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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Schwefelsaures Ammoniak

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Schwefelsäure - Schwefelsaures Ammoniak

dämpfe in dieselben ein und sie enthalten somit ein langsam durchziehendes Gemisch von Gasen, in welchem eine lebhafte chemische Umsetzung kontinuierlich stattfindet. Die schweflige Säure entreißt der Salpetersäure soviel Sauerstoff, daß sie zu S. wird, die sich mit verdichtetem Wasserdampf niederschlägt. Die Salpetersäure wird hierbei bis zu Stickoxydgas reduziert, dieses aber nimmt aus der mit eingedrungenen Luft wieder Sauerstoff auf und verwandelt sich dadurch in salpetrige Säure, welche den aufgenommenen Sauerstoff wieder an ein neues Quantum schweflige Säure abgibt und so wiederholt sich der Prozeß beständig.

Das Endresultat ist daher immer, daß die Luft den zur Säurebildung nötigen Sauerstoff herzugeben hat und von ihr nur das Stickstoffgas übrig bleibt, welches fortgeschafft werden muß. Am Ende der letzten Kammer steht daher ein Schlot, durch welchen die Gase entweichen und wo durch einen Regen von konzentrierter S. die noch vorhandnen salpetrigen Gase großenteils eingefangen und wieder in den Betrieb zurückgeführt werden. Die sich in den Bleikammern niederschlagende Säure fließt, soweit sie nicht zum Verschluß des Apparats gebraucht wird, immerfort ab.

Sie heißt Kammersäure und hat eine Stärke von etwa 48° Bé., bei welcher sie für manche Fabrikationszweige stark genug ist. Die meiste Säure aber wird durch Eindampfen erst zu größerer Konzentration gebracht, womit zugleich eine Reinigung und Entfärbung bewirkt wird. Das Eindampfen geschieht zunächst durch Sieden in großen flachen Bleipfannen durch direkte Feuerung. Die Kammersäure greift das Blei nur sehr wenig an, und gegen die Hitze von unten schützen Ziegelplatten an den heißesten, Eisenplatten an den vom Feuer entferntesten Stellen. Jedweder Grad von Hitze kann hierbei aber doch nicht gegeben werden, auch würde bei weiterer Konzentration das Blei zu stark angegriffen und zuviel davon gelöst werden; daher wird die Säure auf den Pfannen nur bis auf 60° konzentriert und dann auf Erfordern noch in eine Destillierblase von Platin übergepumpt, das teuerste Stück der Fabrik. Bei der unter der Blase herrschenden stärkern Hitze geht durch das von ihr ausgehende gekühlte Schlangenrohr erst ganz schwache, dann allmählich stärkere Säure über; das Abgetriebene kommt wieder auf die Eindampfpfannen zurück. Zeigt dasselbe 45°, so weiß man, daß das noch in der Blase befindliche 66° hat, und schließt hiermit die Arbeit, indem man die Säure durch einen Heber in die großen, zur Versendung bestimmten Glasballons abläßt, welche etwa 1½ bis 2 Ztr. Säure fassen. Durch die letzte Hitze hat die Säure in der Blase infolge der Zerstörung der färbenden Stoffe ihre braune Farbe verloren und ist wasserhell geworden. -

Zur Reinigung von Salpetersäure, womit die rohe Säure infolge ihrer Bildung immer noch behaftet ist, werden verschiedne Maßregeln getroffen; die Reinigung ist aber öfter unvollständig genug. Die rauchende Säure ist von diesem Übel frei, was einen ihrer Vorzüge ausmacht. Die Stärke von 66° Bé. soll die gewöhnliche konzentrierte Handelsware haben (häufig ist sie aber einige Grade schwächer); es entspricht dies einem spezifischen Gewichte von 1,8460 oder 98% Schwefelsäuremonohydrat. Die Preise betragen 12-13 Mk. pro 100 kg, incl. Ballon, arsenfreie 15 Mk. Die Freiberger Hüttenwerke liefern drei Stärken, 66, 60, 50 Grade, zu 5 Mk., 4 Mk., 3,20 Mk. pro Ztr., ab loco, ohne Ballon. Die rauchende Säure ist in kleinere Flaschen von etwa 15 kg gefüllt und kostet 80 Mk. pro 100 kg; 99 prozentiges Anhydrit wird mit Mk. 3,20 pro kg verkauft.

Die Verwendung der Schwefelsäure ist eine so vielseitige, daß nur einige der wichtigsten Verwendungsarten hier angeführt werden können. Die größten Mengen werden jedenfalls in der Sodafabrikation gebraucht; ferner verwendet man sie überall da, wo Säuren, die schwächer sind, als S. abgeschieden werden sollen, so bei der Fabrikation von Salpetersäure, Phosphorsäure, Chromsäure, Weinsäure, Essigsäure, Zitronensäure etc., sowie auch bei der Bereitung von Äther, Essigäther, Essigsäureamyläther etc.; Stärkezuckerfabriken, Stearinkerzenfabriken, Sodawasser- und Mineralwasserfabriken, Affinieranstalten brauchen viel S.; man gebraucht sie bei der Darstellung von schwefelsaurer Thonerde, Alaun, Kupfervitriol, Zinkvitriol etc., in der Teerfarbenfabrikation, in der Ölraffinerie, zum Reinigen des Petroleums, Solaröls u. dgl., zur Bereitung von Pergamentpapier, Schießbaumwolle und Nitroglycerin, zur Bereitung von Indiglösung und Indigokarmin, zum Abbeizen von Metallen. Große Mengen von S. werden endlich jetzt zur Herstellung von Superphosphaten aus Knochenmehl, Apatit, Phosphoriten und Guano verbraucht, doch benutzt man hierzu gewöhnlich Kammersäure.

Zu medizinischen Zwecken und für chemische Laboratorien braucht man eine vollständig chemisch reine Säure (acidum sulfuricum purissimum). Die gewöhnliche S. enthält sehr häufig kleine Spuren von Arsen und schwefelsaurem Bleioxyd, zuweilen auch salpetrige Säure, Salpetersäure und Selen. Die S. ist eine der wenigen Flüssigkeiten, welche, im offenen Gefäß stehen gelassen, nicht eintrocknen, sondern durch Wasseranziehung sich sogar vermehren. Die Säure muß daher auch stets in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden; diese dürfen nicht mit Kork, sondern müssen mit Glas- oder Thonstöpsel verschlossen sein. Die Produktion von englischer S. im Deutschen Reiche war:

1877: 1863937 Ztr.

1878: 1776744 "

1879: 1970500 "

1880: 2594520 "

1881: 3938840 "

Die Einfuhr von S. war 1881 11542100 kg, die Ausfuhr 8158900 kg. - Zollfrei.

Schwefelsaures Ammoniak (Ammoniumsulfat, schwefelsaures Ammoniumoxyd; lat. Ammonium sulfuricum; frz. sulfate d'ammoniaque; engl. sulphate of ammonia). Dieses Salz wird jetzt ebenso wie der Salmiak (s. d.) in sehr bedeutenden Mengen aus den Gaswässern der Gasanstalten fabriziert; man neutralisiert zu diesem Zwecke entweder das Gaswasser direkt mit