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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Soda; Sonnenblume; Sonnenblumenöl; Soya

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Soda - Soya

aus dem Auslande bezogen werden müssen. In Deutschland wurden im Jahre 1881 eingeführt: 9093200 kg kalcinierte S. (13% Tara) und 14568500 kg rohe und kristallisierte S. (10% Tara). Die Ausfuhr belief sich in demselben Jahre auf 2783500 kg kalcinierte und 3735100 kg kristallisierte und Rohsoda. -

Die S. kann noch einmal so viel Kohlensäure aufnehmen als sie schon hat, und diese zweite Portion Säure läßt sich dem Salz leicht einverleiben, indem man dasselbe eine Zeitlang mit Kohlensäuregas in Berührung läßt, bis eine Probe die völlige Sättigung anzeigt. Man hat nun das doppelt oder zweifach kohlensaure Natron (Natriumbikarbonat, Natrum bicarbonicum), eine bekannte Substanz durch ihren häufigen Gebrauch zur Herstellung von Brausepulvern, Magenpastillen u. dgl. Das populäre Bullrich's Salz ist nichts andres als gewöhnliches doppeltkohlensaures Natron mit Glauber- und Kochsalzgehalt.

Das Plus von Kohlensäure hat die stark laugenhaft schmeckende S. zu einem milden, nur noch wenig alkalisch schmeckenden Stoffe gemacht. Die Fabrikation dieses Artikels geht ebenfalls sehr ins Große. Man breitet dabei die S. in Kammern auf Horden aus, die mit Leinen überspannt sind, und leitet einem Strom Kohlensäure hinein. Die Bindung derselben mit dem Salz geht sehr energisch von statten, die Masse erwärmt sich, wird sehr feucht und läßt Flüssigkeit abtropfen, da die kristallisierte S. hierbei 9/10 ihres Wassergehalts fahren läßt. Das Wasser nimmt aber Salz in Lösung mit und das Abfließende ist daher eine brauchbare Sodalauge. Wenn statt lauter kristallisierter S. ein Gemenge von solcher mit kalcinierter angewandt wird, so geht die Umbildung trockner, ohne Ablauf, von statten. Da aber die letztere gewöhnlich nicht so rein ist wie jene, so wird auch das neue Salz auf diese Art nicht von bester Qualität erhalten.

Man erhält das Salz teils in harten, weißen, undurchsichtigen feinkristallinischen Krusten, teils als weißes Pulver. Längere Zeit der Luft ausgesetzt, verliert es einen Teil seiner Kohlensäure, namentlich auch, wenn es zu warm lagert. Die Probe, ob es noch in gutem Zustande ist, wird so gemacht, daß man eine kalt zubereitete verdünnte Lösung desselben in eine solche von Bittersalz gießt. Entsteht kein Niederschlag, so ist das Salz gut oder man setzt eine Lösung von Quecksilberchlorid zur Natronbikarbonatlösung; es darf hierdurch nur eine schwache weiße Trübung entstehen; bildet sich ein gelbroter Niederschlag, so hat das Salz Kohlensäure verloren oder war überhaupt nicht genügend damit gesättigt.

Die Einfuhr von doppeltkohlensaurem Natron in Deutschland belief sich im Jahre 1881 auf 433700 kg (mit 13% Tara), die Ausfuhr auf 107400 kg. Seit einiger Zeit findet man im Handel zuweilen doppeltkohlensaures Natron, welches bis zu 2½% kohlensaures Ammoniak enthält; diese Ware stammt jedenfalls aus Ammoniaksodafabriken; man erkennt sie leicht an dem stechenden Ammoniakgeruche, der beim Erhitzen mit etwas Kalilauge auftritt. - Zoll: S., rohe, natürliche (Tronasalz), ferner künstliche, kristallisierte Nr. 5 g des Tarifs im Anh., kalcinierte S., sowie doppeltkohlensaures Natron Nr. 5 f. Glaubersalz, Salzsäure und Schwefelcalcium sind zollfrei.

Sonnenblume (Sonnenrose, Helianthus L., Familie der Korbblütler, Unterabteilung Corymbiferen, Gruppe Heliantheen, engl. Sunflower, frz. hélianthe und soleil) und zwar davon einjährige oder große indische S. (Sonnenrose, Sonnenkrone), H. annuus L. - Common S., Annual S. - fleur du soleil, tournesol und hel. grand, holl. zonnebloem, ital. tornasole, Ölpflanze für kräftigen, nicht zu losen Boden, angebaut im großen hauptsächlich in Rußland, in Gärten und zur Einfassung von Feldern auch in Deutschland und anderwärts, als Feldpflanze auch in Ungarn, Italien, England, China; einjährig, bis zu 2 m hoch und höher, mit gesägten Blättern, aufrechtem, ästigem, starkem Stengel, scheibenförmigen, bis 30 cm Durchmesser großen Blütenköpfen, gelber Blumenkrone und zahlreichen mattstahlgrauen großen Samen, bis zu 2000 auf einer Scheibe; heimisch in Peru und Mexiko.

Die Saat erfolgt im April, in Abständen von 0,64 m; Saatbedarf 15 kg, Ertrag 15-20 hl. Die Blätter dienen als Futter, die Stengel als Brennstoff. Die Pflege erstreckt sich auf öfteres Behacken und Behäufeln, Ausbruch der Nebentriebe und der Blütenscheiben bis auf 4; die Samen werden ausgeklopft. Ernte im Oktober. Vögel, Rostpilze, Regen und Wind beeinträchtigen den Ertrag. Rußland liefert über 100000 Ztr. Samen. Die Handelsgärtner liefern das kg zu 1,8 Mk. - S.-samen ist zollfrei. S.-Öl gem. Tarif Nr. 26 a 1 oder 2.

Sonnenblumenöl (oleum helianthi). Die aus Mexiko stammende stattliche Sonnenblume (Helianthus annuus) mit ihren großen Blütenscheiben, bis zu 3 dm Durchmesser, ist bei uns mehr Zier- als Nutzpflanze und die Samenkörner fallen nach ihrer Reife meistens den Vögeln anheim, obgleich nicht unbekannt ist, daß sich aus denselben ein fettes Öl pressen läßt und die Rückstände ein gutes Viehfutter abgeben. Anderwärts wird sie als Nutzpflanze angebaut, so in Ungarn, Italien, England, China, Rußland. Für das letztere namentlich ist die Sonnenblume eine Handelspflanze geworden, denn von dorther kam vor einigen Jahren zuerst das Öl in den Handel; es bildet jetzt an den norddeutschen Plätzen einen stehenden Artikel.

Schon 1864 wurden in Rußland über 100000 Ztr. des Öls gewonnen, von welchem die schwarzen Samen 15-16% geben. Es ist, kalt gepreßt, ein schmackhaftes Speiseöl, dessen Hauptverwendung auch dahin geht, nur daß man es hauptsächlich benutzt, um Baumöl damit zu verschneiden. Warm gepreßt dient es nur zur Bereitung von Seifen, als Brennöl und ist als trocknendes Öl auch zum Malen sehr brauchbar. Der Marktpreis desselben ist gewöhnlich zwischen 42 und 45 Mk. pro Ztr. - Zoll gem. Tarif Nr. 26 a 1 oder 2.

Soya, ein brauner, scharfer Saft, der aus China und Japan eingeführt wird und zur Würze an Braten, Saucen, Fisch und andre Speisen dient, aber, um angenehm zu sein, sparsam verwendet werden muß. Der Artikel wird bereitet aus einer kleinen Bohne von der Hülsenfrucht-^[folgende Seite]