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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Tabak

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Tabak - Tabak

ten, oder man glättet die Blätter (Deckblätter), etwas angefeuchtet, mit der Hand und schichtet sie zu Stößen oder Docken auf, welche dann mit Steinen gepreßt werden und so lange zusammen bleiben, bis sie kastanienbraun oder gelb werden und sich mäßig erwärmt haben, worauf man sie lüftet, wieder trocknet und zu Büschen von 20-30 Stück zusammen legt. Feinere Blätter werden von den Rippen befreit und Blatthälften und Rippen besonders verkauft; letztere dienen zu Schnupftabak oder, flach gepreßt, zu Einlagen oder zu billigem Rauchtabak.

In warmen Ländern erntet man nur das Sandgut für sich und hackt dann die Pflanzen an, um das Welken der Blätter am Stok zu beschleunigen, worauf dann dieser mit den Blättern geerntet wird oder auch die Blätter abgestreift werden. Wieder an andern Orten erntet man frühzeitiger, um noch eine zweite Ernte durch neuen Ausschlag zu erzielen. In der Türkei befeuchtet man die nach Hause gebrachten Blätter mit Flußwasser und schichtet sie dann am Boden übereinander, lagenweise mit etwas Steinklee, zu mannshohen Haufen. Nach einigen Tagen nimmt man die Blätter sorgsam ab, entfernt den Steinklee, welcher seinen eigentümlich würzigen Duft den Blättern mitgeteilt hat, und packt diese in Kisten oder reiht sie auf Schnüre. In Serbien und Umgegend wird der T. fein geschnitten, mit Honigwasser befeuchtet und in Ledersäcke oder Blechkasten eingepreßt. -

Je sorgsamer beim Trocknen und Ernten verfahren wurde, um so wertvoller ist die Ware. - Der Ertrag ist sehr verschieden; nach Jahrgang, Lage, Boden, Düngung, Gegend etc. rechnet man 1,5-3 m. Ztr. Sandgut, 2-5 m. Ztr. Geize, 8,6-25 m. Ztr. trockne Blätter sonst und 50-60 m. Ztr. Stengel. Da, wo man noch eine zweite Ernte erzielt, gibt diese 1,7-3,5 m. Ztr. Im Jahre 1878 erntete man in Deutschland auf 17960 ha zusammen 287391 m. Ztr., pro ha 16; 1880 auf 24169 ha zusammen 410000, pro ha 16,1 m. Ztr.

Als Durchschnittserträge werden angegeben für: Belgien 13,02, Frankreich 12,81, Holland 24, Österreich 9,75, Ungarn 10,0, Südtirol 17,11, Galizien 5-12, Schweiz 20, Schweden 7,5, Serbien 7,0, Vereinigte Staaten von Nordamerika 8,2 und als Ertragsgrenzen für 1879 in North Carolina 6,2, in Massachusetts 16,78 kg. Im Jahre 1866 baute man in den Vereinigten Staaten auf 520107 acres 338,13 Mill. Pfund, 1879 auf 492100 acres 391,28 Mill. Pfund. -

F. Statistik. Die neueren Angaben über das durchschnittliche Gesamterzeugnis der letzten Jahre, die Anbauflächen und den Verbrauch sind für die Jahre von 1870 bis 1880 die folgenden:

ha Mill. kg Verbr. pro Kopf kg

Rußland 40500 70 0,9

Finnland 1200 0,1447 0,9

Schweden 2000 0,2 1,12

Dänemark 1800 0,126 0,1

Holland 1800 3,80 2,8

Belgien 1700 2,5 2,5

Frankreich 8000 15,4 0,85

(Algier 5000 5,5)

Deutschland 22000 29,8 1,9

Schweiz 500 0,7 1,3

Österreich-Ungarn 57300 61,7 1,9

Italien 5050 4,2 0,7

Rumänien 1900 2,072 0,2

Serbien 1400 0,5 0,875

Bosnien ? 0,5 ?

Türkei ? 18,5 ?

Griechenland ? 3,75 ?

Ganz Europa Ertrag: 213,89 Mill. kg.

Nordamerika Ertrag 290,0 " " (V. St. 3,1 kg Verbrauch)

Süd- u. Mittelamerika 120-150,0 " " (Cuba 12,0 Mill. kg)

Asien 300-400,0 " "

Afrika 20-25,0 " "

Australien 2,0 " "

Total: 1080,89

Der Gesamtwert der Jahresernten wird zu über 1200 Mill. Mk. berechnet. Die Ausfuhren sind nach Neuman-Spillart ^[richtig: Neumann-Spallart] in Rohtabak für

Jahr Land Mill. kg. Mill. Mk.

(1878/79) V. St. von N.amerika 144,58 zu 112,461

(1878/79) Cuba 7,757 " 52,8

(1876/77) Brasilien 13,33 " 15,47

(1875/76) Kolumbia 5,797 " 8,519

(1878) St. Domingo 5,371 " 8,0

(1878) San Salvador 0,257 " 0,2618

(1876) Argentinien 0,0729 " 0,0807

(1877) Bolivia 0,0151 " 0,0656

(1877) Ecuador 0,0070 " 0,0098

(1877) Portorico 2,2407 " 7,2

(1877) Philippinen 15,4985 " 5,83

(1877) Peru 0,388 " 0,873

(1878) Brit. Ostindien 1,680 " 1,915

(1878) China 0,6728 " 0,6479

(1877) Japan 1,4163 " 0,9928

(1875) Türkei 8,2 " 12,000

Total: 207,285867 " 227,133600

G. Besteuerung. In bezug auf diese gibt es fünf verschiedne Systeme und zwar 1) die Fabrikatsteuer, in Rußland und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika; der Anbau ist erlaubt, kontrolliert durch Transportscheine, die Fabrikation in konzessionierten Fabriken, der Verkauf in sog. Banderollen von bestimmtem Gewicht und der Hausierhandel gegen Schein. In Rußland ist zu entrichten pro m. Ztr. 88 Mk. für Blätter, 522 Mk. für Rauchtabak, 1740 Mk. für Zigarren als Steuer von drei Sorten Rauchtabak à 33⅓% vom Wert und drei Sorten Zigarren und Zigaretten zu 30%.

In Amerika gibt es die Sätze 140-496 Mk. für Schnupf-, Rauch- und Kautabak, 43 Mk. für 1000 Zigarren, 99-472 Mk. Eingangszoll für Schnupf-, Rauch- und Kautabak und 28,34 Mk. für 1000 Zigarren, nebst 50% Aufschlag vom Wert. Man klagt über großartige Defraudation trotz lästigster Kontrole. Der Steuerertrag ist