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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Topfstein; Topinambur; Torf

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Topfstein - Torf

Sorgfalt präpariert, wie das Material zu feineren Waren. Man überläßt sie nach dem Ausgraben gern einige Zeit der Einwirkung des Frostes, durch welche die Masse besser aufgeschlossen und teilbarer wird. Die fernere Bearbeitung besteht in Einsumpfen des Thons mit Wasser, Durchkneten mit den Füßen, wobei Steine und dergleichen gefühlt und entfernt werden, im Zerschneiden der in einen Klumpen geformten und auf einen Klotz gesetzten Masse mittels einer Klinge in dünne Blätter, um noch übrige Steinchen und Sandkörner zu finden; dann wird die Ware geballt und so lange geknetet, bis alle Steinchen und Unreinigkeiten beseitigt sind. Viele der gewöhnlichen Hafner pflegen auf die Bereitung der Masse kein Gewicht zu legen. Die Töpferarbeiten sind mit wenig Ausnahmen drehrund und erhalten ihre Form auf der Scheibe.

Alle Waren, welche Flüssigkeiten aufzunehmen bestimmt sind, müssen durch eine Glasur gedichtet werden; nur wenige Sorten, wie Blumentöpfe, Zuckerhutformen, bleiben unglasiert. Die Glasur ist in der Regel eine bleihaltige; bleifreie Glasuren sind entweder zu strengflüssig oder zu teuer, und es scheint nicht, als würde man das Blei jemals von den Topfwaren los werden. Die Gefahr, daß saure Flüssigkeiten Bleioxyd aus der Glasur aufnehmen und dadurch zu Giften werden können, ist nicht in Abrede zu stellen; sie besteht aber kaum noch, wenn die Glasur gehörig eingebrannt, also alles Bleioxyd völlig mit der Kieselsäure des Thons verglast ist.

Die T. können aus Rücksicht auf die Kosten nicht zweimal gebrannt werden, daher man die Glasur gleich auf die lufttrocknen Geschirre bringt. Sie besteht aus einer Suppe von Thon und geriebenem Bleioxyd (Glätte), oder statt des letzteren von fein gepulvertem Bleiglanz. Dieser letztere, ein Schwefelbleierz, verhält sich wie Glätte, da beim Brennen der Schwefel verflüchtigt und verbrannt wird. Wenn bestimmte Farben erzeugt werden sollen, so kommen zu der Glasur noch die betreffenden Farbstoffe, Smalte, Braunstein, Kupferoxyd etc. Die Glasur wird durch Ausschwenken, Eintauchen oder Anpinseln aufgetragen. Das Brennen geschieht in liegenden Flammenöfen und dauert selten länger als acht bis zehn Stunden. Vgl. Thonwaren. - Gemeine, nicht glasierte T. sind zollfrei; glasierte, z. B. Krüge, Schüsseln und andre Gefäße aus gemeinem Steinzeug gem. Tarif im Anh. Nr. 38 b.

Topfstein (Lavezstein), ein dem gemeinen Talkstein verwandtes Mineral von grünlichgrauer Farbe und Fettglanz, sehr weich und milde, aber doch zähe und nicht leicht zu zerstoßen. Er besteht aus Chlorit mit beigemengtem Talk, Serpentin, Glimmer, Asbest und andern Mineralien. Als ein Stoff, der mit Messern und auf Drehbänken sich sehr bequem bearbeiten läßt, dann im Feuer sich härtet und äußerst feuerfest erweist, ist er ein für verschiedne Zwecke sehr brauchbares Material.

Man fertigt daraus in den Gegenden seines Vorkommens Kochtöpfe und andres Geschirr, ferner Kamine, Ofenplatten, Gestellsteine zu Schmelzöfen und feuerfeste Anlagen überhaupt. Die Küchengeschirre saugen wohl von den Speiseflüssigkeiten etwas ein, können aber durch Ausglühen immer wieder gereinigt werden. Das Mineral findet sich in großen Massen in den tiroler Alpen, in Graubündten, Wallis, am Montblanc, am Comersee, auf Corsica, in Schweden und Grönland. Alle Töpfe und Lampen der grönländischen Eskimos sind daraus gefertigt. - T. ist zollfrei, Waren daraus gem. Tarif Nr. 33 d 1 und 2.

Topinambur (Helianthus tuberosus L, Jerusalem-, Unter- und Erdartischocke, knollige Sonnenblume, Sau- und Pferdekartoffel, Erdbirne, Batate, engl. Girasol, Jerusalem-Artischocke, Tuberous Sunflower, frz. hèlianthe tubéreux, poire de terre, topinambour) mit der Sonnenblume (s. d.) verwandte Pflanze aus Mexiko, welche auf leichterm Boden, ihrer Knollen wegen, zu menschlicher Nahrung (wenig wertvolles, wäßriges, fad süß schmeckendes Gemüse) und zu Viehfutter, besonders für Schweine, im südwestlichen Deutschland, in Frankreich, Österreich und anderwärts angebaut wird.

Man legt die Knollen aus, in Reihen oder Stufen, 8-12 hl oder 700-1100 kg pro ha, 45-60 cm weit und kann die Knollen, da sie von Frost nicht leiden, über Winter im Land lassen, auch vielmals hinter einander die T. auf gleichem Felde bauen; die Pflanze bedarf nur geringer Pflege und Dungkraft, ist aber da, wo sie gebaut wurde, sehr schwer wieder auszurotten, weshalb der Anbau auf gesonderten Flächen erfolgt. Man erntet 80-200 m. Ztr. Knollen und 40-160 m. Ztr. Kraut und Blätter, welche ebenfalls als Viehfutter dienen und zum halben Wert wie Heu geschätzt werden. Deutschland baut auf 2190 ha zus. 388855 Z. Ztr. Knollen. Der Preis ist etwas geringer wie der der Kartoffeln; die T. kommt nur im Lokalhandel vor. - Zollfrei.

Torf (franz. tourbe, engl. turf); derselbe ist das Produkt der Vermoderung von Pflanzen und Pflanzenteilen, die dritte und jüngste Form der fossilen Brennstoffe, über dessen Bildungsgang keine Zweifel bestehen, da derselbe noch fortwährend in Thätigkeit begriffen und mit Augen zu schauen ist. Der T. findet sich hauptsächlich in Niederungen, oft ganze Gegenden bedeckend, doch auch auf Hochebnen und flachen Stellen der Gebirge und in allen Ländern des mittlern und nördlichen Europa. Der T. entsteht überall da, wo Moose, Sumpfgräser, Schilfe, Heidekräuter gedeihen und das Wasser keinen genügenden Abfluß hat, sondern stagniert.

In Wäldern liegende Torfmoore erhalten bedeutende Beiträge in Form von Blätter und Nadeln, welche Wind und Wasser ihnen zuführen. Viele Torfmoore sind das Erzeugnis einer bestimmten Moosgattung (Sphagnum), welche auf nassen Stellen dichte Rasen bildet und, nach unten absterbend, nach oben sich immer verjüngend, mit der Zeit so viel Moder unter sich sammelt, daß das Moor sich beträchtlich über die benachbarten Landflächen erhebt und dieses Umstandes halber als Hochmoor bezeichnet wird. Solche Moore geben in der Regel einen sehr reinen Brennstoff. Die Reste von reinen Wasserpflanzen sammeln sich natürlich am Grunde als Schlamm, welcher, wenn herausgezogen, in Formen gestrichen und