Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Tropaeolin; Trüffeln; Tuch

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Tropaeolin - Tuch

das Glas rasch mit einem Eisenstab in die vertiefte Form ein. - T., roh und geschlemmt, zollfrei.

Tropaeolin; diesen Namen führen mehrere, in neurer Zeit in den Handel gekommene Teerfarbstoffe von prächtig orangeroter Farbe in verschiednen Nüancen, zum Färben von Seide und Wolle dienend. Man unterscheidet:

T. 0, das Natronsalz der Metadiazooxybenzolsulfosäure;

T. 00, das Kalisalz der Phenylamidoazobenzolsulfosäure;

T. 000, von welchem man wieder zwei Sorten hat, nämlich

Nr. 1 das Natronsalz der Oxyalphanaphtylazophenylsulfosäure und

Nr. 2 das Natronsalz der Oxybetanaphtylazophenylsulfosäure;

T. 0000, soll ein Azoderivat der Pikraminsäure sein;

T. V. ist das Natronsalz der Monoxyazobenzolsulfosäure. -

Zollfrei. Vergl. Anilinfarben.

Trüffeln (vergl. Pilze), Tuber Michh., Familie der Trüffelpilze oder Tuberaceen, Abteilung der Kernpilze, mit mehreren eßbaren Arten,

als französische T., T. melanospermum Vitt. in Südfrankreich,

Winter-T., T. brumale V., in Frankreich und Italien,

Sommer-T., T. aestivum V., daselbst und in Deutschland,

Gekröse-T., T. mesentericum V.,

italienische T., T. Magnatum Pico, in Italien und Südfrankreich,

weißliche T., T. Borchii V., in Italien,

Schlesische T., T. album Bull, in Heideerden und

Afrikanische T., T. niveum Desf, Terfezia Leonis Tul.;

engl. Truffle, frz. truffe, holl. aardnood, treffel, ital. Tarteffi, Truffeli. Die eßbaren T., unterirdisch wachsende Pilze, kommen in Laubwäldern vor und wachsen in Kreisen, Trüffelplätze (Treffières), besonders im mittleren und südlichen Frankreich, am besten in Perigord und Poitou, Departement Dordogne, Vaucluse, Lot, Drôme, Isére etc., auf magerm, etwas kalkhaltigem Boden, unter Eichen, dann unter Haselnuß und Wachholder, seltener auf Fehlern unter Getreide. Das Klima darf nicht heiß sein. Man sucht die Plätze mit besonders dazu abgerichteten Hunden auf, in Poitou und in der Provence auch mit Schweinen, welche den T. außerordentlich gern nachgehen. Eine eigentliche Trüffelzucht gibt es noch nicht, da man die Lebensweise der Pilze noch nicht genug kennt, doch kann man ihre Vermehrung begünstigen und hervorrufen durch Anpflanzung von Eicheln auf zum Wachstum besonders geeignetem oder hergestelltem Boden mit Trüffelnbrut. Die so hergestellten Plantagen werden nach bestimmten Regeln im Laufe von 20 Jahren durchforstet.

Die erste Sorte ist die schwarze T. oder Winter-T., reift nach Frost, schwarzbraun, weich, warzig, im Durchschnitt wie Muskatnuß marmoriert, mit rötlichen bis violetten oder rotbraunen Adern, in Nußgröße bis Apfelgröße; am besten sind die bis zu 30 g Gewicht, 1 kg gilt 8-9 Mk. beim ersten Verkauf, in Städten bis 30 Mk. Man unterscheidet: Muskat-W. -T. aus Perigord und der Provence, länglich rund, warzig, grauschwarz innen und außen, weißlich geädert, mit rostbraunen Keimkörpern, moschusartig im Geschmack und Geruch; Rostbraune T. kleiner, nußgroß, rundlich, rostrot, wenig geädert, aus der Champagne, Poiton, Bourgogne, Oberitalien, auch in Weinbergen vorkommend; Mardertrüffel, schwarz, wenig warzig, immer schwarzgrau oder graubraun, stark geädert, mit braunen Keimkörpern, nach Bierhefe riechend, in der Normandie, Deutschland, England und Böhmen, Sommertrüffel, reif bis November; Weiße Wintertrüffel, Fleisch weiß, ohne Adern mit furchsroten Keimkörpern und weiße Sommertrüffel, mit weißem, später ockerfarbenem, zuletzt graulichem Fleisch, marmoriert; Italienische, blonde T., unregelmäßig, graugelb bis ockerig, mit glatter Oberfläche und knoblauchartigem oder käsigem Geruch, in Italien und in der Provenze.

Das Haupterzeugnis trifft auf Frankreich, aber auch der Hauptverbrauch; man beziffert den Ertrag zu über 12 Mill. Frcs., die Ausfuhr zu einigen Hunderttausend kg, (nach Deutschland über 50000 kg), die Einfuhr bis zu etwa 1/10 des eignen Ertrags. Deutschland gewinnt T. besonders vom Thüringer Wald, Schwarzwald und Harz, meist aus Buchenwäldern mit gutem Humusboden; Erzeugnisgröße unbekannt. Versendet werden die T. in Fässern frei oder einzeln in Papier verpackt, oder als Konserven, oder in Wein gekocht und dann in Öl eingemacht. Vergl. Pilze. Aufbewahrt müssen die T. in luftigen Räumen werden; frische T. halten sich im Erd- oder Sandbett in guten Kellern bis 14 Tage und länger. - Zoll s. Pilze.

Tuch (frz. drap; engl. cloth, woollen cloth) ist ein schlichtes Wollgewebe, welches auf der rechten Seite eine eigentümliche wollene Decke zeigt und durch welche die Ketten- und Eintragfäden verdeckt werden. Schon in sehr früher Zeit ist von Ägyptern, Hebräern, Griechen und Römern Tuch angefertigt worden. In Deutschland ist die Kunst ebenfalls sehr alt und bildete sich hier zuerst zu einem städtischen Gewerbszweige aus. Anfänglich ein dicker und rauher Stoff, wurde das Gewebe allmählich verfeinert und derjenigen Beschaffenheit zugeführt, in der wir es heute kennen. Deutsche Tücher waren schon im 10. Jahrhundert berühmt. Das Gewerbe verpflanzte sich von Deutschland aus nach Flandern und den Niederlanden, wo es vorzüglich aufblühte, nach der Schweiz und Italien. Von den Niederlanden erhielten die Engländer anfänglich ihren Tuchbedarf gegen Wolle, bis sie selbst zu fabrizieren anfingen. Durch das ganze Mittelalter waren Tuche ein Hauptartikel auf den deutschen Märkten, wie auch jetzt noch. -

Zur Herstellung der T. wird jetzt das auf Maschinen gesponnene Streichgarn (s. Wollgarn) verwendet. Die Weberei des gewöhnlichen T. stimmt ganz mit der Leinenweberei überein und geschieht mit zwei Tritten oder Schäften, welche die in Hälften geteilte Kette vor jedem Einschuß abwechselnd kreuzen. Es wird indes auch viel Köpertuch (Croisé) gemacht. Es ist dies jetzt der gewöhnliche Stoff zu leichteren Röcken und zeigt, außer etwa durch einen geschmeidigeren Angriff, keinen äußeren Unterschied vom andern T., da bei beiden die Fädenbindung durch die nachfolgende Bearbeitung unsichtbar gemacht ist und erst durch Abtragen als Fadenscheinigkeit wieder zum Vorschein kommt. Das T. besteht ganz aus Wolle oder