Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Strontiansalze

558

Strohwaren - Strontiansalze

gespaltenem Stroh gefertigt; die Tressen sind gewöhnlich siebenhalmig in Stücken von 18 Ellen Länge. Die feinern Sorten werden im Kanton Freiburg geflochten, geringere in Aarau, Glarus, Genf. In Frankreich scheint meist nur geringe Landware erzeugt zu werden; das Bessere wird aus der Schweiz und Italien bezogen. In Belgien werden viele und schöne S. geflochten und es steht dort die Industrie so hoch als in der Schweiz.

England beschäftigt sich bedeutend und in steigendem Umfange mit Strohartikeln, nicht nur zur Deckung seines eignen großen Bedarfs an Strohhüten, die oft braun, grau und andersfarbig getragen werden, sondern auch zur Ausfuhr nach den Kolonien. Die Industrie ist dort wie anderwärts Hausarbeit, aber das Nähen wird jetzt häufig fabrikmäßig betrieben. Bedford, Hertford, Bux sind Hauptsitze des Geschäfts. Schönes Stroh wird in Hertfordshire gezogen, aber vieles dazu noch aus Toscana, Belgien und Sachsen eingeführt, ungeflochten und in Tressen. In London selbst sind ein paar Tausend Arbeiterinnen mit Strohhutnähen beschäftigt. -

In Deutschland wird Strohflechterei in geringerer und zum Teil feinerer Ware in verschiednen Gegenden, namentlich in Sachsen und dem angrenzenden Böhmen, auf dem Schwarzwalde, neuerdings auch in den schlesischen Webereidistrikten betrieben. Dort wurde die Industrie eingeführt, um der armen Weberbevölkerung einen neuen Erwerbszweig zu schaffen, und in Sachsen geschah die Einführung aus gleichem Beweggrunde zu gunsten der Klöpplerinnen. Solche waren die ersten Strohflechterinnen, und das Geschäft nahm seinen Anfang in Altenberg, wo es etwa seit 1812 eine größere Lebhaftigkeit entwickelte. Gegenwärtig hat dasselbe seinen Sitz in der Gegend des linken Elbufers, welche sich von Altenberg bis in die Nähe von Dresden herabzieht.

Außer der erstgenannten beschäftigen sich noch in verschiednen andren kleinen Städten nebst den umliegenden Dörfern, namentlich in Glashütte, Dippoldiswalde, Geysing, Liebstadt, Bärenstadt, Dohna, als Vorort Kreischa, eine Menge von Frauen- und Kinderhänden mit dem Strohflechten. Es werden meistens nur Tressen geflochten, die durch Zwischenhändler aufgekauft und im In- und Auslande vertrieben werden. Das Material ist gespaltenes Weizenstroh und zum Teil Roggenstroh, das auch hier, wie in Italien, in den höher am Gebirge liegenden Örtlichkeiten feiner als im Niederlande wächst. Das Weizenstroh ist das gewöhnliche landwirtschaftliche Erzeugnis.

Man läßt das geschnittene Getreide gewöhnlich erst einige Wochen in der Scheune liegen und schwitzen, wählt dann die besten Halme davon aus, beseitigt die Ähren, zerteilt die Halme an den Knoten, legt die Stücke in kaltes Wasser, das nachher zum Sieden erhitzt wird, und bleicht dann das Material etwa 14 Tage lang in der Sonne unter öfterem Begießen. Das Roggenstroh dagegen wird nach italienischer Art besonders für den Zweck gebaut und zwar als Sommersaat, indem man zur Erzielung dünner schlanker Halme sehr dicht sät und das Korn nicht völlig reif werden läßt, damit der Halm seine Weiße behält. -

In Böhmen werden, wie gesagt, eine Menge geringerer Geflechtwaren gefertigt, außerdem auch in Tirol und in Krain. Wien liefert feine Strohhüte, doch werden die Tressen dazu wohl sämtlich von auswärts, aus Italien, der Schweiz und Sachsen bezogen, wie denn überhaupt die sog. Strohhutfabriken, deren es jetzt in jeder größern Stadt gibt, nichts Andres sind als Nähanstalten. Wie sich dieser Geschäftszweig bisher gestaltet hat, kommen auch wirkliche italienische Hüte gar nicht mehr bei uns vor, sondern höchstens solche, die aus italienischen Geflechten im Inlande genäht sind. - Zoll: Stroh, auch gefärbtes und sortiertes, zollfrei. Grobe Waren aus Stroh, wie Matten, Fußdecken u. dgl. gem. Tarif Nr. 35 a; Strohbänder Nr. 35 b; Strohgeflechte, sog. Tressen, und feine Strohwaren Nr. 35 c; Strohhüte Nr. 35 d 1 u. 2.

Strontiansalze. Das Strontium ist eins der nicht wasser- und luftbeständigen Metalle, das sich also gediegen nicht in der Natur vorfinden kann und für technische Zwecke nicht dargestellt wird. Es ist gelblich, hat das spezif. Gewicht von 2,4, oxydiert sich in Wasser und an der Luft ungemein leicht und rasch, wird, in die Hand genommen, bald unerträglich heiß und verbrennt, wenn es erhitzt wird, mit sehr intensivem Licht und merkwürdigem Funkensprühen.

Das Oxyd, Strontiumoxyd, dieses Metalls heißt Strontian oder Strontianerde; sie kommt in der Natur sowohl an Kohlen- als an Schwefelsäure gebunden vor, mit welchen sie unlösliche Salze bildet. Das kohlensaure Salz heißt Strontianit; es bildet weiße stengelig kristallinische Massen und ist ein seltenes Vorkommnis auf Gängen in Gneiß, Grauwacke und auch jüngeren Formationen. Von dem Dorfe Strontian in Schottland, wo sein bekanntester Fundort ist, hat es den Namen. Neuerdings werden in Westfalen (zwischen Münster, Herne und Ölde) ziemlich ausgebreitete gangförmige Lager von Strontianit abgebaut; derselbe wird jetzt in der Zuckerraffinerie in großen Mengen verwendet (s. Sirup).

Das schwefelsaure Salz bildet ebenfalls weiße, zuweilen auch blaue Kristallmassen und heißt wegen dieses letztern Umstandes Cölestin, sonst auch Strontianspat. Die Bezugsquelle dieses Minerals ist Sizilien, wo es rein und farblos in den Schwefelbrüchen mit gefunden wird; aus ihm wird das gewöhnliche und käufliche Präparat, das salpetersaure Salz, hergestellt, indem man das Rohmaterial durch Glühen und Schmelzen mit Kohlenteer aufschließt, die Schmelze mit Salzsäure auszieht und somit eine Lösung von salzsaurem Strontian (Chlorstrontium) erhält, aus welcher durch Ausfällen mit Soda ein Niederschlag erhalten wird, welcher künstliches kohlensaures Salz ist. Durch Auflösen desselben in Salpetersäure und Eindampfen zur Kristallisation erhält man das salpetersaure Salz, weiße, luftbeständige, in Wasser und etwas in Weingeist lösliche Kristalle. Wird die Chlorstrontiumlösung direkt eingedampft, so erhält man die Chlorverbindung ebenfalls in Kristallen, die aber an der Luft zerfließlich sind. Bequemer fabriziert man jetzt diese S. durch Auflösen von Strontianit in den betreffenden Säuren. Das salpetersaure Strontian ist nicht teuer und kostet im Detail