Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Salicin; Salicylsäure

477

Salicin - Salicylsäure

len haben, und läßt gewöhnlich solche weg, die ihre Knollen spalten oder fingerförmig teilen. Indes kommen doch auch, namentlich in Österreich, gefingerte Knollen als „Händchensalep“ in Gebrauch. Zu den kompakt knolligen Arten gehören O. Morio, auf feuchten Wiesen und Triften stellenweise sehr häufig, O. mascula, auf ähnlichen Standorten, die stattliche O. militaris (Helmbuschorchis), auf Hügelland und Kalkboden im Gebüsch, und einige andre.

Früher kamen die Salepknollen nur aus dem Orient, über Konstantinopel und Smyrna, und der Bezug dauert noch fort; es ist aber jetzt auch deutsche Ware in gute Aufnahme gekommen und wird von den Droguisten selbst bevorzugt, da sich ein rein weißes Pulver aus ihr darstellen läßt, was bei der orientalischen selten thunlich ist. Die deutschen Knollen sind daher gesucht und teurer als jene. Der deutsche S. wird im Rhöngebirge, Spessart, Odenwald, Nassau etc. gesammelt.

Man brüht die Knollen mit heißem Wasser, wobei die äußere Haut sich loslöst, und trocknet sie dann im Backofen oder, an Fäden aufgereiht, an andern warmen Stellen. Die Größe der Stücke variiert von der einer Haselnuß bis zu der einer welschen Nuß; die Farbe ist gelblichweiß, die der orientalischen, welche teilweise auch größere Stücke bildet, bräunlich. Die Hauptbestandteile der Knollen sind eine reichliche Menge Stärkemehl und eine noch größere eines tragantähnlichen Schleims (Bassorin), der in Wasser stark aufquillt, ohne sich eigentlich zu lösen. Durch die Behandlung mit heißem Wasser werden beide Stoffe aufgequellt, die Stärke wird in Kleister verwandelt, daher denn die Stücke nach dem Trocknen durchscheinend, hornartig erscheinen.

Durch diese Behandlung mit heißem Wasser verlieren sie zugleich ihren bittern Geschmack und unangenehmen Geruch. Der Geschmack ist dann nur fade und schleimig; eine starke Nährkraft kann die Substanz nicht besitzen, sie bildet eben nur ein schleimiges, reizmilderndes und einhüllendes Mittel. Man gibt es besonders Kindern in Fällen von Schwäche, Abzehrung, Ruhr u. dgl. in Form von Salepschleim, der durch Behandlung des gepulverten S. mit kochendem Wasser hergestellt wird, indem zu 1 Teil Pulver 100 Teile Wasser genommen werden. Mit der Hälfte Wasser wird schon eine steife Gallerte erhalten. Der Stoff wird auch zum Appretieren von Seidenzeugen ziemlich viel benutzt.

Das Pulvern der Knollen macht Schwierigkeiten; es wird häufig schon von den größeren Droguenhandlungen selbst besorgt. Es kommt aber auch unechter gepulverter S. häufig vor, der aus Kartoffeln gemacht ist. Man darrt diesen, um ihn spröde und gelblich zu machen, und pulverisiert ihn. - S.-wurzel ist zollfrei. Das daraus bereitete Stärkemehl s. Tarif Nr. 25 q 1.

Salicin (Weidenbitter, Salicinum), der eigentümliche bittere, zu den Glucosiden gehörige Stoff der Weidenrinden (daher der Name, von salix, die Weide), wird am zweckmäßigsten aus den roten Weidenarten (Purpurweide u. a.) hergestellt, die daran reicher sind, indes bei den übrigen mehr der Gerbstoff vorherrscht. Das S. kann auf verschiedne Art aus der wäßrigen Abkochung der Rinden abgeschieden und kristallinisch dargestellt werden. Im gereinigten Zustande bildet es kleine weiße glänzende Kristalle in Form von Schüppchen oder rhombischen Prismen, die sich wenig in kaltem, reichlich in siedendem Wasser und Weingeist lösen und äußerst bitter schmecken. In konzentrierter Schwefelsäure löst es sich mit blutroter Farbe, wodurch es sich sogleich von andern ähnlich aussehenden Stoffen unterscheidet.

Es wirkt gegen Wechselfieber wie China, aber viel schwächer und wird neuerdings vielfach medizinisch verwendet, im Auslande mehr als bei uns. Das Kilo kostet ca. 48 Mk., ist also bedeutend billiger als Chinin und wird daher auch zuweilen zur Verfälschung desselben benutzt, was durch das erwähnte Verhalten gegen Schwefelsäure jedoch leicht erkannt werden kann. - Zollfrei.

Salicylsäure (Phenylkohlensäure, acidum salicylicum), eine organische Säure, die auch schon in der Natur fertig gebildet als Salicylsäuremethyläther im ätherischen Gaultheriaöl vorkommt und aus diesem abgeschieden werden kann, aber erst ein Artikel des Chemikalienhandels geworden ist, seitdem man gelernt hat, sie künstlich herzustellen. Auch aus dem Salicin läßt sie sich gewinnen und hat von diesem den Namen S. erhalten.

Die fabrikmäßige Bereitung der S. besteht darin, daß man wasserfreies Phenolnatron (aus Phenol oder Karbolsäure und Natron bereitet) mit sorgfältig getrockneter Kohlensäure behandelt; die Kohlensäure tritt hierbei mit dem Phenol zu S. zusammen, welche mit dem Natron verbunden bleibt. Man braucht dieses salicylsaure Natron nur in Wasser zu lösen und mit einer stärkern Säure zu behandeln, so wird die S. abgeschieden. Das Natron kann bei dieser Fabrikation durch Kali nicht ersetzt werden, denn bei Anwendung von Kali entsteht nur sehr wenig S. und anstatt dieser die isomere Paraoxybenzoësäure, die jedoch bis jetzt noch keine Verwendung gefunden hat.

Man findet zwei Sorten S. im Handel, die eine, als acidum salicylicum praecipitatum bezeichnete, ist ein leichtes lockeres weißes Pulver, zuweilen mit einem schwachen Stich ins rötliche, geruchlos, beim Verstäuben stark zum Niesen reizend; die andre Sorte, acidum salicylicum crystallisatum, besteht aus kleinen, feinen, schneeweißen Kristallen und ist für den innern Gebrauch bestimmt, während die weniger reine, nicht kristallinische Sorte für äußerlichen Gebrauch medizinisch verwendet wird. Außer zu medizinischen Zwecken benutzt man sie auch als Konservierungsmittel für eingemachte Früchte, Gemüse etc.; ½ bis 1 g S. pro Kilo genügen hierzu. Die S. ist in Wasser schwer, in Spiritus leicht löslich, man erkennt sie leicht daran, daß ihre Lösung, mit einigen Tropfen Eisenchloridlösung vermischt, intensiv violett gefärbt wird.

In Apotheken werden jetzt eine Menge salicylsäurehaltige Mittel geführt, so z. B. Salicylsäuremundwasser, Salicylsäurezahnpasta, Salicylsäureheftpflaster, Salicylsäurewatte und andre salicylsäurehaltigen Verbandstoffe. Auch wurden kurz, nach Einführung der S. in die Medizin verschiedne salicylsaure Salze als Heilmittel in Vorschlag gebracht und findet man von diesen