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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Safran

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Safran - Safran

tomne, S. cultivé, S. du Gâtinais, S. d'Orient, S. officinal, vrai safran, holl. Saffraan, ital. Zafferano, Zaffarano, span. Azafran. Man unterscheidet noch den Frühlingssafran, Cr. vernus All., die bekannte Frühjahrszierpflanze in verschiedner Farbe der Blüten, und den gelben S., Cr. luteus Lk., aus dem Orient, ebenfalls Zierpflanze.

Von der im großen angebauten Nutzpflanze gewinnt man nur die rotgelben Narben an der Spitze der langen Stempel und verwendet diese als Farbstoff, auch für Butter, in der Küche als Gewürz (am meisten im Süden) und in den Apotheken zu stimulierenden Arzneien. Die Pflanzen werden durch die jungen Zwiebeln (Kiele) vermehrt und vom Heimatland Ostindien bis England, auf der Insel Reunion und in Pennsylvanien in Amerika angebaut, am besten im Weinklima und nur in sonniger, geschützter Lage, auf humusreichem, trocknem, warmem, lockerem Boden der Lehm- und Sandmergelgruppe.

Der Anbau ist mühsam und erfordert viel Pflege, zumal Aufmerksamkeit gegen die zahlreichen Feinde (Wild, Mäuse etc.) und Krankheiten (Brand, Schorf, Krebs und besonders Safrantod, durch einen Pilz verursacht, welcher oft den Anbau auf einige Zeit unmöglich macht). Man erntet zu Beginn der Blüten, welche frühmorgens, noch geschlossen, abgeschnitten und an luftigen Orten aufbewahrt werden, durch Abzwicken der drei Narben, drei bis vier Tage nach dem Einbringen, und trocknet diese sehr sorgsam, auch künstlich mit besonders konstruiertem Safran-Trockenofen, und hebt dann den S. in gut verschließbaren Gefäßen auf. Man rechnet auf 1 kg trocknen S. 5-6 kg frischen und circa 40-80000 Blüten oder 13-26000 Narbenfäden und pro Pflanze ein bis zwei Blüten.

Der Ertrag pro ha ist nach Ländern sehr verschieden, im dritten Jahre der Anpflanzung aber am größten; im vierten Jahre wird das Land umgegraben und findet im Juni die Ernte der stark vermehrten Zwiebelbrut statt, von welcher die besten zur künftigen Saat ausgelesen und an kühl schattigen Orten bis zum Auspflanzen aufbewahrt, die minder guten an Schweine gefüttert werden. Das Pflanzfeld bleibt dann sieben bis fünfzehn Jahre vom Anbau mit S. verschont; das Saatland wird in drei Parzellen abgeteilt, für das erste, zweite und dritte Jahr des Anbaues. In Frankreich rechnet man in drei Jahren auf 1 ha 63-64, in England 50, in Österreich nur 20-33 kg S., dort auf das erste Jahr 11-12, auf das zweite und dritte Jahr je 26 kg, in Österreich 1-9-10 und 10-16 kg auf die drei Jahre. Eine Nebenernte geben die Stiele etc. (zu Gänsefutter) mit bis zu 160 m. Ztr. -

Der trockne S. des Handels besteht aus einzelnen, oder auch zu drei zusammensitzenden, ineinandergeschlungenen, gekrümmten, gelb- und dunkelbraunroten, zähen, biegsamen, fettig sich anfühlenden, feinen, am Ende breiteren Fäden von betäubend gewürzhaftem Geruch und bitterem, aromatischem, etwas scharfem Geschmack; er färbt den Speichel gelb und ist sehr hygroskopisch, weshalb er nicht in feuchten Räumen aufbewahrt werden darf und zu Seetransport gut verwahrt sein muß. -

Ausgelesen (Crocus electus), d. h. von den hellgelben Fäden befreit, heißt der S. elegiert, sonst naturell. Der im S. wirksame Bestandteil, der gelbe Farbstoff, ist das Polychroït oder Crocin (40-60%); weitere Bestandteile sind das Safranöl (9-10%), stark riechend, Traubenzucker, organische Säuren und Mineralstoffe (8-10%).

Den meisten S. liefert Spanien, Hauptanbau in Murcia, La Mancha, Niederarragonien, besonders nach Frankreich und Deutschland, welches zum Teil den spanischen S. unter französischem Namen und von Franzosen bezieht; der spanische S. der besseren Sorten steht dem französischen gleich, die gewöhnlichen kommen auch mit Öl eingerieben vor. Die Ausfuhr beträgt an 100000 kg; man versendet in Säcken von Packleinewand oder Schafsleder zu 20-40 kg oder in Blechkisten in Holz zu 11-85 kg. -

Frankreich baut besonders im Arrondissement Pithiviers (Gatinais) und im Allgemeinen guten S., groß, breit, schön hellrot, mit nur kurzem, gelbem Ende, stark riechend, gut trocken, S. d'Orange, im Schatten getrocknet, beste Sorte, und S. Comtat, an der Sonne oder künstlich getrocknet. Versendung in Säcken zu 12⅕ kg; Gesamthandel im Durchschnitt an 180000 kg. - Mehrausfuhr etwa 10000 kg, Haupteinfuhr von Spanien an 90000 kg, Hauptausfuhr nach der Schweiz an 23000 kg (starker Verbrauch besonders im Berner Oberland), nach Deutschland 20000 kg und mehr, nach Belgien etwa halb so viel, und über See. -

Italien liefert hellere Sorten, welche nicht von dem echten S. abstammen sollen; die beste Sorte kommt aus Aquila und wird im Thale des Acerno gebaut, Abruzzensafran (Aquilae, Abruzzi Zafferano, Aquila Neapolit. S.). Der Sizilianische S. ist bitter und oft verfälscht, der Kalabrische (Cosenza und besonders um Gagliano) geringer als der Abr.-S. Statistisches ist nicht bekannt; Einfuhr von Frankreich bis zu 8000 kg. -

Österreichs Anbau beschränkt sich fast nur auf Niederösterreich in wenigen Orten und auf Ungarn; die letzte Ernte dort ging nicht über einige hundert Kilo, während früher viele tausende gebaut wurden; die Qualität ist die vorzüglichste, der Bezugsort Krems, die beste Ware kommt aus Meißau. Die Einfuhr aus Frankreich ist bedeutend. Ungarn liefert nichts zur Ausfuhr, Hauptland um Neutra bis Temesvar, Qualität geringer.

Die Türkei (türkischer und levantischer S.) versendet die Ware in Lederbeuteln mit bis 16 kg Inhalt; sie ist oft gefälscht, in Öl getränkt, schlecht gereinigt, feucht, schwach von Geruch. Der früher geschätzte Persische S. ist ähnlich, für die europäische Zufuhr aber kaum in Betracht zu ziehen. Die Hauptbezugsquellen bleiben Spanien und Frankreich. Deutschlands Kultur ist ganz unbedeutend, der Verbrauch nicht ermittelt. -

Infolge des hohen Preises (in Österreich 84-100 Mk. pro kg) wird der S. vielfach gefälscht und zwar durch Safflor, andre Crocusarten, Ringelblume, Fasern von geräuchertem Fleisch u. dgl., oder ausgelaugt und wieder gefärbt durch Fernambukholz. Der ge-^[folgende Seite]