Zoll: R. roh in Stücken, auch geschnitten, ohne anderweite Zubereitung, zollfrei. Rotstifte, ungefaßte oder in Papier, Holz oder Rohr gefaßte gem. Tarif Nr. 5 a.

Rotholz. Unter diesem Allgemeinnamen kommen verschiedne, einen roten Farbstoff enthaltende Holzarten in den Handel, die von Bäumen aus der nur in den Tropen heimischen Familie der Cäsalpineen abstammen. Andre rote Stammhölzer, wie z. B. Kampescheholz (Blauholz), Santelholz, Caliaturholz, rechnet man jedoch nicht mit zu den Rothölzern.

Man hat südamerikanisches, westindisches und ostindisches R.; die gewöhnlichen Handelssorten sind folgende: Fernambukrotholz (Pernambucoholz, Brasilienholz, lat. lignum fernambuci, frz. bois de Brésil; engl. Brazil-wood); das Kernholz von Caesalpinia echinata; es wurde früher aus dem Hafen von Pernambuco in Brasilien ausgeführt, woher es seinen Namen erhalten hat, kommt jetzt wenig noch in den Handel und wird daher nur selten als Farbholz verwendet; man benutzt es, da es sehr politurfähig ist, als feines Tischlerholz und zu Violinbögen. Man erhält diese Sorte in arm- bis schenkeldicken Stücken von ungefähr 1¼ m Länge und faseriger Textur. Nicht selten werden andre Rotholzarten ebenfalls unter dem Namen Fernambukholz verkauft, da dieses als die beste Sorte gilt; es ist dies namentlich mit dem Bahiarotholz der Fall. Der Grund, warum das Fernambukholz jetzt nur noch so selten in den Handel kommt, liegt darin, daß man die Bäume in früherer Zeit in ganz unverantwortlicher Weise weggeschlagen hat, ohne für Nachwuchs zu sorgen.

Für Färbereizwecke werden jetzt hauptsächlich St. Martharotholz, Mazatlanrotholz, Nicaragua- und Costaricarotholz verwendet. Das St. Martharotholz (Martinsholz, Stockfischholz, Pfirsichholz), von der gleichnamigen Insel, soll von Caesalpinia brasiliensis abstammen; es ist schön rot, reich an Farbstoff, im Splint hellgelb; die Scheite sind an dem einem Ende rund, am andern abgesägt; auf dem Querschnitte erkennt man hellere, radiale Streifen. Die von den jüngern Ästen herrührenden Stücke führen den Namen Brasiletto; nach andren Angaben jedoch versteht man unter diesem Namen mehrere aus Cuba, Jamaika und den Bahamainseln kommende Arten von R. von nur geringem Werte; es sind dünne Stücke von bräunlichgelber Farbe; sie sollen von Caesalpinia vesicaria und C. crista abstammen.

Das Nicaraguarotholz ist dem St. Marthaholz sehr ähnlich und stammt vielleicht von demselben Baume; die Scheite sind meist etwas gedreht und noch von hellem Splinte bedeckt. Das Mazatlan-Lima-R. ist ebenfalls sehr beliebt, es hat oft lange Spalten, die einen grauen Überzug zeigen; frisch geschnitten ist es gelblich, wird aber an der Luft rot. Costaricarotholz, aus der gleichnamigen Republik, ist ebenfalls eine gesuchte Sorte. -

Unter den ostindischen Rothölzern ist das wichtigste das Sapanrotholz, von welchem man wieder Siam-Sapan und Bimas-Sapan unterscheidet; ersteres ist lebhaft gelbrot, ohne Splint, letzteres hellrot, später nachdunkelnd und besitzt noch den Splint. Beide Sorten sollen von Caesalpinia Sapan abstammen. Andre geringwertige Sorten sind Padang-Sapan und Java-Sapan. -

Das R. wird erst hier geraspelt und fermentiert, wodurch die Farbe lebhafter wird. Man verwendet es, ebenso auch wie das daraus dargestellte Rotholzextrakt, in der Färberei und zur Herstellung roter Farblacke. Der Farbstoff des Rotholzes, das Brasileïn, ist nur zum Teil fertig gebildet in dem Holze, ein andrer Teil findet sich nur als Chromogen darin und wird Brasilin genannt; aus diesem bildet sich nach und nach erst das Brasileïn durch Einwirkung der Luft. - Die Einfuhr von R. im deutschen Reiche belief sich 1877 auf 130230 Ztr., 1878 auf 147671 Ztr. - R. in Blöcken und zerkleinert, zollfrei. Rotholzextrakt gem. Tarif im Anh. Nr. 5 e.

Rubin (frz. rubis; engl. ruby), eine Benennung, die früher allen roten Edel- und Schmuck-Steinen ohne Unterschied beigelegt wurde und noch jetzt für mehrerlei Steine gebraucht wird; der eigentliche und echte orientalische R. ist einer der kostbarsten Steine, der im Wert dem Diamant nahe steht und ihn bei hochfeiner Qualität übertreffen kann. Der Stein gehört zur Klasse der Korunde, Mineralien, die bloß aus reiner kristallisierter Thonerde (Aluminiumoxyd) bestehen und durch einen kleinen Gehalt von Metalloxyden verschiedentlich gefärbt sind.

Vom Saphir unterscheidet sich der R. lediglich durch die Farbe; der eine ist rot, der andre ist blau. Die roten Steine sind aber weit seltener als die blauen; ihre Fundorte sind wenige; am meisten und zugleich am schönsten finden sie sich im Königreiche Birma in Hinderindien, außerdem auf Ceylon; sie werden dort immer aus Schuttland gegraben. Die Farbe des R. ist ein schönes, sehr feuriges Karminrot; viele sind indes blässer. Am meisten geschätzt ist der Farbenton, den die Juweliere Taubenblut nennen, ein reines tiefes und reiches Rot, ohne Beimischung von Blau oder Gelb. Die von Ceylon haben eine zu stark bläuliche Nüance; man verschönert sie aber, nachdem sie geschliffen und poliert sind, dadurch, daß man sie in feuchten, fein gesiebten Thonmergel einsetzt und in dieser Umhüllung ½ Stunde in einem Eisengefäß bis zur Weißglut erhitzt, wodurch der Blauton vollständig verschwindet und das reine Rot hervortritt.

Eine volkstümliche Benennung des R. ist Karfunkel, eine Ableitung von dem lateinischen Namen carbunculus, glühendes Köhlchen, welchen die Alten dem Steine beigelegt hatten. Der R. ist härter als jeder andre Stein mit Ausnahme des Diamantes, doch wie dieser leicht zerbrechlich, vor dem Lötrohr unschmelzbar. Orientalische R. von 10 Karat sind äußerst selten und teuer. Kleine, in Indien geschliffene Steine, wie sie z. B. als Zapfenlager in Taschenuhren dienen, sind immer