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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Seife

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Seife - Seife

gesotten, sondern Fett und Ätzlauge in bestimmten Verhältnissen werden bei etwa 80° C. Hitze nur zusammengerührt, bis eine zähe Masse entsteht, sodaß sich also gar keine Unterlauge mehr bildet. Man nennt daher dergleichen Ware auch gerührte S. Ein wohlfeiles Mittel zur Massevermehrung ist Harz, gewöhnlich nordamerikanisches. Derartige Harze oder Kolophone verhalten sich ebenfalls wie schwache Säuren und lassen sich mit ätzenden Alkalien zu seifenartigen Massen zusammenkochen. Es sind aber solche Harzseifen für sich nicht wohl brauchbar, sondern dienen nur als Zusatz für solche, in denen Palm- und Kokosöl die Hauptbestandteile sind. Man verseift Harz und Fette gesondert und mischt dann beides zusammen. S. mit Harzzusatz sehen braun oder gelb aus. -

Wasserglas ist auch ein gebräuchlicher Zusatzartikel; man rührt es unter die S., bevor dieselbe in die Formen gefüllt wird. Obschon es durch seinen Überschuß an Ätznatron kein unpassender Bestandteil und eigentlich selbst schon eine Art S. ist, so bezweckt seine Anwendung doch nur einen Fabrikvorteil; es macht nämlich die schlechteste S. ebenfalls sehr hart und durch seinen Kieselsäuregehalt bedeutend ins Gewicht fallend. Gröbere Verfälschungen sind Zusätze von Kartoffelmehl, Pfeifenthon, Kreide, Kleie u. dgl. -

Je wasserhaltiger eine S. ist, um so mehr verliert sie natürlich an Gewicht und Volumen bei längerm Liegen; sind viel Laugenteile und Salze mit eingearbeitet worden, so verrät sich dies hierbei durch kristallinische Ausblühungen. Der Wassergehalt einer S. ist zu ermitteln durch Austrocknen einer geschabten und abgewogenen Probe an einem mäßig warmen Orte durch ein paar Tage mit nachheriger Wiederholung des Wägens. Die S. hat dann noch 3¼% Wasser, welches sie fester gebunden hat und in mäßiger Wärme nicht fahren läßt. Das Auflösen geschabter S. in 6-8 Gewichtsteilen starkem Spiritus in der Wärme kann über das Vorhandensein der meisten ungehörigen Zusätze belehren. Die Lösung darf sich nur trüben oder einen sehr geringen Absatz geben; jemehr Bodensatz, desto weniger wirkliche S. ist vorhanden. Da der wirkliche Wert einer Seife nur von ihrem Fettgehalt abhängt, so ist sie um so besser, jemehr Fettsäure sich aus einer Probe ziehen läßt. Wird eine abgewogene Probe Seifenspäne in destilliertem Wasser in der Wärme völlig gelöst und etwas Säure (Salz- oder verdünnte Schwefelsäure) zugemischt, so wird die S. zersetzt und die Fettsäure bildet eine obere Schicht, die aber nach dem Erkalten zu weich bleiben würde, um sie handhaben zu können. Man schmilzt daher noch eine gewisse, gewöhnlich der angewendeten S. gleiche Quantität Wachs hinzu und erhält nach dem Erkalten eine abnehmbare Scheibe, die man abtrocknet oder besser noch einmal bis zur Verjagung aller Feuchtigkeit in einem Schälchen schmilzt. Nach Abzug des Gewichtes für das Wachs erhält man dann den Fettgehalt, aber etwas zu hoch, daher man zur Korrektur noch 1/10 zurückrechnen soll. Der Fettgehalt guter echter Kernseife ist 66-70%; häufig gibt die Ware nur ca. 50; es gibt aber S. genug mit einem Fettgehalt von noch nicht 34%. -

Kaliseifen erlangen, wie schon bemerkt, keine Festigkeit, sondern bleiben weiche, wasseranziehende Massen, sog. Schmierseifen. Es ist thunlich, in dieser S. ⅓ des Kali durch Natron zu ersetzen, das aber kein Kochsalz enthalten darf. Talg wird zu dieser Seifengattung in der Regel nicht mit verwendet, außer etwa, wenn man sie im Sommer etwas konsistenter haben will. Die gewöhnlichen Fettstoffe zur Kali-S. sind Leinöl, Hanföl, Fischthran, Olein aus Stearinfabriken. Die Hanfölseife ist dunkelgrünlich, die übrigen sind hellbraun, meist übelriechend, am meisten die Thranseifen. Die Bereitung solcher S. ist sehr einfach, da Öl und Lauge bloß zusammengekocht werden, bis die Verbindung erfolgt und der verlangte Konzentrationsgrad erreicht ist. Man läßt dann die Masse erkalten und füllt sie in kleine Fässer. In solchen sog. schwarzen, grünen oder Schmierseifen bleibt also alles beisammen, Glycerin, Laugenüberschuß und Unreinheiten. Man braucht dergleichen S. in Walkereien, zur Wollwäsche, Leinwandbleicherei, beim Kattundruck, zum Färben von Rotgarn etc. Die Elainseife dient besonders auch zum Entschälen der Seide. -

In den südeuropäischen Ländern hat von jeher zu harten S. das Olivenöl geringerer Qualität die Stelle eingenommen wie bei uns der Talg; man verarbeitet aber daneben und dazwischen viel Sesamöl. Die Fabrikation der Ölseifen im Süden für Selbstverbrauch und Export ist sehr beträchtlich. Man gibt solcher S. den Namen venetianische, spanische, Marseiller; sie kommt teils aus Italien, teils aus Frankreich, wird aber jetzt auch viel bei uns fabriziert. Im Süden hat die Pottasche bei der Seifenbereitung nie gedient, sondern es ist immer direkt Ätznatronlauge gebraucht worden, früher aus Meerpflanzenasche, jetzt aus künstlicher Soda gezogen. -

Die feineren S., Toilettenseifen genannt, erhalten verschiedne Zusätze, die man der fertigen noch warmem Ware einverleibt. Solche Zusätze sind Farbstoffe und Parfümerien, Mandelkleie, Glycerin, Galle, Bimsstein etc. Das Parfümieren feinerer S. geschieht jetzt durch das sog. Filieren mittels der Piliermaschine, durch welche das ätherische Öl mit der fertigen S. durcheinander gearbeitet wird, oder auch indem man die S. bei möglichst niedriger Temperatur schmilzt und dann das ätherische Öl zusetzt. Gallseifen schätzt man zur Wäsche feiner Woll- und Seidenzeuge; sie enthalten aber meist nur wenig und öfter gar keine Galle. Die Marseiller S. hat einen alten Ruf wegen ihrer, der Haut wohlthuenden Milde. Sie verdankt diese Eigenschaft nur der Liegezeit, die man sie durchmachen läßt, bevor sie in den Handel kommt. Zum Apothekergebrauch dient entweder Marseiller oder selbstgefertigte medizinische S. aus Natron und gutem Provenceröl, welche nachgehends bei höherer Temperatur völlig ausgetrocknet und gepulvert wird. -

Schaumseife wird aus gewöhnlicher in der Art bereitet, daß man dieselbe wieder zu heißem Seifenleim auflöst, den man durch eine Flügelwelle so lange schlagen läßt, bis das Ganze in Schaum verwandelt ist. Diesen