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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Thunfisch

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Thran - Thunfisch

und ein Teil der übelriechenden Stoffe sich verflüchtigt. In neuerer Zeit, wo es infolge der Ausrüstung von Dampfschiffen zum Walfischfang möglich geworden ist, die Jagdbeute schneller an die Hafenorte zu schaffen, werden die Speckseiten daselbst in größern Etablissements meist mit Dampf ausgeschmolzen. Je nach der bei der Thrangewinnung angewendeten größern oder geringern Sorgfalt ist der Walfischthran entweder hellgelb oder bräunlich bis dunkelbraun; er hat ein spezifisches Gewicht von 0,920 und einen unangenehmen Geruch, der sich beim Ranzigwerden noch verschlechtert. Von einem einzigen ausgewachsenen Walfisch kann man 200-300 Ztr. T. erhalten; von denen des südlichen Eismeeres, die kleiner sind, jedoch weniger. Dieser Südseethran wird besonders geschätzt. 2) Robbenthran (Seehundsthran, Neufundlandsthran, engl. dogfish-oil); diese Thransorte kommt hauptsächlich von Neufundland, wo alljährlich 700000-800000 Stück Robben gefangen werden. Es geschieht dies hauptsächlich im Frühjahre, wo diese Tiere am fettesten sind. Man erhält von einer großen Robbe 8-12, von einer kleinen 4-5 Gallons T. Dieser ist besser, als der der Walfische, und wenn er ausgelassen wird, bevor die Fettmasse faulig angegangen ist, auch schön hell und nicht übel riechend. 3) Döglingthran; derselbe wird von einer besondern Art der Wale, dem Dögling (Balaena oder Chenodelphinus rostrata) gewonnen und kommt hauptsächlich von den Faröerinseln; er ist hellgelb, riecht aber unangenehm. 4) Walroßthran; diese Sorte ist dem Seehundsthran sehr ähnlich, aber seltner im Handel; man gewinnt diesen T. von dem jetzt immer seltner werdenden Walroß (Trichechus Rosmarus), welches nur in den kälteren Gegenden des nördlichen Polarmeeres noch angetroffen wird. 5) Delphinthran (Meerschweinthran, frz. huile de dauphin, huile de marsonin, engl. delphine-oil); derselbe ist dem der andern Seesäugetiere ganz ähnlich, nur etwas dünnflüssiger; man gewinnt ihn von dem in allen Meeren der nördlichen Halbkugel vorkommenden Delphinus delphis. 6) Haifischthran; man gewinnt ihn aus der Leber der verschiednen Arten von Haifisch (Carcharias verus, C. glaucus, C. leucas); er ist hellgelb, von schwachem Geruche und brennt sehr gut in Lampen. Dasselbe gilt von 7) dem Heringsthran (frz. huile de hareng, oil of herring), welcher in Schweden durch Auskochen der Heringe, sowie der fettreichen Abfälle derselben mit Wasser bereitet wird. Der Leberthran ist in einem besondern Artikel besprochen. Im Handel unterscheidet und benennt man den T. auch häufig nach den Bezugsarten, so hat man: Archangeler (Walfisch- und Robbenthran), Bergener und Tromsoer (Leber- und andern T.), Grönländer (dänischer), Neufundländer und Südseethran. Schwedischer (Dreikronenthran) ist ein aus verschiednen bessern Sorten zusammengemischter brauner T. zu technischem Gebrauche. Der Farbe nach unterscheidet man braunen und blanken oder weißen T. - Die Verwendung des T. ist eine ziemlich vielseitige; man benutzt ihn zum Sämischgerben, sowie zum Einfetten verschiedner Ledersorten, ferner als Zusatz zu Wichsen, als Schmiermittel und zur Herstellung der sogenannten schwarzen oder grünen Seife; in den nordischen Küstenländern dient der T. auch zum Brennen in Lampen. Alle Thransorten lassen sich leicht daran erkennen, daß sie sowohl mit Ätznatronlauge, als auch mit Schwefelsäure von 1,530 spezifischem Gewicht eine rote Farbe annehmen; sirupdicke Phosphorsäure verhält sich ebenso. Man kann durch dieses Verhalten leicht einen Zusatz von T. zu andern fetten Ölen nachweisen. - Zoll s. Tarif im Anh. Nr. 26 c 3.

Thunfisch (Tunfisch, Scomber Thynnus). Dieser Riese unter den Makrelen, ein lachsartiger, dicker 18-22 dm langer, 250-500 kg schwer werdender Seefisch hat zwar für unsere Märkte keine Bedeutung, eine um so größere aber für die Bewohner der Mittelmeerküsten, denen er die dort fehlenden Heringe und Stockfische ersetzt. Diese Tiere leben im Weltmeer, kommen aber alljährlich im Frühjahr, des Laichens halber, in großen Scharen ins Mittelmeer, um an den spanischen, französischen und italienischen Küsten vorbei bis in das Schwarze Meer zu ziehen; gegen den Winter kehren sie dann mit junger Brut wieder in den Ocean zurück. Die Hauptzeit des Fanges fällt in das Frühjahr; im Herbst wird weniger gefangen. Auf der Reise passieren sie alljährlich in großen Scharen die Gewässer von Konstantinopel, ohne daß sie dort, wie es scheint, stark belästigt würden. An den spanischen Küsten wird der Fang auch nur mäßig betrieben, stärker an den Küsten der Provence und am stärksten bei Sardinien, wo alljährlich über 50000 Stück ihrem Elemente entrissen werden, ferner an der Küste von Sizilien. Die gefangenen Fische werden getötet und so schnell als möglich auf die Fahrzeuge gezogen und ans Land in die Einsalz- und Packräume gebracht. Frischer Fisch wird zu dieser Zeit in Menge gegessen, aber da er in diesem Zustande sich nicht lange hält, so ist die Handelsware stets gesalzen. Man schlägt den Fischen die Köpfe ab, zieht sie am Schwanze mit einem Seilzug auf, weidet sie wie Schlachtvieh aus und schneidet sie behufs des Einsalzens in Streifen und Stücke. Aus den Köpfen und übrigen Abfällen wird Thran gesotten. Die Thunfischereigesellschaften bringen ihn jetzt auch auf den Weltmarkt; 100 kg ab Genua werden mit 80 Lire (incl. Faß) berechnet. Man gewinnt diesen Thran teils durch Ausschmelzen über freiem Feuer, teils mittels Dampf. Die Italiener finden an den Thunfischen eine ganze Anzahl verschiedner Fleischsorten und es werden die verschiednen Körperpartien auch besonders eingelegt. Am meisten sind die Bauchpartien geschätzt. Das Fleisch, welches eingesalzen werden soll (einiges wird auch geräuchert), läßt man in den Tonnen zunächst 8-10 Tage unter freiem Himmel in der Sonne stehen, läßt es dann ablaufen, salzt es, tritt es in die Tonnen fest ein und schließt diese. Dieser Salzfisch, von welchem Sizilien allein etwa 20000 Tonnen liefert, ist in Italien, Frankreich etc. eine sehr gewöhnliche Speise.