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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Sassyrinde; Satin; Scammonium

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Sassaparille - Scammonium

Fasern sind mehreremale gegen dieselbe eingeschlagen, sodaß in den Ballen sämtliche Wurzelstöcke nach außen, die Wurzeln hingegen nach innen zu liegen kommen, oder endlich drittens sind die knollenförmigen Wurzelstöcke ganz entfernt, die Wurzeln der Länge nach zu armdicken Bündeln von 500-600 g Gewicht zusammengelegt, oben und unten eingeschlagen und der ganzen Länge nach dicht mit der gleichen Wurzel umwickelt, sodaß die Wurzeln nur an beiden Enden etwa eine Hand breit freibleiben. Die Honduras-S. hat äußerlich eine schön rotbraune Farbe, die Rinde ist bald dünner, bald dicker, die Wurzeln sind nur wenig gefurcht, aber längsstreifig, das Mark ist mehlig und weiß, ohne Gefäßporen, ziemlich groß und deutlich abgegrenzt vom holzigen Teile; der Rindenteil ist auf dem Querschnitte rötlich oder weißgrau, die Epidermis sehr dünn. Eine der beliebtesten Marken der Hondurassorte ist gegenwärtig Truxillo, nächst dieser M. C. Crown. Ebenfalls gute Sorten sind: Caracas, eine hellbraune Wurzel, nicht häufig zu erlangen; brasilianische, unter dem Namen Lissaboner gehend, weil früher über diesen Platz bezogen, auch Para-, Maranhaowurzel genannt, außen gelbbraun bis braun. Diese drei Sorten werden von einigen Pharmakopöen als allein zulässig bezeichnet. Es kommt aber auch als geringere Sorte viel mexikanische Wurzel nach Europa, welche wohlfeil ist, aber kein empfehlendes Aussehen hat, unrein ist und viel Abgang an Stengeln, Fasern, Knollen und Erde ergibt. Die S. von Tampico ist von ähnlicher Beschaffenheit. Andre geringere Sorten, die im deutschen Handel wenig oder gar keine Bedeutung haben, sind die von Granada, Manzanillo, Costarica, St. Thomas, Jamaika. Die letztere stammt nicht von dieser Insel, sondern von der Moskitoküste. Die im naturellen Zustande aus Amerika kommenden Wurzeln werden von Droguenhäusern größtenteils zur Weiterbegebung gesäubert, die etwa vorhandenen, ganz nutzlosen Wurzelknollen, soweit dies nicht bereits geschehen, entfernt, die dünnen Wurzeln in Stücke von gleichmäßigen Längen zerschnitten, auch wohl gespalten, und in regelmäßige Päckchen gebündelt. Die Bestandteile der Wurzeln, denen man ihre Wirkung zuschreibt und welche in der dicken Unterrinde ihren Sitz haben, sind ein bitter und scharf schmeckendes Harz und ein eigentümlicher kristallisierbarer Stoff, Smilacin, welcher auch kratzend und bitter schmecken soll. Er wird nicht besonders als Kaufware dargestellt. Die Wurzel hat in Europa wie in Amerika eine starke Verwendung und gilt als eines der kräftigsten schweiß- und harntreibenden Mittel, sowie als das beste vegetabilische Remedium gegen veraltete Syphilis; auch braucht man sie gegen Skropheln und Gicht, sowie in andern Fällen, wo es auf eine erhöhte Hautthätigkeit ankommt. Außer in wässeriger Abkochung gebraucht man sie auch zur Darstellung von weingeistigem Extrakt (extractum Sassaparillae) und zu einem Sirup. Der Preis ist oft sehr schwankend und beträgt z. B. für Honduras naturelle Ware ca. 4 Mk. pro kg, geschnitten (concisa) je nach Qualität 47 Mk. - Zoll: S. ist zollfrei. Weingeistiges Extrakt Nr. 5 a des Tarifs. Wässerige Abkochungen, sowie zu Sirup eingedickte Säfte ohne Zuckerzusatz sind zollfrei.

Sassyrinde (Sassybark, cortex Sassy), ein seit wenigen Jahren erst im Droguenhandel bekannt gewordenes Medikament, wurde von England aus als Mittel gegen Wechselfieber und Dysenterie empfohlen und soll in den Vereinigten Staaten schon länger in Gebrauch sein. Die Rinde kommt von der Westküste Afrikas und soll von Erythrophleum guineense abstammen, einem großen Baume mit ausgebreiteten Ästen, doppelt gefiederten Blättern, Blüten in ährenartigen Trauben und Hülsenfrüchten. Das Pulver der Rinde reizt zum Niesen und soll auch brechenerregend und purgierend wirken. - Zollfrei.

Satin ist sog. weißer seidener Atlas (s. d.). Im weitern Sinne begreift man darunter alle seidenen, wollenen, baumwollenen und leinenen Gewebe, welche nach Atlasart mit glänzender Oberfläche hergestellt sind, also in der Weise, daß die Kettenfäden nur an einzelnen zerstreuten Stellen durch die Schußfäden gebunden sind, daher der größte Teil der Kette oben flott liegt und einen Spiegel bildet. Gewöhnlich wird zur Kette feineres Garn genommen als zum Einschuß, und der Glanz durch eine passende Appretur oder Kalandern noch erhöht. Die seidenen derartigen Stoffe führen, je nachdem sie leichter oder schwerer sind, und nach andern kleinern Verschiedenheiten, oder auch ganz ohne Unterschied allerlei Namen wie Satin de Chine, russe, turc etc. Die Baumwollsatins (engl. Sateens) sind meist solche Stoffe, die man in Deutschland englisches Leder zu nennen pflegt. Wollsatins oder Wollatlasse (Satins de laine) sind wollene, härtere oder weichere Glanzstoffe zu Röcken, Möbelüberzügen u. dgl.; es bilden die glatten, einfarbigen Gewebe dieser Art die sog. Lastings. - Satinets sind gewöhnlich halbseidene, bunt gestreifte Zeuge aus Baumwollgrund mit seidenen Streifen, auch Zeuge aus Glanzwolle, die dann Lastings zweiter Sorte abgeben, wie denn auch vom baumwollenen englischen Leder sowohl der Name Satin als Satinet gebraucht wird. - Verzollung: Seidener S. gem. Tarif Nr. 30 e; wollener Nr. 41 d 5; leinener Nr. 22 e und f; baumwollener Nr. 2 d l, 2 oder 3.

Scammonium (Windenharz, gummiresina Scammonium), ein Schleimharz, der milchige, eingetrocknete Saft der Wurzel einer im Orient wildwachsenden Art Winde, Convolvulus Scammonia, Purgierwinde. Das Gewächs hat eine sehr lange Wurzel, aus welcher die Landleute in Kleinasien (um Smyrna) und Syrien das Harz gewinnen, indem sie die Wurzelköpfe entblößen, Einschnitte hineinmachen, den herausquellenden Saft in Gefäßen auffangen und an Sonne und Luft trocknen lassen. Gewöhnlich wird die Masse noch weich nach Smyrna und andern Ausfuhrplätzen gebracht und dort von den Kaufleuten erst durch allerhand Zusätze gefälscht. Durch diese Praxis ist das aus dem Orient gebrachte Harz in ziemlichen Mißkredit gekommen und man zieht es jetzt meistens vor, die getrock-^[folgende Seite]