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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rum

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Rum - Rum

eignet sei. Das R. soll aus einem natürlichen Gemisch von zweierlei Ölen bestehen, von welchen das eine als nicht zweckdienlich abgeschieden ist und das andre, milde, dünnflüssige, geruchlose und hell weißgelbliche, das Kernöl bildet. -

Ein schon länger bekanntes künstlich verfeinertes R., das anstatt Butter zu Speisen und Bäckereien verwendbar ist, wurde Schmalzöl genannt. Die Darstellung geschieht, indem das R. bis nahe zum Sieden erhitzt, dann 1/32 des Gewichts zerriebene Kartoffelstärke zugerührt und weitere Hitze gegeben wird, bis sich ein süßlicher Geschmack zeigt. Man läßt nun absetzen und filtriert. - Zoll: Rübsaat gem. Tarif im Anh. Nr. 9 e. - Rüböl aller Art Nr. 26 a 1 und 4. - Ölkuchen und sonstige fette Rückstände von der Ölfabrikation, zollfrei.

Rum (Taffia, Tafia, frz. und engl. Rum), ein geistiges Getränk, welches bekanntlich, wenn echt, aus Zuckerrohrsaft bereitet ist und sich durch einen charakteristischen kräftigen Geruch und Geschmack von andern ebenfalls durch Gärung und Destillation bereiteten geistigen Getränken unterscheidet. R. aus den Abgängen der Rohrzuckersiedereien wird wohl überall, wo Zuckerrohr gebaut wird, bereitet und jede Plantage hat in der Regel auch ihre Brennerei; es sind aber auch die echten Fabrikate selbst, abgesehen von aller Verfälschung, unter sich in der Qualität sehr verschieden.

Die eigentlichen Rumlieferanten sind die westindischen Inseln und unter diesen steht Jamaika in der Güte seiner Ware obenan; die Firma Jamaika muß daher auch so manches andre decken und es wäre gut, wenn dies wenigstens immer nur westindische Ware wäre. Als Jamaika am nächsten stehend gelten die Produkte von Barbados und Antigoa, wogegen die südliche Gruppe der kleinen Antillen, die sog. Leewardsinseln (Inseln unter dem Winde), mit ihrer Ware dem Jamaikarum in Feinheit und Stärke immer nachstehen und gewöhnlich um 20% geringere Preise erzielen. Der brasilianische R. ist der geringste. Übrigens kommt R. nach Europa, hauptsächlich durch die Engländer, von Cuba, Portorico, den britisch-westindischen Inseln, Holländisch- und Britisch-Guiana, und zwar von hier ein sehr beträchtlicher Anteil, von Mauritius und Ostindien. Das ostindische Getränk steht dem Arrak näher als dem echten R.

Der Hauptmarkt für R. ist London. Die englische Einfuhr hat sich in den letzten 10 Jahren um die Durchschnittsziffer von 7 Mill. Gallons bewegt und die Wiederausfuhr hat meistens mehr als ein Drittel von jener betragen. Zur Darstellung von R. werden verschiedne edlere und gemeinere Rohstoffe benutzt und hieraus, sowie aus den ortsgebräuchlichen Betriebsweisen erklären sich die Verschiedenheiten der Produkte. Es dienen dazu Zuckerrohrsaft, Sirup von Rohrzucker, der Zuckerschaum, der beim Sieden von den Kesseln geschöpft wird, Absud von ausgepreßtem Zuckerrohr und andern Rohrabfällen, selbst die Spülwässer, die sich beim Reinigen der Fabrikgeräte ergeben. Bei besserm Betriebe läßt man indes die unreinem Materialien, Spülicht, Schaum u. dgl. beiseite und brennt daraus den Negerrum, ein kratzig schmeckendes Produkt.

Das, was dem R. seine Eigentümlichkeit gibt, liegt in dem frischen Saft des Zuckerrohrs. Nur bei dessen Gärung entwickelt sich das ätherartige Aroma, welches den eigentümlichen Rumgeschmack und -Geruch bildet; der wohl stets beigegebene Sirup kann nur die Masse des Weingeistes vermehren. Echter R. besitzt einen Alkoholgehalt von 58-70% Tralles. Es wird namentlich in England viel Kolonialsirup eingeführt und gebrannt; der daraus erhaltene gute Branntwein ist aber kein R., wozu ihm das Aroma fehlt, natürlich aber dem R. so nahe verwandt, daß er das beste Mittel abgibt, um solchen zu verschneiden. Eine solche Zumischung ist gar nicht zu entdecken.

Die Destillation des R. in den Plantagen ist eine zweimalige; das Abtreiben der gegornen Maische ergibt ein schwaches Destillat, von welchem in einer zweiten Blase erst R. erhalten wird, indes der noch schwach geistige Rückstand mit andrer Maische wieder in den Betrieb kommt. Wird die Destillation nicht subtil genug geführt, so wird das Destillat erst nach einer beträchtlichen Lagerzeit trinkbar. Bei richtiger Führung der Rektifikation wird das Getränk viel eher reif. Gelagert muß aber jeder R. werden; man nimmt ihn deshalb häufig mit auf Schiffe. Junger R. ist rauh und stechend von Geschmack und stark berauschend; man nennt ihn deshalb in den englischen Kolonien Mordteufel.

Von Natur ist der R. farblos; er wird auf den eichnen Lagerfässern höchstens weingelb; die Europäer ziehen aber eine sattere braune Farbe vor und die wird ihm denn auch gleich an Ort und Stelle mit etwas Zuckerkouleur anbesorgt. Öfter setzt man bei der Destillation dem R. würzige Pflanzenstoffe zu oder gibt Schnitzel von Ananas mit in die Fässer (Ananasrum). Der R. in echter Beschaffenheit, wie er von den Kolonien verschickt wird, mag selten in die Hände der Konsumenten gelangen. Sehr gewöhnlich ist das Verdünnen desselben mit gewässertem Spiritus, sodaß aus einem Faß Originalware deren drei bis vier und mehr gemacht werden. Die hierdurch blässer gewordene Farbe wird mit Rumkouleur (s. Karamel) wieder hergestellt und durch längeres Lagern die bessere Verbindung und Durchdringung der Bestandteile herbeigeführt. -

Eine ganz andre Ware ist der im Inlande in Menge gefertigte künstliche R., durch welchen die Spekulation dem steigenden Verlangen nach wohlfeilem rumähnlichem Getränk entgegenkommt. Mag man von diesem Fabrikationszweige denken wie man will, so geht derselbe doch nicht auf Täuschung aus, sondern bringt seine Produkte als das an den Markt, was sie sind, „inländischer“ R.; die Täuschung folgt später beim kleinern Verschleiß. Es gibt überhaupt an den Warenbörsen nur zwei Klassen, Jamaika, d. h. Kolonialrum, und inländischen, beide mit mehrern weit auseinanderliegenden Preissätzen und zwar in einem Verhältnis, daß die Inlandsware etwa nur ¼ bis höchstens ⅓ soviel gilt, als die fremde. Der Fabrikrum hat bei Geschäftsleuten unter sich den sonderbaren Namen Façonrum. Man hat es in der Darstellung desselben zum Teil weit genug gebracht,