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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Traß; Trauben

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Tragant - Trauben

sehr artenreichen Geschlechts Astragalus, niedrige, stark verästelte, sehr dornige Sträucher mit holzigen Stämmchen und Ästen, die in der Levante und in weiter Verbreitung über Asien (namentlich Sibirien) wild wachsen. Als echter Tragantstrauch gilt Astr. verus, in Kleinasien, Armenien und den nördlichen Persien. Andre Arten sind A. gummifer in Kleinasien und Syrien, A. creticus in Griechenland und auf Kreta und noch einige andre gelegentlich mit aufgeführte.

Das Gummi bildet sich in dem Holze aus umgewandelten Zellen der Markröhre und Markstrahlen und enthält daher auch unter dem Mikroskope wahrnehmbare Zellreste und einzelne Stärkekörnchen. Beim Eintritt der feuchten Jahreszeit schwillt die Masse durch Aufnahme von Wasser bedeutend an und der hierdurch erzeugte Druck preßt dieselbe durch Risse und Spalten ins Freie. Die Sammler machen auch zur Förderung des Austrittes Einschnitte oder Stiche in die untersten Teilen des Stämmchens, welche sie vorher von der Erde entblößen.

Eine eigentliche Kultur der Sträucher scheint nirgends stattzufinden, sondern die Einsammlung geschieht im Juni von Leuten, die sich damit befassen wollen, in Griechenland von Hirten. Die Ware wird roh nach den Handelsplätzen gebracht und hier erst in die Handelssorten geschieden. Herrscht bei dem Einsammeln trocknes windstilles Wetter, so fällt die Ware am besten aus. Das Ausgetretene erhärtet bei gutem Wetter in 3-4 Tagen und nimmt diejenige Form an, welche die zu Gebote stehende Austrittsöffnung eben gibt. Man hat daher band- oder blätterartige Stücke, wahrscheinlich aus Querschnitten, wurm- oder nudelförmig gewundene Körper aus kleinen Löchern oder Einstichen, und klumpige Massen. Der aus Anzapfungen erhaltene T. soll stets besser sein als der freiwillig erflossene. -

Nach der Herkunft unterscheidet man: Smyrnaer oder Blättertragant, aus dem Innern Kleinasiens, die beste und teuerste Sorte, in großen flachen gewellten Stücken: Moreatragant, Vermicell, wurm-, faden- oder nudelförmig, von Griechenland und Kreta; syrischer oder Aleppotragant aus den syrischen Gebirgen, von A. gummifer und andern Arten kommend, in allerlei flachen, zapfenartigen, gedrehten und andern Formen, zum Teil bedeutend größere Stücke als bei der vorigen und diesen ganz unähnlich; persischer Kugeltragant, eine ordinäre Sorte. Unter Smyrna- und Moreaware gibt es Stücke von milchweißer oder nur schwach gelblicher Farbe, die ausgesucht den elegierten T. bilden, welcher auch in Apotheken gebraucht wird. Die gelblichen, bräunlichen und unreinen Stücke bilden die Mittel- und ordinären Sorten. Syrische und persische Ware ist durchgänging ^[richtig: durchgängig] gelblich, bräunlich bis braun. -

Der T. ist eine hornartig feste und starre, mehr zähe wie spröde Masse, erst nach vorhergegangener Erwärmung pulverisierbar. Seine Substanz enthält wenig eigentliches, in Wasser lösliches Gummi, sondern hauptsächlich Bassorin, einen Stoff, der im Wasser nur zu einer großen Menge Schleim aufquillt, welcher ausgetrocknet wieder die unveränderte Tragantmasse ist. Der Tragantschleim gibt demnach ein gutes Bindemittel ab und findet vielseitige Benutzung zu Pastillen und Konditoreiwaren, zum Verdicken von Druckfarben, Anfertigung von Tuschfarben, in der Wassermalerei, zur Bereitung bildsamer Massen für Abdrücke u. dgl., auch zum Appretieren von Zeugen. Teige aus Tragantschleim und Kreide, Bleiweiß u. dgl. können zu vielerlei Zwecken der Bildnerei gebraucht werden und bilden nach dem Trocknen außerordentlich harte Massen. - Die Preise sind je nach der Qualitätsnummer sehr verschieden, von 5-10 Mk. pro kg, persischer kostet nur 1½-2 Mk. - Zollfrei. Formerarbeiten aus T. gem. Tarif im Anh. Nr. 13 g.

Traß (Duckstein), ein gelbgraues bis bräunliches vulkanisches Trümmergestein, das in der Nähe ausgebrannter Vulkane vorkommt und da oft mächtige Lager in Thälern und um Hügel und Berge herum bildet. Wo das Gestein nicht zu porös ist, wird es auch zum Bauen und in feiner dichter Masse zu Steinmetzarbeiten verwendet. Der Stein selbst heißt Duckstein, während die Benennung T. eigentlich nur der gepochten und gemahlenen Felsart zukommt, die als Mörtelmasse, als natürlicher Zement, wichtig und viel im Gebrauch ist. Für Deutschland liegen die reichlichsten Vorratskammern desselben am Rhein, besonders im Brohl- und Nettethale bei Andernach, schon seit den ältesten Zeiten benutzt.

Das Mineral hat denselben Ursprung, dieselben Bestandteile und leistet ganz dieselben Dienste, wie die italienische Puzzolanerde (s. d.), indem es, als ein von der Natur fertig präparierter und gebrannter Zement, nur mit fein gemahlenem und mit frischem fettem Kalkbrei versetzt zu werden braucht, um einen sehr guten Luftmörtel zu bilden, während unter Anwendung von magerm Kalk Wassermörtel erhalten wird. Das Gemenge muß so lange gestoßen und geschlagen werden, bis es eine völlig gleichmäßige Masse bildet. Der rheinische T. wird weit versendet, am meisten stromabwärts nach Holland, wo zu Wasserbauten beständig große Mengen davon gebraucht werden. Die Holländer treiben aber auch Handel damit, indem sie die Rohmasse mahlen und als Utrechter T. versenden. - Bausteine und ganz grobe Steinmetzarbeiten sind zollfrei.

Trauben (Weintrauben), die Früchte der Weinrebe (Rebe, Weinstock), Vitis L., Familie der Ampelideen oder Rebengewächse, und zwar des edlen Weinstocks (V. vinifera L., engl. vine und wine-bearing V., frz. vigne und vigne noble, holl. wijnrank, wijnstock und wijndruif, die T., ital. vitte, cepo di vite und uva, die Weintraube). Vgl. Obst und Südfrüchte.

Der Handel mit frischen T. wird besonders schwunghaft von Österreich, Italien und Frankreich betrieben, T. aus guten Weinbergen können nicht in Betracht kommen. Die feinsten Tafeltrauben liefern die Gärtner aus Treibhäusern. Die Preise sind nach Jahrgang verschieden; für Tiroler T. pro kg 1,20 bis 2 Mk., ungarische etwas niedriger, Malaga in Düten bis 4 Mk., in Steintöpfen billiger; französische T. kommen in Körben, ausgelegt mit Farrenkraut, zu 3 kg Inhalt, die aus der Krim gehen meist nach Rußland selbst. Al-^[folgende Seite]