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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Salpeteräther; Salpetersäure

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Salpeteräther - Salpetersäure

vom Eingangszoll. - S., sowie die salpetersauren Salze sind zollfrei.

Salpeteräther. Unter diesem Namen findet man im Chemikalienhandel eine verdünnte alkoholische Lösung des Salpetrigsäureäthyläthers (salpetrigsauren Äthyloxyds), welche als Spiritus nitrico-aethereus oder Spiritus nitri dulcis (Salpeteräthergeist, versüßter Salpetergeist) offizinell ist und auch zuweilen zu andern Zwecken Verwendung findet.

Es ist eine farblose, klare Flüssigkeit von kräftigem, angenehmem, obstartigem Geruch, mit Wasser in jedem Verhältnisse mischbar und von 0,840 spezif. Gewicht. Man muß dieses Präparat in stets vollgefüllten Gefäßen im Dunkeln aufbewahren, da es sonst sehr bald stark sauer wird. Es enthält stets noch kleine Menge von Ameisenäther und Aldehyd, von der Bereitung herrührend. Reiner und spiritusfreier Salpetrigsäureäthyläther kommt für gewöhnlich im Handel gar nicht vor. - Zoll gem. Nr. 5 a des Tarifs im Anh.

Salpetersäure (Scheidewasser, acidum nitricum, aqua fortis, frz. acide nitrique, engl. nitric acid). - In dem schwach salzig und kühlend schmeckenden Salpeter steckt diese bekannte energische Säure, eine Verbindung von Stick- und Sauerstoff, also denselben Gasen, aus welchen die atmosphärische Luft besteht; der Unterschied ist aber der, daß die Luft ein bloßes Gemisch der beiden Gase, die Säure eine chemische Verbindung derselben ist. Die Säure bedarf aber zu ihrem Bestehen als Flüssigkeit auch einen bestimmten Anteil Wasser in chemischer Bindung (in 100 Tln. 14,25); sie ist also ein sog. Hydrat. Man hat zwar in neurer Zeit dieselbe auch wasserfrei, in Form von Kristallen herstellen gelernt, aber sie ist dann nur ein Kuriosum und zwar ein gefährliches, das nur in zugeschmolzner Glasröhre in Kühle und Dunkelheit aufbewahrt werden kann, und auch da nicht für lange, denn sie zerfällt schließlich immer unter heftigster Explosion in ihre gasigen Bestandteile.

Man benutzt zur Darstellung der S. stets den billigen Natronsalpeter (Chilisalpeter), der auch eine größere Ausbeute liefert, als der Kalisalpeter; durch bloßes Erhitzen von S. läßt sich die Säure nicht als solche abtreiben, sondern sie zerfällt dabei und die Bestandteile gehen einzeln fort. Die Säure muß durch eine stärkere Säure ausgetrieben werden, die ihre Stelle einnimmt und ein neues Salz bildet. Dies geschieht auf heißem Wege in Form einer Destillation, wobei die Säure dampfförmig übergeht und sich in Vorlagen wieder zu Flüssigkeit verdichtet. Die Schwefelsäure ist die hierzu allein verwendbare; sie bildet mit dem Natron des Chilisalpeters einen Rückstand von Glaubersalz.

Die Darstellung gleicht somit vielen andern Abtreibungsarbeiten, namentlich der Bereitung der Salzsäure aus Kochsalz, so genau, daß dieselben Apparate zu beiderlei Zwecken gebraucht werden können. Die Destillation geschieht bei kleinen Quantitäten, wie sie z. B. in Apotheken zum Selbstgebrauch hergestellt werden, und sonst, wo es sich um eine reinere Säure handelt, aus gläsernen Retorten, bei der in großartigster Menge fabrikmäßig dargestellten Säure dagegen fast ausschließlich aus großen gußeisernen Cylindern, in welche der Salpeter zu mehrern Zentnern auf einmal gebracht und die Schwefelsäure nachgefüllt wird. Eisen wird zwar unter gewöhnlichen Umständen von Schwefelsäure und S. angegriffen; dies ändert sich aber, wenn das Metall stark erhitzt ist; es gerät dann in den sog. passiven Zustand, der es gegen die Säuren unempfänglich macht. Es ist daher Einrichtung getroffen, daß die Destillierblasen allseitig vom Feuer umspielt werden; unter diesen Umständen erleidet das Eisen sehr wenig Angriff, und ein kleiner Eisengehalt zeigt sich nur in der Säure der ersten Vorlagen. Die sauren Dämpfe gehen nämlich durch eine Reihe zweihalsiger Flaschen aus Steinzeug, die alle durch gekrümmte Rohrstücke miteinander verbunden sind; in diesen Gefäßen schlägt sich die Säure tropfbar nieder und wird am Boden durch einen Hahn abgelassen. Stehen die Kondensationsflaschen in Kühlwasser, so wird nur eine kleine Anzahl gebraucht, eine größere, wenn die Kühlung der Luft überlassen bleibt. Die Flaschen enthalten kein Wasser, da das zum Bestehen der Säure erforderliche sich schon aus der Destillation mit ergibt, denn die hierzu benutzte Schwefelsäure ist stets wasserhaltig.

Je nachdem stärkere oder schwächere Säure verlangt wird, verwendet man konzentriertere oder verdünntere Schwefelsäure; in den Kondensiergefäßen selbst sammelt sich die Säure in verschiedner Stärke, am stärksten in den ersten und so abnehmend bis zum äußersten. Die S. läßt sich mit der rechnungsmäßig entsprechenden, also äquivalenten Menge von Schwefelsäure nicht glatt und farblos abtreiben, sondern man braucht hierzu die doppelte Menge der letztern Säure; der Rückstand ist dann auch nicht Glaubersalz, sondern doppelt schwefelsaures Natron, welches jetzt unter dem Namen Weinsteinsurrogat in der Färberei als Beize verwendet wird.

Das einfache Äquivalent der Schwefelsäure zersetzt ohne weiteres nur die Hälfte des vorhandenen Salpeters; die andre bleibt nebst doppelt schwefelsaurem Natron übrig. Erst wenn das Gemenge weiter und bis nahe zum Glühen erhitzt wird, erfolgt wieder Zersetzung des Salzes, aber auch die S. erleidet in diesem Falle zum Teil eine solche und wird in Sauerstoff und Untersalpetersäure zerlegt, braunrote Dämpfe, welche von der unzersetzt übergehenden Säure verschluckt und an der freien Luft allmählich wieder ausgestoßen werden.

Die wie vorstehend dargestellte Säure ist die eine käufliche Sorte, die rote rauchende (acidum nitricum fumans). Sie ist an sich schon die stärkste, und besitzt auch infolge dieser Beimischung eine stärker oxydierende und lösende Wirkung als die gewöhnliche, wird daher für gewisse Zwecke besonders gebraucht und absichtlich dargestellt. Die gewöhnliche Säure ist käuflich als doppeltes und einfaches Scheidewasser, die sich nur im Wassergehalt unterscheiden. Das erstere ist keineswegs das vorerwähnte einfache Säurehydrat, sondern enthält mehr Wasser, auch noch mehr, als die rauchende Säure, die daher durch Wasserzusatz, wodurch die rote Untersalpetersäure zersetzt wird, zu doppeltem Scheidewasser