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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Ruß

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Ruß - Ruß

und es gibt feine, dem echten nahe kommende Getränke darunter, freilich aber auch rohe, übelschmeckende Nachahmungen. Alle bestehen aus Kartoffelspiritus, die besten natürlich aus ganz fuselfreiem, der auf Branntweinstärke mit Wasser verdünnt und mit chemisch bereiteten Substanzen versetzt ist, die den Geschmack und Geruch geben sollen. Solche Substanzen sind jetzt als Rumäther und Rumessenzen überall käuflich und verschieden zusammengesetzt. Die Äther können Gemische von Butteräther, Essigäther, Ameisenäther u. dgl. sein, oder es ist der letztre allein in Vermischung mit mehr oder weniger Weingeist.

Rumäther ist gewöhnlich mit 1 Mk. pro ½ kg angesetzt oder nicht viel höher. Die Essenzen sind komplizierter und bringen gewöhnlich auch die Kouleur mit, doch sind sie auch farblos zu haben. Ihre Preise gehen von 3 Mk. pro kg aufwärts; in konzentriertem Zustande zu ca. 6 Mk. nennt man sie Rumöle. Eine besonders feine Sorte heißt Rumaromaessenz. - Zoll: R., sowie die zum Genuß bestimmte Rumessenz Nr. 25 b des Tarifs im Anh. Rumaromaessenz zum Gewerbegebrauch und Rumäther Nr. 5 a. Rumkouleur Nr. 5 i.

Ruß (frz. noir de fumée oder suie, engl. soot), ein Produkt der unvollständigen Verbrennung kohlenstoffreicher Substanzen, besteht aus Kohlenstoff, dem gewöhnlich noch kleine Mengen brenzlich-öliger Produkte anhaften, von denen er in den meisten Fällen erst befreit werden muß, bevor man ihn verwenden kann. Von dem durch die Verbrennung bewirkten Luftstrome werden die Kohlenteilchen fortgetragen und schlagen sich in dem Maße, als dieser ruhiger wird, nieder oder setzen sich an feste Körper an, je weiter von der Feuerstelle, um so feiner. In dem sog. Glanzruß, der sich in den tiefern Partien der Schlote absetzt, sind diese fremden Produkte so häufig enthalten, daß der R. eben dadurch eine zusammenhängende, glänzende Kruste bildet. -

R. in verschiednen Feinheitsgraden hat sehr vielfache Verwendung zu schwarzen Druck- und Anstrichfarben, Lacken, Wichsen, Tuschen, Schwarzwachs u. dgl. Der gewöhnlichste ist der Kienruß aus Waldgegenden; zu seiner Darstellung benutzt man harzreiches Holz, Kienstöcke und besonders diejenigen Hölzer und Rinden, aus welchen vorher Pech abgetrieben wurde. Dies Rohmaterial wird geschwelt, d. h. es wird in einem gemauerten Raume bei wenig Luftzutritt einer schmauchenden Verbrennung unterworfen. Vom Schwelraum geht ein längerer Kanal aus, der in einer größern Kammer endet. Letztere hat eine Bedachung (Haube) von grobem Wollstoff. Die Feuerluft durchzieht, mit schwarzem Qualm beladen, den Kanal und die Kammer und entweicht mit Hinterlassung des R. durch die Poren der Haube. Der im Kanal sich absetzende R. ist am meisten mit brenzlichen Stoffen beladen, mehr glanzrußartig, und kann ohne nachgehendes Ausglühen nicht füglich benutzt werden. Eine bessere Sorte sammelt sich in der Kammer und das Feinste hängt sich an die Innenseite der Haube an.

Geringere Sorten als der Holzruß werden in derselben Weise erhalten durch Verbrennen von Stein- und Braunkohlen, Torf, Steinkohlenteer u. dgl. Auf Koksbrennereien welche stark rußende Steinkohlen verarbeiten, gewinnt man den R. als Nebenprodukt, indem man den Qualm zunächst durch Niederschlagkammern und dann erst in die Esse leitet. Auch in Waldgegenden verarbeiten die Rußbrennereien, bei dem Seltenwerden der Rohstoffe des Waldes, schon häufig Braunkohlen, Torf und Steinkohlen.

Im sächsischen Voigtlande findet sich dagegen auch noch ein Rest einer früher weit verbreiteten edlern Rußbrennerei. Der dort fabrizierte echte Kienruß stammt aus harzigen Bestandteilen der Fichtenrinde, welche etwa alle zehn Jahre von den Pechrissen der Bäume abgehackt und mühsam gesammelt wird, wobei weder das Wachstum der Bäume, noch die Ergiebigkeit für die Pechernte gefährdet werden darf. Der hieraus gewonnene gute R. hat seine Verwendung zu Buchdruckerschwärze, mehr noch zu Glanzleder und Wachstuch, und hat seine festen Abnehmer trotz seines hohen Preises im Vergleich zum ordinärem Holz- und Kohlenruß (36 Mk. gegen 24 Mk. der Zentner). Nach den neuesten Berichten der Handelskammer ist jedoch die voigtländische Rußbrennerei bedeutend in der Abnahme begriffen.

Rohstoffe für feinere Rußsorten sind Harz (Kolophon), die schweren Öle aus Steinkohlenteer, fette Öle, Asphalt u. dgl. Im großen werden dieselben in ähnlichen Vorrichtungen verarbeitet, wie die vorerwähnten Rohstoffe. Die Öle werden in Lampen verbrannt, die mit großen Dochten versehen sind, welche mehr Öl herbeiführen als verbrennen kann; die harzigen Stoffe verbrennt man auf flachen eisernen Schalen bei gedrücktem und kühl gehaltenem Feuer. Alle solche Produkte pflegen als Lampenruß in den Handel zu kommen; eine aus Frankfurt kommende sehr gute Sorte geht unter ihrer eignen Firma Asphaltruß. Im kleinen Maßstabe wird Lampenruß erhalten durch Verbrennen von Rüb- oder noch besser Terpentinöl in einer Lampe mit blakriger Flamme und Aufsaugen des R. in einem Trichter von Pappe oder Blech. Spannt man einen Draht durch die Flamme selbst, so hängt sich bald ein großer Rußklumpen daran.

Um den R. von den öligen Bestandteilen zu befreien, mit denen er immer behaftet ist, pflegt man ihn auszuglühen (kalzinierter Ruß). Man stampft ihn zu diesem Zwecke in thönerne Töpfe, die man mit Deckeln bis auf eine kleine Öffnung verkittet, oder in blecherne Cylinder, die in Thonkapseln eingesetzt werden, und erhitzt bis zur Rotglut. Die öligen Teile verwandeln sich dabei in Gase, welche außerhalb verbrennen. Das Glühen darf weder zu schwach oder kurz sein, weil dann der R. noch fettig bleibt, noch zu weit gehen, da er sonst tot gebrannt, d. h. dicht, fest und grau wird. Der Waldruß wird in Fässern von 7½ bis 10 kg Inhalt, auch wohl in Halbzentnerfässern versandt, indes der Kleinvertrieb in den bekannten Fäßchen aus dünnen Holspänen, den sog. Rußbutten, geschieht, die bei aller Anspruchlosigkeit ihrer Erscheinung doch zur guten Anfertigung sehr geschickte Hände erfordern. - Zoll: R., Rußbutten, sowie Druckerschwärze Nr. 5 e des Tarifs im Anh.