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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Stärke

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Stahlfedern - Stärke

in metallenen Trommeln, die über offenem Feuer langsam gedreht werden. Da die Federn hierbei farbig anlaufen, werden sie in Drehtonnen mit Sand erst wieder blankgescheuert. Dann gelangen sie in den Schleifsaal, wo jede Arbeiterin eine von Maschinenkraft gedrehte Schleifscheibe vor sich hat. Hier erhalten die Federn durch ein fast augenblickliches Anlegen mittels einer Zange an die Scheibe den Anschliff, den jede Feder auf der Oberseite des Schnabels zeigt, und welcher den Zweck hat, diesen bis zur Spitze mehr und mehr zu verdünnen, um ihn elastischer zu machen. Von dem Schleifen soll die Güte der Feder hauptsächlich abhängen. Die letzte Arbeit ist das Anbringen des Mittelspaltes im Schnabel. Eine, den frühern im allgemeinen ähnliche, Handdruckmaschine, welcher die Federn einzeln untergeschoben werden, besorgt dies, indem sie eine scharfe Kante des Oberstempels an einer solchen des untern vorbeischiebt, durch eine Art Scherenschnitt.

Die somit fertigen Federn können von Schärfen und Rauhheiten nicht frei sein und die geringen Sorten haben solche in der That noch an sich. Man bringt sie daher in größern Mengen in blecherne Cylinder, die kürzere oder längere Zeit gedreht werden, wobei die Federn sich gegenseitig die scharfen Ränder abstumpfen und runden. Die bessere Ware wird endlich nach der Beschaffenheit des Schnabels noch sortiert. Man prüft die Federn einzeln durch einen Druck auf einen Daumenring und sondert sie hiernach in erste, zweite und dritte Sorte.

Viele Federn erhalten noch irgend eine Behandlung, die ihr äußeres Ansehen verändert. Manchen gibt man einen Firnis von Schellack oder Guttapercha, andre werden bronziert, d. h. man läßt sie in einer Blechtrommel über Feuer gelb, braun oder blau anlaufen. Manche werden mit sauren Beizen, Cyankalium u. dgl. behandelt und dadurch dunkel- oder hellgrau gemacht. Nur auf diese äußere Ausstattung gründen sich Benennungen wie Kupferfedern, Amalgam-, Zement-, Zinkkompositionsfedern und andre. Die Masse ist immer Stahl. Durch die Berührung mit der Tinte oxydiert der Stahl ziemlich rasch; es bleiben daher die S. nicht lange brauchbar. Man kann diesem Übelstande dadurch abhelfen, daß man den Federn eine starke Vergoldung gibt. Um das Abschleifen der Spitzen bei dem Schreiben und den dadurch eintretenden stärkern Verbrauch zu beseitigen, werden Federn mit Diamantspitzen versehen. Diese sind natürlich sehr teuer, halten aber auch bei guter Befestigung der Spitzen und schonender Behandlung viele Jahre. -

Die S. kommen in unendlich vielen Sorten im Handel vor, die sich durch die Gestalt der Spitze, des Schaftes, Härte etc. unterscheiden. Für einzelne Schriftarten sind sogar besondere Federn entstanden, z. B. für Rundschrift die Rundschriftfedern von Soennecken in Bonn. -

Die S. ist nur als Massenartikel eine neuere Erscheinung, denn Metallfedern waren neben den Posen schon im Mittelalter im Gebrauch und manche noch vorhandenen Bücher sind offenbar mit solchen geschrieben. Dieselben bestanden aus dünnem Eisen-, Kupfer- und Messingblech und wurden von den Schreibern gewöhnlich selbst zurecht geschnitten. Später gab es auch stählerne, von Mechanikern gefertigte, die etwa 1 Mk. das Stück kosteten, wofür man jetzt allerdings ein ganzes Gros recht gute oder vier Gros schlechte S. kaufen kann. - Zoll: S. (zum Schreiben) auch mit vergoldeten Spitzen gem. Tarif Nr. 6 e 3 γ.

Stärke (lat. amylum, frz. fécule oder amidon, engl. starch). Das Stärkemehl, welches viele Pflanzen in ihren Samen, Wurzeln oder Knollen, oder, wie die Palmen, im Mark des Stammes ansammeln, ist für dieselben ein Reservenahrungsstoff, der in folgenden Wachstumsperioden wieder in Auflösung geht und, in Zucker umgewandelt, zu Neubildungen verwendet wird. Im menschlichen und tierischen Magen verdaut, unterliegt die S. derselben Verwandlung und sie hat demnach für die Ernährung des Organismus nur die Bedeutung wie Zucker.

Je nach der Pflanze, von welcher man die S. gewinnt, hat man verschiedne Sorten, die sich zwar morphologisch, nicht aber hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden; diese ist bei allen Sorten die gleiche. Manche Stärkesorten, wie Arrowroot, Sago, Tapioka, werden aus weiter Ferne eingeführt. Es sind an dieser Stelle diejenigen Stärkesorten zu besprechen, welche bei uns fabrikmäßig hergestellt und massenhaft verbraucht werden, hauptsächlich zu technischen Zwecken. Es sind dies die Weizen-, die Kartoffel- und die Reisstärke. -

Weizenstärke. Das Weizenkorn besteht aus Hülse, Kleber und S., welche zum Behuf der Stärkgewinnung zu trennen sind. Weizenmehl enthält nur noch die beiden letztern, und wenn der Stärbefabrikant ^[richtig: Stärkefabrikant] von diesem ausgeht, ist die Trennungsarbeit einfacher. Es wird das Mehl mit Wasser zu einem steifen Teig geknetet und dieser in Portionen von 4-5 kg auf einem feinen Siebe, über welches eine Brause einen fortwährenden Regen ergießt, so lange durchgearbeitet, bis das Wasser nicht mehr milchig abfließt. Man behält dann auf dem Siebe den größten Teil des Klebers zurück, der zu Nahrungszwecken brauchbar ist, wie in dem betreffenden Artikel näher angegeben. Die durch das Sieb gegangenen Flüssigkeiten enthalten das Stärkemehl, aber noch untermengt mit etwas fein verteiltem Kleber, welcher nur so entfernt werden kann, daß man ihn durch einen Gärungsprozeß löslich macht. Die Masse wird deshalb auf Bottichen mit einem sauren Ferment versetzt und in gelinder Wärme, unter zeitweiligem Umrühren, so lange belassen (etwa 24 Stunden), bis die Gärung beendet ist. Man zieht dann die Flüssigkeit von der abgesetzten S. ab, wäscht letztere mit vielem Wasser und trocknet sie.

Wo Mahlsteuer besteht, ist dieser Fabrikationsweg, weil zu kostspielig, nicht ausführbar. Es tritt dann die andre Methode ein, welche von den ganzen Körnern ausgeht und den Kleber als solchen nicht gewinnt, sondern sämtlich durch Gärung beseitigt. Das Verfahren gestaltet sich hierbei wie folgt: Man verarbeitet in der Regel guten großkörnigen, dünnschaligen und reinen Weizen, doch nimmt man gern auch den wohlfeilen, sog. blauspitzigen mit ein wenig Brand an den