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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Traubenkernöl; Traubenkraut; Trichloressigsäure; Tricot; Trimethylamin; Tripel

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Traubenkernöl - Tripel

gier liefert über Frankreich. In Deutschland haben Hessen und Sachsen (Elbe) den Hauptversandt. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 9 f.

Traubenkernöl, das durch Auspressen erhaltene fette Öl der Kerne der Weintrauben; es ist schwach gelblich, beinahe geruchlos, hat 0,91 bis 0,92 spezif. Gewicht, erstarrt bei -11° C. zu einer butterartigen Masse, wird an der Luft leicht dickflüssig und ranzig. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 1 bzw. 4.

Traubenkraut, mexikanisches (Herba Chenopodii ambrosioidis, sonst h. Botryos mexicanae), Jesuitenthee, Kartäuserthee, Pimentkraut, sind die getrockneten Blätter und Blüten eines einjährigen Meldengewächses mit kleinen grünen, in Knäueln stehenden Blüten, das aus Mittelamerika stammt und bei uns in Gärten, auch hier und da noch als Handelspflanze gezogen und in Apotheken und Kräutergewölben vorrätig gehalten wird. Die Pflanze besitzt infolge eines Gehalts an ätherischem Öl einen angenehm aromatischen Geruch und ebensolchen, etwas kampferartigen Geschmack. T. dient hauptsächlich als Thee, auch als Mittel gegen die Motten. Das ätherische Öl (oleum botryos) kostet 120 Mk. pro kg. - Zollfrei; das ätherische Öl aus T. gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Trichloressigsäure (acidum trichloraceticum), eine Essigsäure, in welcher drei Atome Wasserstoff durch Chlor ersetzt sind; sie wird zuweilen medizinisch verwendet und bildet eine weiße kristallinische, in Wasser leicht lösliche Masse. - Zollfrei.

Tricot im ältern Sinne heißt ein auf dem Strumpfwirkerstuhle erzeugtes Gewebe aus Seide, Wolle oder Baumwolle, aus welchem Beinkleider und Jacken für Schauspieler u. dgl. gemacht werden, welche sich vermöge ihrer Elastizität dem Körper auf das Genaueste anschließen. -

Vor 10-15 Jahren hatte man unter demselben Namen noch eine andre Ware, welche auf Rundstühlen gewirkt war, die ihre Arbeit in Form weiter und beliebig langer Schläuche lieferten. Diese Stücke wurden dann aufgeschnitten, wie Tuchmachergewebe gewalkt, geschoren etc. und bildeten solchergestalt eine Art elastisches Sommer- oder Damentuch. Diese Ware hat sich jedoch nicht kurant erhalten. Die jetzigen, uneigentlich so genannten T. sind Wollengewebe, den Buckskins ähnlich und von gleicher Verwendung: sie werden auch in denselben Fabrikationskreisen gefertigt. Es sind ebenfalls Köperstoffe, teils glatt, teils meliert oder verschiedentlich gemustert, und werden dann mit sechs bis acht Schäften gewebt. Das Zeug ist elastischer und dehnbarer als Buckskin, was der Name wohl andeuten soll. - Zoll: Gewirkte baumwollene T. Nr. 2 d 3; wollene, unbedruckte Nr. 41 d 4, bedruckte Nr. 41 d 6 α; seidene Nr. 30 e; halbseidene Nr. 30 f. Gewebte, wollene Tricotstoffe gem. Tarif Nr. 41 d 5 α, bzw. Nr. 41 d 6 α.

Trimethylamin (Trimethylaminum), eine starke stickstoffhaltige organische Base, findet sich in verschiednen Pflanzen teils frei, teils an Säuren gebunden, sowie auch in der Heringslake. Letztere benutzt man gewöhnlich zu seiner Darstellung; man destilliert die Heringslake mit Kalkmilch, neutralisiert das Destillat mit Salzsäure, dampft zur Trockne, zieht den Rückstand mit Alkohol von 90% Tralles aus, welcher den Trimethylaminchlorwasserstoff auflöst, beigemengten Salmiak dagegen ungelöst läßt; der weingeistige Auszug wird nach dem Abdestillieren des Alkohols mit Kalilauge erhitzt und das übergehende T. in Wasser aufgefangen, da es über 9° C. gasförmig ist. Man erhält dieses wässerige T. als farblose, stark alkalisch reagierende Flüssigkeit von intensivem Heringsgeruch; es wird zuweilen medizinisch verwendet. Neuerdings bereitet man das T. auch aus der Zuckerrübenschlempe, doch enthält dieses Präparat häufig noch Methylamin und Dimethylamin beigemengt. - Zollfrei.

Tripel (Terra tripolitana, frz. u. engl. tripoli, ital. tripolo), ein meistens gelblichgraues, auch aschgraues, bräunliches, rotbraunes oder geflecktes lockeres Mineral, das, gepulvert, ein bekanntes Poliermittel abgibt. Es kommt in verschiednen Ländern und Gegenden auf Lagern mit Thon und mit Quarzsand vor, ferner nesterweise in verschiednen Sandsteinen. Er besteht der Hauptmasse nach aus Kieselsäure, welche kleine Beimengungen von Thon, Eisenoxyd und Wasser enthalten kann. In vielen Fällen hat sich der T. als ein Haufwerk der Kieselpanzer von vorweltlichen Infusorien erwiesen.

T. findet sich in verschiednen Abänderungen in Deutschland, Frankreich und der Levante. Von der Stadt Tripoli in Syrien hat er seinen Namen. Der, sonst häufiger als jetzt, zu uns kommende levantische heißt gewöhnlich venetianischer. Bei uns findet sich das Material im sächsischen Erzgebirge, in Böhmen, in Tirol etc. Französischer T. kommt aus der Auvergne und Bretagne und ist schwarz von Farbe, doch gibt es auch französischen weiß, rot und gelbgemengten, sowie ganz roten; eine feine und leichte graue Varietät liefert auch England unter dem Namen englische Erde. Die gewöhnlich käuflichen Putzpulver bestehen jedoch nicht immer aus wirklichem T., sondern aus Mergel, Bimsstein u. dgl. Für den Gebrauch muß der T. geschlemmt werden; er kommt auch gewöhnlich schon geschlemmt im Handel vor.

Das Pulver dient zum Putzen und Polieren von Metallwaren, Spiegeln, Edelsteinen, zuweilen auch zu Gußformen für kleine Metallsachen. Zur Kopierung von geschnittenen Steinen in gefärbtem Glas dient allgemein T., und zwar ist dazu feiner französischer oder levantischer, oder beide im Gemisch erforderlich. Die Masse eignet sich dazu besonders wegen ihrer Unschmelzbarkeit im Feuer und weil sie vermöge ihres etwas fettigen Wesens sehr scharfe Abdrücke annimmt. Sie darf für den Zweck nicht geschlemmt, sondern nur gerieben und gebeutelt werden. Das Pulver wird mit etwas Wasser zu einem Teig geknetet, dieser in einen kleinen Tiegel gedrückt, etwas trocknes Pulver aufgegeben und der abzuformende Stein fest eingedrückt. Ist die Masse trocken geworden, so bringt man den Tiegel in einen kleinen Glühofen, bedeckt mit einem passenden Stückchen farbigen Glases und erhitzt, bis das Glas Funken wirft, zum Zeichen, daß es erweicht ist. In diesem Moment drückt man