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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rüböl

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Rüböl - Rüböl

zu haben und gelten nach Qualität 15-60 Mk. das Karat; solche von 2, 3, 4 Karat, wenn sie besonders schön sind, haben einen gleichen und selbst höhern Preis wie Diamanten von gleichem Gewicht und sind auch seltener als solche. Geschnitten werden die R. in Brillant-, Rosetten- und Treppenschnittform und à jour gefaßt, wenn die Farbe hierzu gesättigt genug ist. Die meisten bedürfen jedoch der Folie, einer Unterlage von hochpoliertem Goldblech. Rubinähnliche, aber dem echten R. nicht gleichkommende Steine sind der Spinellrubin und Balasrubin (s. Spinell). Geringe rote Steine, welche möglicherweise für R. ausgegeben werden können, sind Granaten, Hyacinthe, rote Turmaline, durch Glühen rot gewordene Topase. Was man brasilianischen R. nennt, ist natürlicher roter Topas. Alle solche sog. R. erreichen den echten weder in Ton und Feuer der Farbe, noch in der Härte.

Künstliche R., nämlich so gefärbte Glasflüsse, werden in der Farbe fast so schön wie echte hergestellt, sind aber natürlich durch die Feile oder Anritzen mit Diamant sogleich in ihrer wahren Natur zu erkennen. Solche Nachahmungen werden nebst andern Glasgalanteriewaren häufig in Böhmen gemacht und geschliffen, auch in Venedig, Paris, Amsterdam. Es ist das Gold, welches hier einem feinen weißen Glassatze die schön rote Farbe erteilt. Früher nahm man dazu den Cassius'schen Goldpurpur (s. Art. Gold am Schluß), der noch in der Glas- und Porzellanmalerei gebraucht wird, während man zur Dartellung ^[richtig: Darstellung] des roten Glases jetzt eine Goldauflösung in Königswasser (Goldchlorid) benutzt, mit welcher man den zum Glassatz dienenden Quarzsand befeuchtet. Für geringere Rubingläser, namentlich für die überfangenen Glasgeschirre (s. Glas) dient als viel wohlfeileres Färbungsmittel das Kupferoxydul, in Form von Kupferschlacken und Hammerschlag. - Zoll s. Edelsteine.

Rüböl. (Vgl. Raps). Die beiden wichtigsten Ölpflanzen Mitteleuropas, Raps und Rübsen, liefern fette, nicht trocknende Öle, die einander sehr ähnlich oder fast gleich sind und daher ohne Unterschied als Rüböl in den Handel kommen. Das Öl der beiderlei Samen bildet einen bedeutenden Handelsartikel. Das Öl aus Winterfrucht ist dickflüssiger, als das andre und erstarrt schon bei 7½° Wärme, das dünne Öl der Sommerfrucht erst bei 10° Kälte.

Die R. geben nach Qualität 27-30% Öl. Die Gewinnung desselben geschieht, nachdem die Samen auf Stampf- oder Walzwerken und zwischen Mühlsteinen gepulvert und in Öfen oder Trommeln erwärmt wurden, durch Schlagen auf Keilpressen oder neuerdings durch hydraulische Pressen. Ein reineres Öl wird durch Ausziehen des Pulvers mittels Schwefelkohlenstoff oder Benzin und nachgehends Wiederabdestillieren desselben gewonnen. Statt rückständiger Ölkuchen verbleibt bei diesem Verfahren die Hülse in Pulverform; sie dient aber ebenso gut als Viehfutter wie jene. Die Bearbeitung in den Pressen ist gewöhnlich eine doppelte, indem man die ersten Ölkuchen nochmals zerkleinert und noch eine Quantität dunklen unreinen Öls abpreßt. Das rohe gepreßte Öl führt aus den Samen eine Menge Schleim und Pflanzeneiweiß mit sich, die es zum Brennen untauglich machen und nur die Verwendung zu wohlfeilen Seifen zulassen.

Zu gutem Brennöl wird es erst durch das Raffinieren, was die Sache besondrer Anstalten ist, die das Rohöl häufig noch vom Auslande beziehen. Man läßt das frische Öl erst möglich lange in großen Behältern stehen, wobei es schon von selbst einen großen Teil seiner Unreinheiten als Bodensatz abscheidet. Die völlige Reinigung geschieht dann durch Einwirkung konzentrierter Schwefelsäure, die nach Umständen in der Menge von ½-1½% des Öls angewandt wird. Indem man diese Säure zu dem in großen, mit einer Rührvorrichtung versehenen Bottichen befindlichen, warmen Öle setzt und durch starkes Rühren einmischt, werden durch die Einwirkung derselben die schleimigen und eiweißartigen Stoffe teils zum Gerinnen gebracht, teils in flockige, dunkelfarbige Massen verwandelt, die dann durch Absetzenlassen entfernt werden können. Ist die Flockenbildung eingetreten, so rührt man zum Ganzen noch die reichliche Hälfte warmes Wasser, welches durch Verdünnung die Wirkung der Säure aufhebt und die nachfolgende Scheidung befördert. Das Gemisch wird auf Klärfässer übergeleitet und bleibt 1-2 Wochen sich selbst überlassen.

Es bilden sich dabei drei Schichten: obenauf klares Öl, das durch Zapflöcher abgezogen und nur noch filtriert wird, inmitten die flockigen Abgänge, noch ölhaltig und deshalb noch besonders zu bearbeiten, und zu unterst das saure Wasser. Die Abgänge können immer wieder zur Reindarstellung der Schwefelsäure dienen (gewöhnlich das Geschäft kleiner Unternehmer, die dieselben in den Raffinerien kaufen) oder auch zur Superphosphatbereitung verwendet werden. Der Gesamtverlust des Öles beim Raffinieren pflegt 2% nicht zu übersteigen, ist vielmehr oft geringer. Die Differenz der Marktpreise für rohes und raffiniertes Öl ist daher auch nicht beträchtlich und beträgt gewöhnlich etwas über 3 Mk. pro Zentner. Unter das Rüböl mischt man auch Leindotter- und Senföl, die völlig gleichwertig sind und also nicht beanstandet werden, auch gar nicht nachgewiesen werden könnten. -

Hauptplätze für den Handel mit Öl sind in Deutschland Hamburg, Bremen, Stettin, Berlin, Leipzig; hier und an einigen andern Orten hat sich der Ölhandel in besondern Ölbörsen alleingestellt. Die Preise sind nach den Erträgen der verschiednen Jahrgänge ziemlich schwankend und man hat schon länger bei dem immer weitern Umsichgreifen des Petroleums einen allgemeinen und definitiven Preisherabgang befürchtet, der sich aber bis jetzt doch nicht herausgestellt hat, denn das Öl hat auch noch andre Verwendungen als zum Brennen; es dient als Material zu Seife, zu Maschinenschmiere, zum Einfetten von Leder und Wolle. Die letztere Verwendung war bisher eine beschränkte, weil die Wolle beim Lagern leicht klebrig und heiß bis zur Selbstentzündung wird. Es ist aber neuerlich unter dem Namen Kernöl ein Präparat aus Rüböl angezeigt worden, welches in Anwendung auf Wolle das Baumöl vollständig zu ersetzen ge-^[folgende Seite]