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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Sisal; Skunks

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Sirup - Skunks

Backwaren, z. B. Pfefferkuchen. Aus einem andern Teil wird nach den neuren Methoden der noch darin vorhandene kristallisierbare Zucker gewonnen. - Der Rübensirup oder die Rübenmelasse ist bedeutend geringwertiger als die Rohrmelasse (Kolonialsirup); denn außer einem ekelerregenden Geruch besitzt diese dunkelbraune, undurchsichtige Rübenmelasse auch einen widerwärtigen, anfänglich süßen, hinterher stark salzigen Geschmack, der von der großen Menge Salze herrührt, welche die Rübe aus dem Boden aufgenommen hat und welche sich fast sämtlich in der Melasse wiederfinden. Auch sind noch andre organische Bestandteile vorhanden, die in der westindischen Melasse nicht vorkommen. Aus diesem Grunde konnte dieser S. früher nur von ganz armen Leuten als Versüßungsmittel benutzt werden; jetzt hat man gelernt, ihn zu reinigen und in besserer Qualität herzustellen, sodaß man Kolonialsirup nur noch selten in den kleinern Verkaufsläden findet. Ein Teil des Rübensirups wird auch auf Spiritus verarbeitet (Melassebrennerei). Die Hauptmenge wird aber jebenfalls ^[richtig: jedenfalls] jetzt benutzt, um den noch darin enthaltenen kristallisierbaren Zucker abzuscheiden und zu gewinnen, was früher nicht möglich war. Es sind für diesen Zweck verschiedne Methoden in Anwendung gekommen, die sich auf zwei Hauptarten, das Elutionsverfahren und das Osmoseverfahren zurückführen lassen, die wieder in verschiednen Modifikationen in Anwendung kommen; hieran reiht sich noch das in neuester Zeit in Vorschlag gekommene Strontianverfahren. Das Elutionsverfahren beruht darauf, daß man den noch kristallisierbaren Zucker der Melasse an Kalk bindet und den trocknen Zuckerkalk durch Auswaschen mit mäßig verdünntem Spiritus von fremden Stoffen befreit; den Zuckerkalk verwendet man dann gleich mit als Scheidekalk bei der Zuckerfabrikation, während man den Spiritus durch Destillation wieder erhält. Das Osmoseverfahren besteht im wesentlichen darin, daß man die Melasse mit Wasser verdünnt, mit etwas Kalk versetzt und in geeigneten Apparaten durch Pergamentpapier diffundieren läßt. Der Zucker als Kristalloid geht hierbei durch das Pergamentpapier hindurch, während die schleimigen Massen zurückbleiben. Dieses Verfahren leidet nur an dem Übelstande, daß das Pergamentpapier in so großen Flächen schwierig ohne alle Fehler (dünne Stellen u. dgl.) herzustellen ist; man will diesem Übelstande neuerdings dadurch begegnen, daß man bei der Fabrikation des Pergamentpapiers zwei Stücke übereinander befestigt, sodaß ein dickeres Papier entsteht. - In der Campagne 1877-78 waren im Deutschen Reiche 80 Fabriken, in welchen das Osmoseverfahren eingeführt war, und 12, in denen man nach dem Elutionsverfahren arbeitete; 1878-79 arbeiteten 111 Fabriken nach dem Osmoseverfahren und 35 nach dem Elutionsverfahren. - Trotz dieser Vermehrung ist man mit beiden Methoden doch nicht vollständig befriedigt und beide leiden noch an gewissen Mängeln. Das sog. Strontianverfahren besteht darin, daß man den Zucker der Melasse an Strontian bindet und dann den Strontianzucker (Strontiansaccharat) wieder durch Kohlensäure zersetzt. Man wendet hierzu Strontiumoxydhydrat an, welches man durch Glühen von natürlichem Strontianit und Behandeln des geglühten Minerals mit Wasser erhält. Die Bildung des Strontiumsaccharates muß in der Siedehitze geschehen, am besten durch Einleiten von gespanntem Dampf; es scheidet sich das Strontiansaccharat dann als ein schweres, sandiges Pulver ab, welches sich von der Nichtzuckerlösung besser trennen läßt, als das entsprechende Kalksaccharat mit seiner gelatinösen und voluminösen Beschaffenheit. Die Trennung des Strontiansaccharates von der Mutterlauge muß noch heiß geschehen, da das Saccharat beim Erkalten teilweise wieder in Strontianhydrat und Zucker zerfällt; man kann daher einen Teil des Hydrates schon wieder gewinnen, ohne daß man nötig hat, Kohlensäure einzuleiten; nur der Rest wird durch die Kohlensäure in Form unlöslichen kohlensauren Strontians entfernt. - Über die Menge von kristallisierbarem Zucker, die man aus der Melasse nach dem Strontianverfahren im Großbetriebe erhält, sind noch keine Zahlen bekannt geworden, dagegen hat man gefunden, daß durch das Osmoseverfahren 18-24%, durch das Elutionsverfahren 35-39% Rohzucker aus der Melasse erhalten werden. Die Einfuhr von S. und Rohrmelasse in das Deutsche Reich belief sich 1881 auf 5030900 kg, die Ausfuhr auf 16767900 kg. - Zoll: Fruchtsirup Nr. 25 p 1 des Tarifs im Anh., Melasse Nr. 25 u.

Sisal (Grashanf), ist Aloehanf (s. d.), kommt aber von einer besondern Art von Agave aus Yukatan (Agave Sisal), so genannt, weil sie zuerst bei der gleichnamigen Stadt in Yukatan zur Gewinnung des Faserstoffs benutzt wurde. Das Gewächs kommt übrigens in allen Gegenden des tropischen Amerika vor. - Zoll s. Aloehanf.

Skunks (Stinktierfelle). Das Stinktier ist ein iltisgroßes Waldtier Nordamerikas, von wohlgefälligem Äußern, aber gefürchtet wegen seines abscheulichen Geruchs, der ihm als Verteidigungswaffe dient, indem es einen, in einer Drüse befindlichen, stinkenden Saft mittels seines langen grobhaarigen Schweifes dem Feinde entgegenschleudert. Erst nach vielen Versuchen hat man vor 20 Jahren Mittel gefunden, die Felle zu entstänkern, und sie sind daher ein verhältnismäßig neuer Marktartikel. Das Tier (Mephitis putorius) lebt im Norden der Vereinigten Staaten, besonders häufig in Ohio, dann auch in Michigan, Illinois und Britisch-Amerika. Die Felle sind 38 cm lang und 19 cm breit. Das 4 cm lange dunkelbraune oder schwärzliche Haar gibt die allgemeine Färbung, die jedoch unterbrochen wird durch zwei auffällige weiße Streifen, welche vom Kopfe zu beiden Seiten des Rückens bis zum Schwänze hinlaufen. Diese, übrigens auch grobhaarigen, hellen Partien werden ausgeschnitten und nur die dunkeln Teile benutzt, die zusammengesetzt ein angenehmes und beliebtes Pelzwerk geben. Die Felle kommen daher jetzt in wachsender Menge nach Europa und die jährliche Einfuhr beträgt schon über 600000 Stück; im Jahre 1879 wurden