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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Spanischer Pfeffer; Spanish Stripes; Spargel

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Spanischer Pfeffer - Spargel

pflanze Dolichos Soya. Man soll die Bohnen kochen, mit gerösteter Gerste in Salzwasser einlegen und 2-3 Monate stehen lassen. Sie machen dabei eine Art Gärung durch und es scheint die Prozedur Ähnlichkeit mit dem Einlegen von Kraut und Gurken zu haben. Aus der vergorenen Masse wird schließlich der Saft abgepreßt und filtriert.

Die Ware kommt teils in verkorkten Glasflaschen, teils (aus Japan) in kleinen Fäßchen in den Handel. Die japanische S. gilt als die bessere; sie ist bei den Japanesen selbst im täglichen allgemeinen Gebrauch. Die Ware ist von ziemlich ungleicher Qualität und muß das Bessere am Geruch und Geschmack erkannt werden. Man vermutet, daß grobe Fälschungen damit vorkommen. In England hat man eine Probe, welche darin besteht, daß man etwas davon in einem Glase schüttelt; wenn hierauf nicht ein glänzend gelbbraunes Häutchen auf der Oberfläche sich bildet, so gilt die Ware für schlecht. - Zoll gern. Tarif Nr. 25 p 1.

Spanischer Pfeffer (Guineapfeffer, Beißbeere; piper hispanicum, fructus capsici), ein naher Verwandter des Cayennepfeffers und zuweilen selbst mit diesem Namen belegt, besteht aus den getrockneten lederartigen, äußerlich hochroten Fruchthülsen der einjährigen, zu den Solaneen oder Nachtschattenpflanzen gehörigen Pflanze Capsicum annuum, die aus Südamerika stammt, jetzt aber in allen wärmern Erdstrichen gezogen wird und auch bei uns in Gärten vorkommt, hier aber in der Regel in Größe und Färbung der Früchte sehr zurückbleibt.

Die Ware ist geruchlos, entwickelt aber beim Reiben einen scharfen, zum Niesen reizenden Staub; der Geschmack ist brennend scharf. Das Land, welches uns mit diesem beißenden Gewürz, dort Paprika genannt, versorgt, ist Ungarn. Die Pflanze wird dort schon des starken Selbstkonsums halber häufig gebaut; die Ernten mißlingen indes nicht selten und die Ware steigt dann bis zum Doppelten der gewöhnlichen Preise. Die ungarischen „Paprikaschoten“ werden umsomehr geschätzt, je größer sie sind und je feuriger ihr Rot ist. - Zoll s. Tarif Nr. 25 i.

Spanish Stripes heißen im auswärtigen Handel gewisse, in Deutschland (Sachsen und anderswo) fabrizierte Sorten leichter Tuche, die nur für den Export nach China und überhaupt Asien bestimmt sind.

Spargel, Asparagus L., Familie der Liliengewächse, Gruppe der Asparageen (engl. Asparagus, frz. asperge), und zwar der gemeine oder Gartenspargel (Aspars, Sparse, Sparschen, Korallenkraut, wilder, Wald- und Wiesenspargel), Asp. officinalis L., A. altilis Aschrsn (Spop A., asp. commune, officinale, vente, holl. aspersic, ital. asparago, sparago), bekannte Gemüsepflanze, deren jugendliche Sprossen, Stangen, im Frühjahr gestochen werden, ausdauernd, 0,6-1,3 m hoch, mit grünlichgelben Blüten und schwarzen Samen in roten Beeren, angepflanzt mit gut kultivierten, verpflanzten, ein- bis dreijährigen Pflanzen, gezogen aus im Frühjahr gesätem Samen; die Pflänzchen werden bei etwa 5 cm Länge 20 cm von einander entfernt in Reihen verpflanzt und rein von Unkraut gehalten, die S. dann auf die Beete in Gräben oder neuerdings auf Hügeln in 60 cm weiten Abständen in gut gedüngten Boden gebracht (reichlich Stalldünger mit Kalisalz). Der S. braucht reiche Dungkraft und muß völlig rein von Unkraut gehalten, auch von Zwischenkulturen befreit bleiben.

Die Anlage und Unterhaltung der Spargelbeete ist eine sehr kostspielige; man rechnet für Rajolen des Bodens, Düngung, Auswerfen der Gräben oder Hügel und Pflanzung bis über 1000 Mk. Kosten und an jährlichen Kulturkosten mindestens 600 Mk. Die Dauer der Beete ist 15-18 Jahre, der Ertrag vom 3. Jahre an zu rechnen. Gute Beete geben dann in 65 Tagen Stechzeit bis 1300 kg, welche im großen zu 80 Pf. bis 1 Mk., in schlechten Jahrgängen, kaltes, nasses Frühjahr, auch mit 1,20 Mk. verkauft werden. Trotz der hohen Kosten lohnt die Kultur außerordentlich, sodaß man z. B. in Schwetzingen bis 1920 Mk. Ertrag und als Reinertrag mindestens 1200 Mk. rechnet, in Argenteuil in Frankreich 1600 bis 1700 Mk. Ertrag beim Preise der Pflanzen bis zu 5 und 6 Mk. pro Hundert; in Deutschland kostet das Hundert 1-2 Mk. -

Die S. werden jetzt an einigen Orten in großartigem Umfang gebaut, besonders in Ulm, Schwetzingen, Braunschweig, Wolfenbüttel, Erfurt, Frankfurt a/M., Darmstadt, Bamberg, Mainz, Berlin etc., in Belgien, Holland, England, Frankreich, neuerdings in Algier, von wo aus ein großartiger Export stattfindet. Der Zweck der Zucht geht auf Erzielung möglichst starker, langer, weicher Stangen; bei Nässe und Kälte oder bei Mangel an Kali im Boden werden die Stangen hart, klein, fasrig -

Suppenspargel. Die Farbe muß hellgelblich sein, nicht grünlich. Die Güte des S. ist bedingt durch das Asparagin, Säuren, Zucker, Gummi und den Aschegehalt (frisch 0,81, besonders Kali mit Phosphorsäure). Die Samen enthalten ein fettes Öl, die reifen Beeren Traubenzucker und einen roten Farbstoff, Stengel und Kraut Inosit. Das Asparagin wirkt als harntreibendes Mittel. Zur Samengewinnung müssen die Beeren zerquetscht und in Wasser eingerührt werden; 1 kg kostet 1,50-3 Mk., je nach Sorte. Die frischen S. sind Gegenstand des Lokal- und des Welthandels, des Groß- und des Kleinhandels; in den Städten kostet 1 kg (Verkauf in Gebunden zu ¼-½ kg) zu Anfang der Saison oft über 3 Mk., später zur letzten Zeit bis herunter zu 2 Mk., Suppenspargel oft bis ca. 1 Mk. Neuerdings werden die S. in Dosen, Gläsern und Büchsen eingemacht, um sie auch außerhalb des Frühjahrs genießen zu können.

Man verkauft Schnittspargel pro kg zu 1-2,75 Mk., Spargelspitzen zu 4,50 Mk., Braunschweiger Riesenspargel zu 3,50 Mk., Stangenspargel prima zu 2,80-3 Mk., lange zu 4 Mk., lange dicke zu 4-5 Mk. Die Herstellung geschieht in großen Fabriken an den Hauptorten für Spargelzucht oder anderwärts. Der Same findet auch Verwendung als Kaffeesurrogat. - S.samen und frischer S. sind zollfrei. S.konserven (in hermetisch verschlossenen Gläsern, Büchsen etc., eingemachter S.) gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1.