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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Schuppenfelle; Schwarzkümmel; Schwarzwurz; Schwefel

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Schuppenfelle - Schwefel

springen alle Spalten, weniger schwere fallen durch eine frühere Spalte ab. Schließlich folgt noch eine Sortierung durch Rüttelsiebe und, um die Körner vor Oxydation zu schützen, ein Polieren in Lauftrommeln mit wenig gepulvertem Reißblei. Die verschiednen Sorten des S. werden mit Nummern bezeichnet. Nr. 00 und 0 oder PP, P, 00, 0 geben die gröbsten, Nr. 10-12 oder 14-16 die feinsten Sorten an. - Rehposten, frz. chrevotines, postes, engl. buck-shot, sind S. von 5-6 mm Korndurchmesser; doch versteht man darunter auch cylindrische, durch Guß in Formen oder Pressen hergestellte Geschosse von gleichem Durchmesser. Die feinsten S. von 0,6-1,0 mm Durchmesser heißen Vogeldunst, frz. cendrée, engl. dust shot. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 3 c.

Schuppenfelle. Der Waschbär, die kleinste Bärenart von etwa Fuchsgröße, bewohnt ganz Nordamerika, weniger den hohen Norden, als die Vereinigten Staaten und Kanada; er wird in größter Anzahl in den Staaten Michigan, Wiskonsin, Illinois, Ohio, auch noch in Arkansas und Tennessee vorgefunden und von eigens dazu abgerichteten Hunden gefangen. Die Behaarung der Felle hat dunklere oder hellere graubraune Färbung mit hübschen Schattierungen; sie sind dichtwollig und weich, die 16-21 cm langen Schweife gelbbraun mit schwarzen Ringeln. Es bilden diese Felle einen der wichtigsten Artikel des Rauchwarenhandels und es gehen jetzt über den Leipziger Markt im Jahre durchschnittlich 600000 Stück, um hauptsächlich in Rußland zu verbleiben. Denn wenn Schuppenpelze auch wohl anderwärts Liebhaber finden, so gehören sie in Rußland zur stehenden Volkstracht und bilden das Pelzwerk derjenigen Mittelklasse, welcher Wolfspelze zu schlecht und Bären zu teuer sind. Schwarz oder braun gefärbt bilden seit einigen Jahren auch Schuppen einen Modeartikel, der in Frankreich, England und Deutschland sowohl als in den Vereinigten Staaten selbst stark konsumiert wird. Der Bezug Rußlands aus Amerika geschieht auf dem West- und auf dem Ostwege, auf langer Landreise durch Sibirien. Der Wert der Felle stuft sich nach Qualität und Färbung bedeutend ab und geht von ½ bis 40 Mk. - Zoll s. Marderfelle.

Schwarzkümmel (Nigella Tourn.), Familie der Hahnenfußgewächse, einjährige Kräuter (engl. Fennel-Flower, Golden-Thread, frz. Nielle und Nigelle, ital. Melantio, Nigella, Nepitella). Samen in jeder Kapsel zahlreich, in einer Reihe, schwarz, dreieckig, scharf aromatisch. Angebaut wird: der gebaute oder gemeine S., N. sativa L., auch römischer oder schwarzer Koriander, Katharinenblume, Kapuziner- und Nardenkraut, Nardensamen etc. genannt, 25-30 cm hoch, in Südeuropa, in Deutschland und im Orient (indischer S. Nigella, indica Roxb). Früchte mit fünf bis zehn Kapseln, Samen würzhaft riechend, stechend scharf schmeckend, verwendet wie Kümmel, besonders aber in der tierärztlichen Praxis, oft verfälscht mit dem Samen vom Ackerschwarzkümmel, N. arvensis L., oder vom türkischen S., N. damascena L. (Braut in Haaren, Jungfer im Busch, Gretchen in der Hecke, Damaszener und Gartenschwarzkümmel, Zierpflanze), beide unschädlich, aber auch unwirksam. Die Hauptverwendung des Samens der angebauten Art geschieht zur Ölgewinnung. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 9 d.

Schwarzwurz (Scorzonera L.), Familie der Korbblütler und zwar Gartenschwarzwurz, spanische S., Scorzonere, Schlangengras, Schlangenwurz, spanische Haferwurz und spanische Vipernwurzel; Salsifi, S. hispanica L. (engl. Spanish Vipers Grase, frz. salsifis d'Espagne, holl. speerwortel-speerkruid, ital. scorzonera). Eine sehr beliebte Gemüsepflanze, deren Wurzel ähnlich wie Spargel zubereitet, auch als gelindes Mittel bei Fieberkrankheiten gebraucht wird und geröstet zu Kaffeesurrogat dient; 0,6-1,3 m hoch, zwei- und mehrjährig, mit gelben, wie Vanille riechenden Blüten und großen langen Blättern, auf Kalkboden auch wild vorkommend. Der Anbau verlangt tief gelockerten Boden in offen zugiger Lage, dünne Saat im März oder April in Reihen und gute Dungkraft, aber nicht frischen Dünger. Oft erlangen die Wurzeln schon im ersten Jahre die zum Gebrauch dienliche Größe und Stärke, gute Fingerdicke, meist aber erst im zweiten Herbst. Zum Gebrauch werden sie in frostfreien Räumen eingeschlagen; sie bleiben so lange zart und brauchbar, als beim Zerbrechen noch der Milchsaft ausfließt. Verkauft werden die Wurzeln in Bündeln auf Wochenmärkten; in Deutschland zeichnet sich besonders Bamberg durch den Anbau aus. Der Samen ist zwei Jahre lang keimfähig; 1 kg wird zu 5 Mk. verkauft. Der Preis der Wurzeln ist lokal verschieden. - Zoll: S. samen und frische S. sind zollfrei; getrocknete S. gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2.

Schwefel (lat. sulfur oder sulphur, frz. soufre, engl. sulphur), ein hochwichtiges, in mannigfachster Weise zur Verwendung kommendes Element. Sein Vorkommen in unverbundenem Zustande als sog. gediegner S. knüpft sich vorzugsweise an Gegenden, wo vulkanische Kräfte thätig sind oder einst waren. Er liegt da gediegen als Ausfüllung von Klüften in Tuffstein, Kalk, Gips etc., oder als Durchdringungsmittel von Erdreich, und wird bei noch wirkenden vulkanischen Kräften zum Teil noch fortwährend erzeugt. Vorkommnisse solcher Art heißen Solfataren; es sind dies Erdlöcher, welche immerfort Schwefelwasserstoffgas ausströmen lassen, das sich bei Berührung mit der Luft zersetzt und Krusten von Schwefel an den Mündungen hinterläßt. Zum Teil dringen solche Dämpfe auch in lockeres Erdreich ein und hinterlassen den Schwefel im Gemisch mit diesem. Sehr wahrscheinlich ist überhaupt aller irgend vorfindliche, in offnen Brüchen oder bergmännisch zu gewinnende S. auf die nämliche Art gebildet worden. Eine der großartigsten Solfataren ist die von Puzzuoli bei Neapel; aus ihr bezieht Frankreich fast seinen sämtlichen Schwefelbedarf im rohen Zustande. Große Mengen natürlichen S. finden sich ferner auf den Inseln Sizilien, Lipari, Island und in Mexiko. Die Reinigung des italienischen S. durch Umdestillieren findet